Über das Coronavirus gibt es immer mehr Daten und statistische Erhebungen: Doch bereits im April ging aus einer Analyse des Portals „Global Health 50/50“ (Stand 22. April 2020) eindeutig hervor, dass die Sterblichkeitsrate von SARS-CoV-2 für Männer höher ist als für Frauen. Das bestätigen hierzulande auch die Zahlen aus dem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts vom 13. September 2020.

Zu diesem Zeitpunkt wurden in Deutschland 9349 Personen erfasst, die im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung gestorben sind. 5182 davon waren Männer, was einen Anteil von 55 Prozent ausmacht. 

Update 28.08.2020, 12.00 Uhr: Studie belegt, was Forscher vermutet hatten - Coronavirus für Männer deutlich gefährlicher

In einer Studie, die von Women's Health Research in Yale in Auftrag gegeben und am 28. August im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde, zeigten die Autoren mögliche biologische Erklärungen dafür auf, warum Männer häufiger als Frauen schwere Fälle von COVID-19 durchleiden müssen und auch öfter an der Krankheit sterben.

"Wir haben nun klare Daten, die darauf hindeuten, dass sich die Immunlandschaft bei COVID-19-Patienten zwischen den Geschlechtern beträchtlich unterscheidet und dass diese Unterschiede einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit bei Männern zugrunde liegen könnten", sagte die leitende Autorin Akiko Iwasaki, Waldemar Von Zedtwitz-Professorin für Immunbiologie und Molekular-, Zell- und Entwicklungsbiologie. "Zusammengefasst legen diese Daten nahe, dass wir unterschiedliche Strategien brauchen, um sicherzustellen, dass Behandlungen und Impfstoffe für Frauen und Männer gleichermaßen wirksam sind", führt die Forscherin weiter aus. Weltweit machen Männer rund 60 Prozent der Todesfälle die COVID-19 zu verantworten hat, aus.  Weltweit wurden 22,2 Millionen Menschen mit der Krankheit infiziert, mehr als 782.000 starben.

Die englischen Forscher fanden durch die Untersuchung von 17 Millionen Erwachsenen heraus, dass Männer gegenüber Frauen ein fast doppelt so hohes Sterbichkeitsrisiko haben.  Die Forschung baute auf umfangreichen früheren arbeiten auf.  So konntne die Forscher signifikante Unterschiede im Immunsystem von Frauen und Männern aufzeigten.

Die Forscher sammelten Nasen-, Speichel- und Blutproben von nicht infizierten Kontrollpersonen sowie von Patienten mit der Krankheit. Das Team verfolgte die Patienten über einen längeren Zeitraum, um zu beobachten, wie sich die anfänglichen Immunreaktionen bei Patienten, die sich von der Krankheit erholen, und bei Patienten, die in schlechtere Krankheitsstadien fortschreiten, unterscheiden.

Beim Vergleich männlicher und weiblicher Patienten fanden die Forscher wesentliche Unterschiede in der Immunantwort in den frühen Phasen der Infektion. Zu diesen Unterschieden gehörten bei Männern höhere Konzentrationen mehrerer Arten von Entzündungsproteinen, die als Zytokine bezeichnet werden. Zytokine werden als Teil der angeborenen Immunreaktion des Körpers eingesetzt. 

Frauen durch besondere Zellen weniger anfällig

Hierbei handelt es sich um einen ersten allgemeinen Abwehrversuch des Körpers gegen die Krankheitserreger. Dabei werden die Immunzellen an den Ort der Infektion befördert, wodurch eine Entzündung des betroffenen Gewebes als physische Barriere entsteht, um die Heilung zu fördern.

In schweren Fällen von COVID-19 führt jedoch eine übermäßige Ansammlung von Zytokinen, die als "Zytokinsturm" bezeichnet wird, zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, die dem Körper Sauerstoff entzieht und möglicherweise zu Schock, Gewebeschäden und Multiorganversagen führt. Je früher höhere Zytokinkonzentrationen bei Männern auftreten, desto wahrscheinlicher sind diese Folgen.
Im Gegensatz dazu stellten die Forscher fest, dass weibliche Patienten eine robustere Aktivierung der T-Zellen hatten. Die können einzelne eindringende Viren erkennen und eliminieren.

Beobachtungen von Patienten im Laufe der Zeit zeigten, dass schlechte T-Zell-Reaktionen bei Männern zu einer Verschlechterung der Krankheit führten. Wenn bei weiblichen Patienten die angeborenen Zytokinspiegel stark erhöht waren, verschlechterte sich auch bei ihnen die Krankheit. Darüber hinaus wurde bei älteren Männern - aber nicht bei älteren Frauen - beobachtet, dass sie signifikant schlechter auf T-Zellen reagierten als jüngere Patienten.
Auf der Grundlage dieser Ergebnisse schlagen die Forscher vor, therapeutische Interventionen und Impfstoffstrategien zu erforschen, die die T-Zell-Immunantwort auf das Virus bei männlichen Patienten erhöhen und die die angeborene Immunaktivierung im Frühstadium der Krankheit bei weiblichen Patienten dämpfen.

"Diese Ergebnisse beantworten Fragen zu COVID-19, die den Weg zu einer wirksameren, gezielteren Reaktion auf diese Krankheit weisen", sagte Carolyn M. Mazure, Direktorin der Women's Health Research in Yale. "Wie Dr. Iwasaki und ihre Kollegen feststellen konnten, sollten Forscher getrennte Strategien für Frauen und Männer in Betracht ziehen, damit alle davon profitieren können".

Studie: Coronavirus benötigt bestimmtes Enzym, um in Zellen zu gelangen

Mehrere Studien beschäftigen sich mit der höheren Anfälligkeit und Sterblichkeit von Männern durch das Virus Sars-CoV-2. In einer europäischen Studie, die im "European Heart Journal" veröffentlicht wurden, will man nun einen weiteren Grund dafür gefunden haben.

ACE2 sei laut dem Artikel, ein Enzym, dass das Coronavirus benötigt, um in die Zellen einzudringen, sich zu vermehren und in der Lunge festzusetzen. Die Studie zeigt, dass das Blut von Männern einen weitaus höheren Wert an dem Schlüsselenzym ACE2 aufweist als das von Frauen. 

ACE-Hemmer, die bei Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen und Diabetes verabreicht werden, erhöhen laut der Studie nicht die ACE2-Konzentration im Blut. Somit besteht hier keine erhöhte Infektionsgefahr.

Die Wirkung von Östrogen auf das Immunsystem

Warum das so ist, dafür haben verschiedene Wissenschaftler eine Theorie entwickelt. Demnach sei das weibliche Immunsystem stärker als das von Männern. Marcus Altfeld vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg erklärt das so: „Östrogen stimuliert das Immunsystem, Testosteron hingegen unterdrückt es. Das Immunsystem von Frauen reagiert deshalb schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern.“ Immunologin Beatrix Grubeck-Loebenstein von der Universität Innsbruck erklärt ergänzend dazu: „Der Effekt des durch Östrogen gestärkten Immunsystems ist bei jungen Frauen ab der Pubertät besonders ausgeprägt und wird bei Frauen nach der Menopause schwächer.“

Warum dem so ist, das liege in der Natur des Menschen. Bereits in der Steinzeit, als die Menschen noch gemeinsam in Höhlen lebten, sei dieser Effekt zu tragen gekommen. Die Hauptaufgabe des weiblichen Immunsystems sei schon damals gewesen, das ungeborene oder neugeborene Kind bestmöglich zu beschützen.

Zusätzlich geht aus einer Erhebung des Robert Koch Instituts hervor, dass Männer häufiger ungesünder leben. 2014 veröffentlichten es eine entsprechende Untersuchung. Darin heißt es wörtlich: „Anhand epidemiologischer Daten kann seit langem konsistent gezeigt werden, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit deutlich unterscheiden.“ Und diese Unterscheidung sei zum Nachteil der Männer ausgefallen.

Erstmeldung 05.03.2020: Bei Männern verläuft Infektion schwerer

Das Coronavirus breitet sich aktuell rasant in Deutschland aus. Mittlerweile sind 36 Menschen in der Bundesrepublik infiziert (Stand: 3. März 2020, 19.00 Uhr). Auch in Franken gibt es Betroffene. Laut Angaben des "Robert Koch Institutes (RKI)" sind weltweit 90.900 Menschen von Coronavirus-Infektionen betroffen - allein 80.820 Fälle stammen aus China.

Chinesische Forscher haben nun untersucht, welche Gruppen vergleichsweise gefährdeter als andere sind. Die Mediziner konnten beobachten, dass das Coronavirus bei Männern in vielen Fällen schwerer verlief als bei Frauen. Das geht aus einem Seuchenbericht der chinesischen Behörden hervor: Darin wurden die Daten von insgesamt mehr als 70.000 Patienten ausgewertet. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich 22.981 Männer und 21.691 Frauen mit dem Coronavirus angesteckt hatten - so weit, so ausgeglichen.

Coronavirus: Vorerkrankungen als Faktor

Allerdings zeigte sich bei der Sterblichkeitsrate, sprich der Schwere des Krankheitsverlaufes ein Unterschied. Diese liegt bei Männern bei 2,8 Prozent, bei Frauen hingegen bei 1,7 Prozent. In Zahlen bedeutet das: 653 Männer starben im Vergleich zu 370 Frauen.

Forscher begründen die niedrigere Sterblichkeitsrate unter Frauen mit zwei Aspekten. Zum einen ist wohl das weibliche Immunsystem generell stärker als das von Männern. "Das ist ein Muster, das wir bei vielen Virusinfektionen der Atemwege gesehen haben", sagt Sabra Klein, Expertin der "Johns Hopkins Universität" gegenüber der New York Times. Klein untersucht seit geraumer Zeit geschlechtliche Faktoren in Bezug auf virale Infektionen. Dazu liegen bislang jedoch keine finalen Erkenntnisse vor.

Allerdings wird als zweiter Aspekt, neben dem Immunsystem, der Lebensstil als entscheidend angesehen: Dieser begünstigt Vorerkrankungen, die das Risiko sich mit dem Coronavirus zu infizieren, deutlich erhöhen. Beispielsweise liegt die Sterberate unter Erkrankten, die zuvor eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, deutlich höher als Beispielsweise für Patienten ohne Vorerkrankung. Das belegen Daten des "Chinese Center for Desease Control and Prevention".

Als einer der Hauptrisikofaktoren von Herz-Kreislauf-Krankheiten gilt zum Beispiel das Rauchen. In Bezug auf China zeigen Zahlen des "Translational Lung Cancer Research"-Institutes bemerkenswertes: Dort raucht nahezu jeder zweite Mann, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht. Unter Frauen tun dies lediglich zwei Prozent. Neben dem Konsum von Zigaretten gibt es allerdings weitere Faktoren, die solche Krankheiten begünstigen - diese Lebensmittel sind genauso schädlich wie eine Zigarette.