• Rauchende bekommen seltener Corona
  • Japanische Forscher finden Ursache: hochgiftige Kohlenwasserstoffe
  • Forscherteam will Medikament entwickeln
  • Vermeintlicher Vorteil hat seinen Preis: So gefährlich ist Covid-19 für Rauchende

Im Herbst 2020 machten Forschende aus Regensburg eine überraschende Entdeckung: Menschen, die rauchten, erkrankten vermeintlich seltener an Corona als Nichtrauchende. Woran das lag, war den Wissenschaftler*innen jedoch ein Rätsel - bis jetzt. Ein Forschungsteam aus Japan hat nun in einer aktuellen Studie eine mögliche Ursache dafür gefunden.

Wieso erkranken Raucher seltener an Corona? Neue Studie klärt auf

Die Erkenntnisse der Regensburger Forscher gingen auf Daten von mehr als 1000 Corona-Positiven aus Stadt und Landkreis zurück. Hinzu kamen Telefoninterviews mit 419 Genesenen. Nur 50 Rauchende waren unter den Befragten, diese litten jedoch im Schnitt kürzer unter Symptomen als die 367 befragten Nichtraucher*innen. Neben einer kürzeren Dauer der Erkrankung waren die Symptome von Covid-19 bei Rauchenden zudem weniger ausgeprägt. Dazu zählten zum Beispiel Geruchs- und Geschmacksstörungen, Erkältungssymptome und Atemstörungen.

Der Mediziner Benedikt Lampl, stellvertretender Leiter des Sachgebiets für Infektionsschutz und Hygiene in Regensburg, vermutete dahinter jedoch die Wahrnehmung der Befragten: "Man könnte sich zum Beispiel vorstellen, Raucher leiden ja häufig an Raucherhusten. Das heißt, das ist ein "Symptom", das die Raucher dauerhaft haben unter Umständen." So würde ein zusätzlicher Husten durch eine Corona-Infektion in der eigenen Wahrnehmung gar nicht so ins Gewicht fallen, "insbesondere dann, wenn er nur leicht ausgeprägt ist", so Lampl laut RTL.

Wissenschaftler*innen der Universität Hiroshima in Japan hatten ebenso beobachtet, dass es unter Rauchenden seltener zu Corona-Infektionen kam. "Hier ging etwas Seltsames vor sich", sagte Keiji Tanimoto vom Forschungsinstitut für Strahlungsbiologie und Medizin in einer Mitteilung der Universität. Die Forschenden um Tanimoto untersuchten die Mechanismen in den Zellen daher genauer. Ihre Ergebnisse wurden im Fachmagazin Scientific Reports veröffentlicht.

Zigarettenrauch "schützt" vor Covid-19: Forschende wollen Medikament entwickeln

Es stellte sich heraus, dass hochgiftige Kohlenwasserstoffe im Zigarettenrauch die Aufnahme des Coronavirus in den Zellen zum Teil verhindern können. Dabei handelt es sich um sogenannte PAKs, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese unterbrechen eine wichtige Kettenreaktion, die letztlich zur Covid-19-Infektion führen kann: Es wird die Bildung eines Moleküls gestoppt, das wiederum die Bildung der ACE-2-Rezeptoren verhindert. Diese bilden sonst eine Art "Eingangstor" in die Zellen für das Coronavirus.

Dass Rauchen somit gewissermaßen vor Corona schützt, verblüffte nicht nur die Forschungswelt. Schließlich gilt die Angewohnheit allgemein als ungesund und kann zu schwerwiegenden Herzleiden oder Lungenkrebs führen. Daher betonten sowohl die Wissenschaftler*innen aus Japan als auch das Regensburger Forschungsteam, dass Rauchen nicht zur Covid-Prävention genutzt werden sollte.

"Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Rauchen die Schwere einer Covid-19-Erkrankung erhöht", so Tanimoto. Eine US-Studie belegte zum Beispiel ein rund sechsmal höheres Sterberisiko für Rauchende im Fall einer Corona-Erkrankung. Auch die WHO warnt, dass Raucher*innen ein höheres Risiko für einen schweren Corona-Verlauf haben. Zusammengefasst gilt also: Rauchende erkranken seltener, aber dafür schwerer an Corona. Die japanischen Forschenden wollen daher ihre Erkenntnisse auf anderem Wege zunutze machen. Sie wollen basierend auf dem entdeckten Mechanismus ein Medikament entwickeln.