• Corona-Endemie: Bereitet Omikron der Pandemie ein Ende?
  • Experten erwarten, dass das Virus "endemisch" werden könnte
  • Kann aus einer Endemie wieder eine Pandemie werden?
  • Das bedeutet eine endemische Lage für uns

Die neue hoch ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus beschäftigt Ärztinnen und Ärzte, Virologinnen und Virologen sowie Politikerinnen und Politiker gleichermaßen. Doch dadurch, dass diese Virus-Variante so extrem ansteckend ist, könnte sich bis Herbst die allgemeine Infektionslage entspannen. Das Virus könnte "endemisch" werden. So zumindest ist Hoffnung von führenden Expertinnen und Experten. Wird ein Virus jedoch "endemisch", wird es nicht sofort ungefährlich "auch wenn das zum Teil so dargestellt wird", erklärt die Virologin Isabella Eckerle von der Uniklinik Genf in ZDF Heute am 3. Januar 2022. "Die Endemie sagt erstmal nichts über die Krankheitsschwere aus. 

Coronavirus: Aus Pandemie soll Endemie werden - was das bedeutet

Die Annahme, dass wir Corona vergessen könnten, wenn das Virus endemisch geworden sein sollte, ist deswegen schlicht falsch", führte Eckerle weiter aus. "Was die Endemie aussagt ist, dass es sich dann um keine Pandemie mehr handelt. Das bedeutet, wir werden dann nur noch lokale Ausbrüche der Krankheit sehen. Dieses explosionsartige verbreiten der Krankheit, wird dann nicht mehr stattfinden können. Vereinfacht gesagt: Die Endemie sagt aus, dass ein Infizierter im Durchschnitt nur noch eine weitere Person anstecken wird." Das bestätigt auch der Präsident des Robert-Koch-Institutes, Lothar Wieler. Er ergänzte, dass bei einer Endemie das Immunsystem nicht mehr mit unbekannten Erregern konfrontiert werde, sondern mit bereits bekannten Viren. Diese "Grundimmunität" müsse laut Wieler jedoch erst hergestellt werden. Entweder durch Impfungen oder mit durchgemachten Erkrankungen. "Wenn sich ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger impfen lässt, haben wir den endemischen Status mit weniger schweren Krankheitsverläufen schneller erreicht", schildert Wieler.

Der Status der Endemie bringe einige Vorteile mit sich. Beispielsweise, dass die Nachverfolgbarkeit der Infektionen wieder gewährleistet werden könne. Oder auch, dass keine akute Überlastung des Gesundheitssystems nicht mehr zu befürchten sei, sind sich die Expertinnen und Experten einig. 

Virologe Professor Wolfgang Preiser der als Teil eines Forschungsteams die Omikron-Mutation als Erstes in Südafrika entdeckte, zeigt sich überrascht von der Art der Mutation. "Omikron ist wirklich unglaublich ansteckend. Es ist bereits so stark mutiert, dass es fast schon als eigenständige Erkrankung betrachtet werden muss. Das bringt vor allem ziemlich unangenehme Eigenschaften, wie leichtere Übertragbarkeit und die Möglichkeit die Immunantwort zu überwinden mit sich", schilderte der Forscher im Interview mit dem ZDF.  Er resümierte: "Die Fähigkeit des Virus, selbst Genesene und Geimpfte zu infizieren, ist enorm. Deswegen ist es jetzt umso wichtiger, dass die Menschen Antikörper haben, um für eine wahrscheinliche Infektion gewappnet zu sein."

Omikron gilt als ungefährlicher als andere Mutationen - zumindest für Geimpfte und Genesene

In Südafrika, wo Preiser arbeitet, gilt die Omikron-Variante des Coronavirus indes als weniger gefährlich als die vorangegangenen Mutationen und Virus-Varianten. Doch die Situation zwischen Südafrika und Deutschland sei nicht wirklich vergleichbar, sagt er. Denn in Südafrika habe es bei vorangegangenen Corona-Wellen bereits zahlreiche Tote gegeben. Die Menschen, die jetzt mit dem Virus in Kontakt gekommen seien, hätten bereits zuvor eine Erkrankung durchgemacht oder seien geimpft respektive geboostert. Aus diesem Grund mahnt der Experte zur Vorsicht. Die Mutation dürfe nicht unterschätzt werden. Gerade die vielen Menschen ohne Immunität seien nach der Einschätzung von Preiser und Eckerle gefährdet im Krankenhaus oder der Intensivstation zu landen. 

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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) teilt die Einschätzung von Preiser und Eckerle, was die Gefahr für Geimpfte und Genesene angehe. "Es sieht tatsächlich so aus, als wenn diese Variante etwas weniger gefährlich als die Delta-Variante wäre", erklärte er in der ZDF-Silvestershow vom Brandenburger Tor. Diese Erkenntnis sei ein "Lichtblick". Wenngleich weitere Erkenntnisse fehlen würden, beispielsweise welche Folgen eine Infektion mit der Omikron-Variante für Ungeimpfte habe. 

Der Gesundheitsminister hielt fest, dass auch im Falle einer Endemie die Infektion nicht wirklich mit einer Grippe vergleichbar sei, da die Erkrankung unterschiedlich verlaufe. "Aber: Ich glaube schon, dass wir mit dem Coronavirus leben können. Dass wir unser normales Leben komplett zurückbekommen. Dafür kämpfen wir. Und dafür wird das nächste Jahr entscheidend sein", ergänzte Lauterbach. 

Kann aus einer Endemie wieder eine Pandemie werden? 

Dass aus einer möglichen Endemie wieder eine Pandemie werden könne, das könne jedoch nicht ausgeschlossen werden. "Neue Varianten können leider immer wieder zu einer neuen pandemischen Welle führen", wird der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen vom Kurier zitiert. Darum sei eine Immunität in der Bevölkerung umso wichtiger. Die verringere das Risiko, dass neue stark mutierte Varianten entstehen würden.  Laut RKI-Chef Wieler müsste sich das Virus jedoch "substanziell ändern. So wie man das von Influenzaviren kennt", erklärt er. Diese Möglichkeit sehe er derzeit bei dem Coronavirus nicht. 

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