• Auch geimpfte Menschen können sich mit dem Coronavirus infizieren
  • Doch wie ansteckend sind diese sogenannten Impfdurchbrecher?
  • Forscher sind sich zu dieser Frage nicht ganz einig
  • Können geimpfte Infizierte mit der Delta-Variante genauso ansteckend sein, wie Ungeimpfte?

Menschen, die vollständig gegen Corona geimpft sind, können sich - wenn auch seltener - dennoch mit dem Virus infizieren. Besonders vor dem Hintergrund der Diskussionen um mehr Freiheiten für Geimpfte stellt sich dabei für viele die Frage: Wie ansteckend sind geimpfte Corona-Infizierte? In ersten Studien war noch von einer geringeren Viruslast und damit auch geringen Ansteckungsgefahr von Geimpften die Rede. So hat eine Untersuchung mit knapp 3000 Menschen aus Israel festgestellt, dass die Viruslast bei geimpften Menschen im Fall einer Infektion um ein vierfaches geringer war als bei nicht geimpften Infizierten. Mit dem Aufkommen der ansteckenderen Delta-Variante könnte sich das nun geändert haben.

Neue Corona-Studien bereiten Sorgen: Sind geimpfte Menschen genauso ansteckend wie Ungeimpfte?

Die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) teilte Anfang August mit: "Einige erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Viruslast bei Personen, die sich mit Delta infizieren, nachdem sie bereits geimpft wurden, ähnlich hoch sein könnte wie bei ungeimpften Personen." Gleichzeitig wird jedoch betont, dass es sich dabei nur um frühzeitige Analysen handele und noch weitere gezielte Studien nötig wären, um diese Annahme zu bestätigen. 

In den USA kamen Forschende zu einem ganz ähnlichen Ergebnis: Beim Vergleich der Viruslast zwischen geimpften und ungeimpften Studienteilnehmer*innen wurde kein bedeutender Unterschied festgestellt. Jedoch war die Stichprobe der Studie mit nur 80 Probanden relativ klein, für belastbare Aussagen brauche es größer angelegte Untersuchungen, wie die Studienautor*innen betonen. Zudem ist noch nicht klar, ob die Viruslast bei geimpften Infizierten, die keine Symptome zeigen, ebenso hoch wie bei denen, die tatsächlich erkranken. Die Studie ist bisher noch nicht veröffentlicht.

Ebenso ist es möglich, dass die Viruslast bei Geimpften schneller absinkt, sie also kürzere Zeit ansteckend sind. Zu diesem Ergebnis kam eine ebenfalls noch nicht veröffentlichte Studie aus Singapur. Das Immunsystem von geimpften Menschen konnte laut den Forschenden die Coronaviren schneller unschädlich machen - der Effekt trat aber erst nach vier Tagen ein, davor war die Viruslast bei Geimpften und Ungeimpften nahezu gleich.

Kritik an Untersuchungen: Viruslast beweist keine Ansteckung

Alle bisherigen Studienergebnisse weisen also darauf hin, dass auch Geimpfte weiterhin vorsichtig sein sollten. Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hat infolge dessen zum Beispiel ihre Empfehlung zur Maskenpflicht angepasst. Die Maskenpflicht in Innenräumen war zuvor für Menschen mit vollständiger Corona-Impfung aufgehoben worden. Dann kam es jedoch zu einem größeren Ausbruchsgeschehen auf der Halbinsel Cape Cod mit zahlreichen "Impfdurchbrechern": Von 469 Corona-Fällen waren zu dreiviertel Geimpfte betroffen.

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Doch auch diese Untersuchung stieß auf Kritik. Forscherin Jennifer Nuzzo von der Johns Hopkins-Universität sagte laut Tagesschau, der Ausbruch in Cape Cod beweise nicht, dass geimpfte Menschen eine bedeutende Quelle für Neuinfektionen seien. Virologin Angela Rasmussen von der Universität Saskatchewan wies ebenfalls daraufhin, dass die Methode, mit der die Viruslast Geimpfter gemessen wurde, nichts darüber aussage, ob diese Personen auch andere anstecken. Insbesondere dieses Problem ist auch der Grund für die bisher recht dürftige Forschungslage zur Viruslast. Bisher kann nur auf Virus-RNA getestet werden, also das Erbgut der Viren und nicht die Menge ansteckender Viren. Ob die Viruslast bei einem Menschen auch wirklich reicht, um eine andere Person anzustecken, können Forscher bisher nicht bestimmen.

US-Virologen wie auch Experten aus Deutschland betonen aber, dass die Wahrscheinlichkeit einer Corona-Infektion - auch mit der Delta-Variante - für Geimpfte immer noch deutlich geringer ist. Das zeigt auch eine Untersuchung von Forschern des Imperial College London. Zwar gebe es immer ein Restrisiko für Geimpfte, es steckten sich aber nur 0,4 Prozent der geimpften Probanden mit Corona an. Unter den Ungeimpften waren es dreimal mehr. Zudem verlaufen Infektionen bei immunisierten Menschen meiste milder, die Hospitalisierungsrate sowie die Sterberate sind klinischen Studien zufolge niedriger.

RKI sieht Corona-Impfung weiterhin als wirksam

Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht daher weiterhin von einer hohen Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe aus. Laut einer jüngsten Modellanalyse hätten die Impfungen bisher mehr als 700.000 gemeldete Infektionen, mehr als 76.000 stationäre und etwa 19.600 intensivmedizinische Corona-Fälle verhindert. Der "vermutlich stärkste Effekt" habe sich bei den täglichen Sterbefällen gezeigt. Insgesamt schätzen die RKI-Experten, dass die Corona-Impfung etwa 38.300 Menschen das Leben gerettet hat. 

Die Zahl der Impfdurchbrüche ist laut RKI in Deutschland gering. Stand Anfang August hatten sich von den rund 44 Millionen Menschen mit Corona-Impfung rund 7.000 trotzdem infiziert. Ob diese Zahl durch die Delta-Variante künftig stärker ansteigt, ist noch unklar. Bis es weitere, großangelegte Untersuchungen zum Ansteckungspotenzial von geimpften Menschen gibt, sollten Geimpfte daher weiter auf die grundlegenden Corona-Regeln wie Mindestabstand und Maskenpflicht achten und sich im Verdachtsfall oder nach dem Kontakt mit Infizierten testen lassen.

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