• Droht eine "Twindemic"? Experten warnen vor der Zwillingsepidemie aus Corona und Influenza
  • Experten warnen: Für Risikogruppen lebensbedrohlich
  • Wie wirkt sich die Omikron-Variante auf das Doppelinfektionsrisiko aus?

Durch die Corona-Maßnahmen hat es bislang keine Grippewellen gegeben. Üblicherweise beginnt im Winter die Grippesaison. In Verbindung mit dem Coronavirus könnte eine sogenannte "Zwillings-Epidemie" oder auch "Twindemic" zu erheblichen Problemen vor allem für Risikogruppen führen. Die europäische Seuchenbehörde ECDC hat in Teilen Europas einen starken Anstieg der Grippefälle festgestellt. Durch die Infektionsdynamik der Omikron-Variante des Coronavirus könnte es viele Fälle dieser Doppelinfektion geben. Das könnte ein Problem werden, denn durch die ausbleibende Grippewelle 2020/21 und im bisherigen Winter 2021/22 fehlt vielen Menschen der nötige Immunschutz gegen Influenza. 

Gefahr durch Omikron-Variante: Doppelinfektionen mit Influenza könnten zunehmen

Mediziner gehen davon aus, dass die Ausbreitung der Omikron-Variante in Kombination mit der saisonalen Grippezeit zu einem vermehrten Auftreten solcher Doppelinfektionen führen könnte. Aufgrund der erhöhten Hygienemaßnahmen im Winter 2021/22 gab es vor einem Jahr deutlich weniger Grippefälle als vor der Pandemie. Vielen Menschen fehlt daher aber auch der nötige Immunschutz, um sich nun vor einer Grippeerkrankung zu schützen.

In Deutschland hat es bisher keinen starken Anstieg der Influenzafälle gegeben, doch laut Bericht der ECDC ist im Nachbarland Frankreich ein starker Anstieg der Grippeinfektionen mit dem Virusstrang H3 festgestellt worden. Das Problem daran ist, dass erste Labortests eine "nicht optimale" Wirkung gegen den H3-Virusstrang zeigten. Das erklärte ECDC-Influenza-Experte Pasi Penttinen. Der Bericht der Seuchenschutzbehörde warnt vor einer starken Belastung der europäischen Gesundheitssysteme, sollten flächendeckende Doppelinfektionen mit SARS-CoV-2 und Influenza (H3) zu einer "Twindemic", also einer Art "Zwillings-Epidemie" führen. Laut ECDC sei es dringend geboten, auch die Impfstoffe gegen die Grippe anzupassen.

Die Zahl der Intensivfälle aufgrund einer Influenza-Erkrankung sind in Europa noch sehr gering: In der letzten Dezemberwoche waren 43 Personen in intensivmedizinischer Betreuung. Im vorigen Winter war es im Vergleichszeitraum jedoch nur eine einzige Person. 

"Zwillings-Epidemie": Für wen ist die Doppelinfektion besonders gefährlich?

Für Risikogruppen, also Senioren, chronisch Kranke oder Schwangere, könne eine Doppelinfektion lebensbedrohliche Folgen haben, warnt das Robert-Koch-Institut (RKI). Besonders gefährlich ist dabei, dass die Lunge durch Flüssigkeitsansammlungen und Gerinnsel in den Blutgefäßen zweifach geschädigt wird „Daher sollte man natürlich sich selber schützen. Auch wäre es gut, wenn wir das Gesundheitswesen nicht durch viele Grippe- und Covid-19-Erkrankte doppelt belasten würden“, rät der Immunologe Dr. Carsten Watzl im Interview mit der Bild-Zeitung.

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Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt vor allem der Altersgruppe ab 60 Jahren, sich gegen beide Viren impfen zu lassen. Das in Deutschland verwendete Grippe-Vakzin ist ein Totimpfstoff, weshalb zwischen der Grippe- und Corona-Impfung kein zeitlicher Abstand notwendig sei. Die Doppelinfektionen treten bereits seit Beginn der Pandemie auf. Auch in Deutschland gab es vermutlich bereits solche Fälle, glaubt der Infektiologe Andreas Cerny. Da die Patienten aber nicht auf beide Viren getestet wurden, liegen keine ärztlichen Nachweise darüber vor.

Die Influenza ist also nicht verschwunden, sondern unterliegt nur den Auswirkungen der geltenden Corona-Maßnahmen seit März 2020. So verringern etwa die Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen das Risiko einer Tröpfcheninfektion. Die Grippe hatte es also schwerer, sich ungestört auszubreiten.

Vor Beginn der Corona-Pandemie traten Grippewellen immer saisonal auf, gerade Kinder und Eltern gerieten regelmäßig in Kontakt mit dem Virus, was bei vielen zu einer "Kernimmunität" führte. Diese verhinderte schwere Erkrankungen, die Menschen seien sozusagen gegen Influenza "geboostert", so Mediziner Johannes Knobloch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Gerade für den kommenden Winter befürchtet der Mediziner eine starke Grippewelle in Deutschland. "Es ist zu befürchten, dass uns im nächsten Jahr eine starke Grippewelle bevorstehen wird, wenn die AHA-L Maßnahmen nicht mehr so stringent eingehalten werden und es zwei Jahrgänge von Kindern gibt, die noch wenig bis gar keinen Kontakt zu Grippeviren hatten", wird die Verbandsvorsitzende Jana Husemann von der dpa zitiert. Die AHA-L Maßnahmen (Abstandhalten, Hygieneregeln, Alltagsmaske und Lüften) wurden gerade zu Beginn der Corona-Pandemie zu einem populären Instrument zur Bekämpfung von Covid-19. 

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