• Sterberate bei Covid-19 ist niedriger als bisher
  • Forscher suchen nach Ursachen in Mutationen
  • Ulf Dittmer, Virologe aus Essen, ordnet Aussagen neu ein

Die Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen in Deutschland wieder stetig an. Die Zahl der Todesfälle hingegen steigt nicht im gleichen Maß. Welche Ursache gibt es dafür?  Eine mögliche Erklärung wäre eine Mutation von Sars-Cov-2, die dazu führt, dass Covid-19 seltener tödlich endet. Vor einigen Tagen berichtete die "Bild"-Zeitung darüber in Berufung auf den Essener Virologen Ulf Dittmer. Dieser wurde damals zitiert, es gebe Hinweise darauf, dass sich das Virus abschwäche. Es könne sein, dass das Virus irgendwann nur noch eine Erkältung oder einen Schnupfen auslöse. 

Bald nur noch Erkältung? Virologe schränkt Aussagen ein

Diese Aussagen schränkte Dittmer inzwischen in weiteren Interviews allerdings ein: Er sei in dem "Bild"-Artikel verkürzt zitiert worden, so Dittmer gegenüber Focus.de.

Gegenüber dem Focus betonte Dittmer, er habe auch gesagt, dass "wir Veränderungen von anderen Viren, die zur Abschwächung einer Erkrankung geführt haben, schon gesehen haben. Ob das auch bei Sars-CoV-2 passiert oder passieren wird, wissen wir noch nicht."

Es ergebe natürlich Sinn, dass das Virus nicht in die Tiefen der Atemwege wandere, weil es sich von den oberen Atemwegen aus besser verbreiten lässt. Letztlich gibt es aber derzeit keine gesicherten Erkenntnisse darüber, was die Ursache für eine geringere Sterblichkeit ist und ob die von Dittmer geäußerten Vermutungen zutreffen. Die Experten, darunter Dittmer selbst, wissen es nicht. 

Sars-Cov-2: Was wissen wir über Mutationen?

Sicher ist, dass sich Viren während ihrer Verbreitung ständig verändern - also mutieren. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden über 100 Mutationen im Ergbut des Virus festgehalten - das ergeben Daten aus der Plattform Gisaid. Dort teilen Forscherinnen und Forscher weltweit Gensequenzen hoch, inzwischen fast 60.000 Ergbutdateien. 

Laut einer Studie, die im Fachjournal "Cell" erschienen ist, hat sich die Corona-Mutation D614 weit verbreitet, ist also kein Einzelfall mehr, wie sonst sehr viele Mutationen von Viren. Laut der Studie haben 80 Prozent der auf Gisaid gespeicherten Gendaten des Coronavirus die D614-Variante in sich getragen. 

Diese Variante habe wohl zu hohen Infektionsraten geführt, so die Forschenden. Durch die hohe Infektiösität konnte sich das Coronavirus und kann es sich sehr schnell ausbreiten. Ob die Mutation jedoch die Gefährlichkeit des Virus senkt oder erhöht, können die Forschenden nicht sagen. Dazu gebe es keine Erkenntnisse, lediglich die zu hoher Ansteckbarkeit führende Eigenschaft, dass D614 besser in menschliche Zellen eindringen kann, ist belegt. 

Ärzte warnen vor Spätfolgen von Covid-19

Die Autorinnen und Autoren der in "Cell" veröffentlichten Studie sind aber der Meinung, dass jedenfalls  eine höhere Sterblichkeit unwahrscheinlich sei. Ein Virus ist an der Ausbreitung interessiert und die klappt besser, wenn die Wirte lange genug leben, um andere anzustecken. Höhere Sterblichkeit ist dabei hinderlich und daher nicht "im Interesse" des Virus. 

Die Gefährlichkeit des Coronavirus bemisst sich zudem nicht an der Sterblichkeit alleine: Die Spätfolgen einer Erkrankung ist auch für viele Genesene spürbar - "genesen" ist nicht immer mit "gesund" gleichzusetzen. Ärzte warnen daher vor einer Verharmlosung der Viruserkrankung und warnen vor ernsten Spätfolgen. 

Aktuelles rund um Entwicklungen zum Coronavirus erfahren Sie in unseren Corona-Liveticker. 

Symbolbild: pixabay.com