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Berlin/Hanover
Sterblichkeitsrate

Coronavirus tödlicher als Grippe: Diese Menschen sind besonders gefährdet

Das Coronavirus ist weit gefährlicher als bisher gedacht: Eine neue Studie zeigt, dass die Sterblichkeit bei einer Covid-19-Infektion höher ist als bei einer gewöhnlichen Grippe - doch nicht jeder Mensch ist davon gleichermaßen gefährdet.
 
Eine neue Studie aus den USA hat untersucht, wie viele Menschen im Durchschnitt an einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Symbolbild: enriquelopezgarre/ Pixabay
Eine neue Studie aus den USA hat untersucht, wie viele Menschen im Durchschnitt an einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Symbolbild: enriquelopezgarre/ Pixabay

Sterblichkeit bei einer Corona-Infektion - wie gefährlich ist das Virus wirklich? Bereits mehr als eine Million Menschen auf der Welt sind bisher in Folge einer Corona-Infektion gestorben. Das geht aus Daten der Johns-Hopkins-Universität hervor, Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Dennoch wird die Zahl der Corona-Toten häufig relativiert - schließlich würden auch jedes Jahr Menschen an der Grippe sterben. 

Eine neue Studie von Forschern aus den USA und Australien zeigt nun jedoch, dass die Sterblichkeitsrate für Covid-19 höher ist als für die Grippe. Das Team um Andrew Levin vom Dartmouth College hat eine Meta-Analyse zur sogenannten "Infektionssterblichkeit" in mehreren Regionen und Ländern durchgeführt. Diese Rate gibt das Verhältnis zwischen der Zahl der Todesfälle und der Zahl der Infizierten an.

Sterberate für Coronavirus 16 Mal höher als für Grippe

In den USA liegt der Wert laut Studie bei etwa 0,8 Prozent. Zum Vergleich: Die Infektionssterblichkeit bei Grippe-Infizierten lag für den Winter 2018/2019 bei 0,05 Prozent - die Todesrate für Covid-19 ist also in etwa 16 Mal höher. Auch im Vergleich zu Unfalltoten ist das Coronavirus scheinbar gefährlicher. Beispielsweise ist für Menschen zwischen 55 und 64 Jahren in Großbritannien das Risiko, an einer Corona-Infektion zu sterben, mehr als 200 Mal höher, als die Chance bei einem Autounfall ums Leben zu kommen.

Doch ganz so einfach lässt sich die Infektionssterblichkeit des Coronavirus nicht bewerten: Sowohl regional, als auch in den unterschiedlichen Altersgruppen konnte die Studie große Unterschiede feststellen. Die deutlichste Aussage der Untersuchung ist, dass mit dem Alter die Chance, an einer Corona-Infektion zu sterben, steigt. Für Kinder und Jugendliche liegt die Sterberate nahe Null, ab 55 Jahren liegt sie jedoch schon bei 0,4 Prozent. Mit zunehmenden Alter steigt die Sterblichkeit dann rapide an.

Diese enormen Unterschiede je nach Alter der Infizierten schlagen sich auch in den Zahlen für die 33 Regionen nieder, die untersucht wurden. Während die Sterberate in New York bei einem Prozent lag, kam die Stadt Genf nur auf die Hälfte. Ein Ländervergleich fällt ebenfalls unterschiedlich aus: Großbritannien verzeichnet eine Sterblichkeit von 1,5 Prozent, Italien, das besonders zu Beginn der Pandemie als Brennpunkt in Europa galt, liegt bei 2,7 Prozent.

Sterberisiko bei Corona-Infektion steigt mit dem Alter rapide an

Wie viele ältere Menschen in einer Region leben und wie gut sie vor dem Virus geschützt werden, kann also große Auswirkungen auf die Sterberate haben. Wie die Forscher betonen, soll die Infektionssterblichkeit auch nicht als fester Wert verstanden werden, da sie von vielen verschiedenen Faktoren abhängt.

Für Deutschland lassen sich nur schwer Aussagen über die Sterblichkeit treffen. Das Robert-Koch-Institut erfasst beispielsweise nur die sogenannte "Fallsterblichkeit", also den Anteil der Corona-Toten an den gemeldeten Krankheitsfällen. Laut des Lageberichts im Oktober liegt dieser Anteil bei 3,2 Prozent. Im Fall des Coronavirus kann die Zahl jedoch irreführend sein, da viele Menschen - insbesondere jüngere - nur leichte oder gar keine Symptome zeigen und damit auch nicht als offizielle Fälle in die Statistik aufgenommen werden.

Anhand der Ergebnisse der US-Studie lässt sich für Deutschland jedoch zumindest abschätzen, dass die Infektionssterblichkeit höher wäre als in den USA. Der Virologe Christian Drosten hat in seinem Podcast "Das Coronavirus-Update" einen Wert um etwa ein Prozent geäußert. Grund dafür ist das höhere Durchschnittsalter in Deutschland. Im Gegenzug sterben in Deutschland im Durchschnitt weniger Menschen an der Grippe. Ein Vergleich zwischen Grippe und Coronavirus würde hierzulande demnach noch extremer ausfallen.

Doch ist so ein Vergleich überhaupt sinnvoll? Der Physiker Dirk Brockmann vom Institut für Biologie der Berliner Humboldt-Universität hat Modelle zur Ausbreitung von Infektionen erforscht und gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland  einige Bedenken über die Studie von Levin geäußert. Da die Sterblichkeit von so vielen Faktoren abhängig ist und sich mit der Zeit zudem verändert, lässt sich ein solcher Wert nur schwer ermitteln. Ein Vergleich mit der Grippe sei ebenfalls problematisch, da die Zahl der Grippe-Toten nur hochgerechnet wird, während Menschen, die an einer Corona-Infektion sterben, gemeldet werden.

Wussten Sie, dass neben dem Alter auch das Geschlecht ein ausschlaggebender Faktor sein kann? Bei Männern ist das Sterberisiko höher als bei Frauen.