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Gesundheit

Corona-Infektion: Immun oder "Super-Spreader" - welche Rolle spielt deine Blutgruppe?

Laut einer Studie steht die Blutgruppe offenbar in Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus. Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe stecken sich demnach häufiger an, andere haben ein besonders kleines Risiko. Welche Rolle spielt die Blutgruppe?
Corona-Studie verblüfft: Diese Blutgruppe soll
Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe stecken sich offenbar besonders selten mit Corona an - woran liegt das? Foto: AhmadArdity/pixabay.com
  • Die Blutgruppe könnte darüber entscheiden, wie anfällig man für eine Corona-Infektion ist
  • Forschende haben herausgefunden, dass besonders eine Blutgruppe von Covid-19-Erkrankungen verschont bleibt
  • "Super-Spreader": Auch bei der Verbreitung des Coronavirus soll die Blutgruppe eine Rolle spielen
  • Eine Theorie aus Großbritannien erklärt, woher dieser Zusammenhang kommen könnte

Das Ansteckungsrisiko für Covid-19 ist mit dem Auftreten der Omikron-Variante rasant gestiegen. Auch die Gefahr für Impfdurchbrüche ist mit der neuen Corona-Mutante größer geworden. Doch während manche trotz Impfung und Genesung bereits zum zweiten Mal ein positives Testergebnis erhalten hat, bleiben andere von Covid-19 verschont. Wie kann das sein? Forschende bringen immer wieder einen erstmal unscheinbaren Faktor ins Spiel: die Blutgruppe. 

Corona-Infektionsrisiko: Welche Rolle spielt die Blutgruppe?

In Fachkreisen kursiert die Vermutung, der Impfstatus und die Zahl der Antikörper seien nicht allein für die Anfälligkeit einer Corona-Infektion verantwortlich. Eine in Graz durchgeführte Studie geht davon aus, dass auch die Blutgruppe eine entscheidende Rolle spielt. Die Forschungsergebnisse der österreichischen Universität bestätigen diese Annahme. Und auch eine neue Studie eines französischen Forschungsteams zeigt: Deine Blutgruppe ist ein wichtiges Indiz für dein Infektionsrisiko.

Die Grazer Untersuchung umfasst die Daten von fast 400 Covid-19-Patient*innen. "Als Vergleichskontrolle für die ‚normale‘ Blutgruppenverteilung in der Steiermark dienen die Vollblutspender*innen (250.298) des Blutspendedienstes (ÖRK Landesverband Steiermark)", heißt es seitens Thomas Wagner, Teil der Forschungsleitung und Mediziner an der Med Uni Graz.

In der Studie berücksichtigten die Forschenden auch die Verteilung und Häufigkeit der einzelnen Blutgruppen. Die Auswertung der Datengrundlage zeigte eine ganz klare Tendenz: Personen mit der Blutgruppe 0 haben eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu erkranken – wenn auch nur statistisch.

"Super-Verbreiter"- und "Super-Empfänger"-Blutgruppen

"Die Blutgruppe AB hingegen wurde bei Infizierten und an Covid-19 erkrankten Menschen signifikant häufiger festgestellt", heißt es weiter in der Pressemitteilung. Der Schweregrad einer Infektion würde durch den BlutTyp jedoch nicht beeinflusst werden. Diese Annahme steht im Gegensatz zu einer deutsch-norwegischen Studie, der zufolge eine Blutgruppe besonders häufig unter schweren Krankheitsverläufen leiden würde.

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Peter J.I. Ellis ist Dozent für Molekulargenetik und Reproduktion an der britischen University of Kent. Seine Arbeit widmet sich vor allem der Ursachenforschung. Er hat sich ebenfalls mit dem Zusammenhang von Blutgruppen und Corona-Infektionen auseinandergesetzt.

Seine auf dem Fachportal ScienceDircet veröffentlichten Ergebnisse kommen zum selben Schluss, wie die der Grazer Universität: Bei der Anzahl an Corona-Infektionen ist die Blutgruppe 0 deutlich unterrepräsentiert. "In westlichen Populationen sind also Personen vom Typ A und AB ‚Super-Empfänger‘, während Personen vom Typ 0 ‚Super-Verbreiter‘ sind“, schreibt Ellis.

Woher die Unterschiede bei der Corona-Infektion? Forscher Ellis wirft neue Theorie auf

Doch woran liegt das? Der britische Forscher wirft eine ganz neue Theorie ins Rennen. Seiner Meinung nach nehme die Blutgruppe bei der Übertragung einer Covid-19-Infektion eine ähnliche Rolle wie bei einer Bluttransfusion ein. "Dies erklärt, warum Menschen mit Blutgruppe 0 ein geringeres Infektionsrisiko haben", wird Ellis zitiert.

"Genauso wie sie Bluttransfusionen von Nicht-0-Typen ablehnen, können sie Viruspartikel von einem Patienten mit Nicht-0-Blut abstoßen und so einer Infektion entgehen.“ Umgekehrt würde diese These auch bedeuten, dass Typ-0-Patient*innen das Virus auch an alle anderen Blutgruppen weitergeben können.

Ellis ist der erste Forscher mit dieser Theorie. Seiner Meinung nach müsse die seinem Modell zugrundeliegende Biochemie "dringend experimentell untersucht“ werden. Eines ist jedoch sicher: Absoluten Schutz vor einer Corona-Infektion bietet auch die Blutgruppe nicht.

Neue Studie der Universität Nantes: Kompatible Blutgruppen stecken sich gegenseitig an

Ein Forschungsteam um Rachida Boukhari und Adrien Breiman von der Universität Nantes fand heraus, dass ein infizierter Mensch wesentlich häufiger eine andere Person im selben Haushalt ansteckt, wenn die Blutgruppen der beiden kompatibel sind. Die Erkenntnisse aus der französischen Studie wurden im Fachblatt "Frontiers in Microbiology" veröffentlicht.

Den Daten liegen die Befragungen coronainfizierter Klinikmitarbeiter und derer im gemeinsamen Haushalt lebender Partner zugrunde. Die Infektionen fanden demnach von Januar 2020 bis Mai 2021 statt. Die Forscher erfassten die Blutgruppen der Menschen, wobei die jeweilige Häufigkeit der Zugehörigkeit in der Stichprobe etwa der in der französischen Gesamtbevölkerung entsprochen habe, hieß es. Insgesamt konnten die Forscher so bei 333 Paaren die Weitergabe des Virus in Abhängigkeit von der Blutgruppe ermitteln.

Das Ergebnis: Waren die Blutgruppen miteinander verträglich, also beispielsweise, wenn der Erstinfizierte die Blutgruppe 0 hatte und der Empfänger A, B oder AB, kam es in 47,2 Prozent der Fälle zu einer Ansteckung. Im umgekehrten Fall, wenn der Infizierte eine Blutgruppe hatte, die der Partner bei einer Blutspende nicht verträgt, kam es nur zu 27,9 Prozent zu einer Ansteckung. Konkret bedeutete dies ein um 41 Prozent geringeres Ansteckungsrisiko, wenn die Blutgruppen nicht zueinander passten.

Studie bestätigt: Blutgruppe 0 mit geringstem Risiko 

Bezogen auf die einzelnen Blutgruppen bestätigten die Studienergebnisse im Umkehrschluss bisherige, mehrfach empirisch gewonnene Erkenntnisse, nach denen ein Mensch mit der Blutgruppe 0 das geringste Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus hat, so die Forscher.

Blutgruppe 0 beim Empfänger ist schließlich nur mit der eigenen kompatibel. Wenn ein Mensch aber infiziert sei, könne er das Virus besonders leicht an Menschen verschiedener Blutgruppen weitergeben.

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