• Corona-Test bleibt positiv nach überstandener Corona-Infektion: Bei vielen Menschen wird der Test nicht negativ
  • PCR-Tests: Spezielle Technik laut Experten "sehr sensitiv"
  • Schwacher zweiter Strich: Bin ich noch ansteckend?
  • Wichtiger Unterschied zwischen PCR-Test und Antigen-Schnelltest

Das ungewöhnliche Phänomen trifft vor allem seit Omikron immer mehr Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben: Obwohl die Krankheit scheinbar überstanden ist, wird der Corona-Test für lange Zeit nicht negativ. Dafür gibt es laut Experten gleich mehrere Erklärungen. Virologin Sandra Ciesek kennt das Problem. Prinzipiell müssen man dabei zwischen PCR-Tests und Antigen-Schnelltests unterscheiden, betont die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Dass PCR-Tests auch Wochen nach einer Infektion noch ein positives Ergebnis liefern können, ist bekannt und wird sehr häufig beobachtet", so Ciesek.

Corona-Test wird nicht mehr negativ: Woran das liegt und was du tun kannst

Das liege daran, dass die Technik hinter den PCR-Tests "sehr sensitiv" sei. "Es können also oft noch Rest-Mengen vom Erbgut des Virus nachgewiesen werden, auch wenn die Infektion eigentlich schon längst überstanden ist", erklärt die Virologin. Es könne so auch passieren, dass ein PCR-Test negativ, der nächste aber wieder schwach positiv ausfalle. Derart schwache Ergebnisse müssten dann interpretiert werden. Ist die Virusmenge gering und die Infektion bekanntermaßen abgeklungen, könne man davon ausgehen, dass die Person trotz schwach positivem PCR-Test nicht mehr ansteckend sei.

Bestseller: Corona-Selbsttests bei Amazon ansehen

Schnelltests dagegen können eine geringe Viruslast oft nicht erkennen. Sie seien zwar dennoch recht zuverlässig, so Ciesek, allerdings in einem engeren Zeitfenster. "In der Regel ist dieser Test nur in den ersten Tagen der Infektion positiv und wird dann negativ, auch wenn man noch einige Tage lang mit einer positiven PCR rechnen muss", sagte sie. "Auch wird der Antigentest in der Regel erst circa 24 Stunden nach der PCR positiv." Mit Omikron tun sich Schnelltests zudem besonders schwer. Bestimmte Tests sollen die Variante jedoch recht zuverlässig erkennen können.

Doch es geht auch andersherum: Der Corona-Test könne auch Tage nach einer Infektion schlichtweg ein falsch positives Ergebnis anzeigen, sagte der Mediziner Dr. Christian Specht im Interview mit RTL. Grund dafür kann die mangelhafte Qualität des Schnelltests sein.

Tool zum Schnelltest-Check

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte bis zum Dezember 2021 fast 250 Schnelltests überprüft. Dabei stellten die Fachleute fest, dass 46 der getesteten Produkte nicht zuverlässig genug sind. Sie werden aber trotzdem weiter verkauft. Inzwischen gibt es auch ein Online-Tool, das schon vor dem Kauf die Qualität eines Tests überprüfen kann. Um ein falsches Ergebnis zu vermeiden, ist es außerdem wichtig, den Corona-Test richtig durchzuführen. Welche Fehler ihr vermeiden solltet, lest ihr hier.

Wieso gerade jetzt offenbar viele Leute von Corona-Tests berichten, die einfach nicht negativ werden, könnte auch an der Omikron-Variante liegen. Forschende haben beobachtet, dass die Virusvariante sich zwar besser im Nasen-Rachenraum ausbreiten kann, aber dafür weniger gut in der Lunge. Wie Professor Roland Eils vom Berlin Institute of Health der Charité erklärt, hängt das mit der Mutation des Virus zusammen. Bei Omikron ist das sogenannte Spike-Protein, über das sich das Virus verbreitet, auf eine starke Bindung an einen bestimmten Rezeptor optimiert.

Dieser Rezeptor komme in der Lunge deutlich seltener vor als in den oberen Atemwegen. Dies könnte auch erklären, wieso sich die Corona-Variante grundsätzliche schneller ausbreitet und weniger schwere Erkrankungen verursacht.

Omikron produziert viele Viren

Bei Omikron bilden sich die Viren also hauptsächlich im Rachen und auf den Nasenschleimhäuten. Dazu kommt noch, dass die Variante "relativ viele Viren" produziere, so Specht. Das führe zu dem Nebeneffekt, dass beim Abstrich im Nasen-Rachen-Bereich auch nach längerer Zeit noch das Virus zu finden sei. Nach Einschätzung des Allgemeinarztes könne auch ein psychologischer Effekt den Eindruck erwecken, dass der Corona-Test scheinbar nicht negativ werden will. "Da hat man seine Symptome schon überstanden, ist aber noch infektiös", sagte Specht bei RTL. Auf Erkrankte könne das irritierend wirken, gerade bei der milderen Omikron-Variante.

Zusätzlich verstärkt wird der Effekt auch von der verkürzten Quarantäne-Zeit: Infizierte müssen nur noch fünf Tage in Isolation. Die Viruslast lässt laut Fachleuten allerdings in der Regel erst zehn Tage nach der Infektion deutlich nach, bei manchen Menschen dauert es sogar noch länger. Da zuvor zum Abschluss der Quarantäne noch ein negativer Test notwendig war, sorgte es logischerweise für Irritation, wenn der Test weiter positiv blieb. Beim Freitesten war die Viruslast die ausschlaggebende Größe: Auch wenn der Test noch leicht positiv war, war es so möglich, die Isolation zu beenden. Die Gesundheitsämter schauten sich dafür den Ct-Wert an, der die Viruslast angibt. Je niedriger der Ct-Wert, desto höher die Viruslast - ab einem Ct-Wert über 30 ging man davon aus, dass die Person nicht mehr ansteckend war. Statt der Viruslast stehen bei den neuen Quarantäne-Regeln dagegen die Symptome im Vordergrund. Fünf Tage in Isolation sind verpflichtend.

Wer mindestens die letzten 48 Stunden davon symptomfrei ist, kann die Isolation ohne abschließenden Test beenden. Bestehen weiterhin Symptome, müssen die Betroffenen in Isolation bleiben, aber wie gehabt nur für maximal zehn Tage. Die einzige Ausnahme, für die der ewig positive Corona-Test weiterhin zum Problem werden kann, sind Menschen, die zum Beispiel in Kliniken oder Pflegeheimen arbeiten. Sie dürfen erst wieder arbeiten, wenn ein negativer Antigentest oder ein PCR-Test mit einem Ct-Wert von mehr als 30 vorliegt.

Mehr zum Thema:

 Artikel enthält Affiliate Links