Wieso gilt die Inzidenz von 35 als so wichtiger Schwellenwert? In der Debatte um mögliche Lockerungen des Lockdowns spielen die Inzidenzwert von 35 und 50 eine wichtige Rolle. Sie gelten als Schwellenwerte, ab deren Erreichen es überhaupt erst möglich sein soll, die Corona-Maßnahmen zu entschärfen. Aber wieso eigentlich?

Im Frühjahr 2020 wurde erstmals der Schwellenwert einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen bei der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Länderchefs festgelegt. Dabei vereinbarten sie bei ihrer Sitzung am 6. Mai, dass ab Erreichen dieses Schwellenwertes ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt werden müsse, wie ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums auf Nachfrage erklärte.

Corona-Lockerungen: Was steckt hinter den Inzidenzwerten von 35 und 50?

Mit der Sieben-Tage-Inzidenz von 35 wurde nun auf Bundesebene eine weitere Sicherheitsschwelle festgelegt. Dieser Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner pro Woche ist bereits in § 28a Abs. 3 im Infektionsschutzgesetz verankert und stellt dort einen Schwellenwert dar, ab welchem breit angelegte Schutzmaßnahmen zu treffen sind, um eine schnelle Abschwächung des Infektionsgeschehens zu ermöglichen, so das Ministerium

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In Bayern ist dieser Wert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner nicht neu. Er ist bereits seit Mai letzten Jahres als "Signalwert" Teil der Anti-Corona-Strategie im Freistaat. Ab diesem Wert werden die Gesundheitsämter alarmiert, die Zunahme der Fallzahlen in ihrem Zuständigkeitsbereich zu analysieren und Maßnahmen zur Gegensteuerung einzuleiten.

Die Kontaktnachverfolgung durch die Gesundheitsämter ist bei beiden Inzidenzwerten sichergestellt. Die Ämter wurden in den vergangenen Monaten dazu massiv mit Personal verstärkt. Damit seien die Gesundheitsämter auch für die Kontaktnachverfolgung bei Infektionsfällen mit den neuen besorgniserregenden Virusvarianten gut gerüstet.

Der Virologe Hendrik Streeck den von Bund und Ländern vereinbarten Schwellenwert für Öffnungen jedoch skeptisch: "Das Problem an diesen Richtwerten ist, dass sie keine wissenschaftliche Grundlage haben, sondern eher politischer Natur sind." Anstelle des Kriteriums der Infektionsinzidenz empfiehlt Streeck laut der Deutschen Presse-Agentur eine Corona-Ampel. Abhängig von der Belegung der Kliniken mit Covid-19-Patienten, der nach Altersklassen unterteilten Zahl von Neuansteckungen und dem Reproduktionsfaktor sollte sie jeweils auf Rot, Gelb oder Grün gestellt werden.

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