• Deltakron: Neue Corona-Variante auf Zypern entdeckt
  • Starke Zweifel an Variante werden lauter
  • WHO-Covid-Expertin über Deltakron: "Ist nicht real"

Die Welt wappnet sich für den Kampf gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus, die erstmals Anfang November 2021 in Südafrika identifiziert wurde. Und knapp zwei Monate später ist erneut eine Sars-CoV-2-Variante entdeckt worden - und zwar auf der Mittelmeerinsel Zypern. Zuerst darüber berichtet hatte das US-Nachrichtenportal Bloomberg, das sich auf ein Interview des Wissenschaftlers Leondios Kostrikis mit dem zyprischen Fernsehsender Sigma TV vom Freitag (7. Januar 2022) beruft. Inzwischen melden auch deutsche Medien das Auftreten der Corona-Mutation, beziehen sich aber auch auf den Bloomberg-Beitrag. Indes gibt es starke Zweifel an der Bedeutung beziehungsweise an der Gefährlichkeit der Corona-Variante.

Corona-Variante Deltakron: "Strukturen der Omikron- und der Delta-Variante"

Leondios Kostrikis ist Professor für Biowissenschaften an der Universität Zypern in der Hauptstadt Nikosia. Sein Forscherteam habe die neue Variante entdeckt und sie "Deltakron" genannt - weil das Virus Strukturen der Omikron- und auch der Delta-Variante in sich trage, erklärte der Forscher in dem Interview.

Bislang gebe es 25 Deltakron-Fälle auf Zypern, weltweit sind keine weiteren Fälle bekannt.

Kostrikis zufolge habe eine erste Analyse gezeigt, dass Deltakron häufiger bei Krankenhauspatienten mit Covid-19-Erkrankung vorkommt als bei jenen Erkrankten, die mildere Verläufe haben.

Zweifel an Deltakron werden lauter: "Ist nicht real"

Mittlerweile haben erste Forscher auch schon Entwarnung gegeben. Der vermeintliche Nachweis einer Misch-Variante aus Delta und Omikron in Zypern geht Experten zufolge wohl auf Verunreinigungen während der Analyse zurück. "Diese Genome sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Artefakte", erläuterte Richard Neher von der Universität Basel (Schweiz), führender Experte für Virusvarianten, der Deutschen Presse-Agentur. Die Omikron-Mutationen, die hier in einem Zusammenhang mit Delta-Genomsequenzen beobachtet würden, beträfen alle einen DNA-Abschnitt, der bei Delta-Nachweisen oft sehr schwach ausfalle und daher sehr anfällig für Kontamination sei.

"Es ist zwar durchaus möglich, dass es Rekombinanten gibt, aber bislang wurden keine größeren Ausbrüche mit solchen Varianten beobachtet", betonte Neher. "Diese Genome aus Zypern sind vermutlich keine Rekombinanten."

Auch ein Mitglied des griechischen Krisenstabes für die Corona-Pandemie, Gikas Magiorkinis, erklärte, dass Kostrikis' Schlüsse falsch seien. "Erste Analysen zeigen, dass es sich um einen technischen Fehler des Labors handelt", twitterte der Epidemiologe. Kostrikis selbst allerdings wollte eine Fehleinschätzung zunächst nicht einräumen, er beharrte am Montag auf seinen Ergebnissen.

Der Virologe Tom Peacock vom Imperial College in London hat auf Twitter dazu geschrieben, dass es eigentlich noch zu früh für Omikron-Rekombinate sei. Die Variante sei dafür noch nicht lange genug im Umlauf. Peacock geht vielmehr davon aus, dass es sich bei Deltakron "relativ eindeutig" um Verunreinigungen im Labor handele. 

WHO-Covid-Expertin Krutika Kuppalli schreibt dazu auf Twitter: "Deltacron ist nicht real und entstand vermutlich durch ein Artefakt bei der Sequenzierung, also Verunreinigung. Lasst uns nicht die Namen von Infektionskrankheiten vermischen, um ein prominent klingendes Paar zu kreieren.

Die Gesundheitsexpertin Boghuma Kabisen Titanji meint auf Twitter: "Zu Deltakron, weil ich dazu in den letzten 24 Stunden so oft gefragt wurde: Behandelt das mit Vorsicht! Die bisher vorliegenden Informationen deuten auf eine Verunreinigung der Proben hin."

Corona-Mutation: Wird sich Deltakron durchsetzen? Das sagen Experten

Noch ist es zu früh für eine Einschätzung zu Gefährlichkeit und Verbreitungspotential der Zypern-Mutation. Deltakron-Entdecker Kostrikis stellt klar: "Wir werden in der Zukunft sehen, ob dieser Strang ansteckender oder tödlicher ist als die anderen und ob er sich gegen Delta und Omikron durchsetzen kann." Seiner Einschätzung nach werde Deltakron allerdings von der stärkeren Omikron-Variante verdrängt, so der Forscher.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) stellt fest, dass mit solchen Co-Infektionen zu rechnen gewesen sei - und dass die Folgen unklar seien. Das RND hatte diesbezüglich den Düsseldorfer Virologen Jörg Timm befragt. Dieser bestätigte: "Es kann schon vorkommen, dass sich jemand mit Delta und Omikron infiziert und sich die Erbsubstanz rekombiniert". Es wäre als nicht überraschend, wenn sich die Variantenstränge vermischen.

Auf Nachfrage von Bild  gab der Berliner Epidemiologe Klaus Stöhr Entwarnung: Seiner Meinung nach sei es sehr unwahrscheinlich, dass Deltakron wirklich gefährlich ist. Als Laie würde man meinen, ein Virus, das Proteinstrukturen von Delta und Omikron vereint, auch beide Eigenschaften vereint, so Stöhr. Es sei aber nicht so, dass die neue Mutation sich noch schneller verbreitet und krank machender ist: "In der Biologie sind eins und eins nicht unbedingt zwei. Nur weil ein Virus die Oberflächeneigenschaften zweier anderer hat oder sich Mutationen zweier Varianten kombinieren, bedeutet das nicht, dass sie auch die gleichen klinischen Auswirkungen haben.“

Corona: Gefährlichkeit des Virus nehme eher ab

Die Realität sei, dass ständig hunderte Varianten mit unterschiedlichsten Mutationen entstünden. "Sehr selten wird davon eine regional und noch seltener global dominant und verdränge dann die anderen Varianten über eine gewisse Zeit, bis die nächste Variante dasselbe schafft", zitiert die Bild den Epidemiologen. Beim Coronavirus sei der Anpassungsprozess an den Menschen noch nicht abgeschlossen, sodass es wahrscheinlicher sei, dass die Gefährlichkeit des Virus abnehme, "auch wenn sich zukünftige Sars-CoV-2 Varianten vielleicht schneller ausbreiten werden."

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Nach bisherigen Erkenntnissen zu den beiden vorherigen Varianten breitet sich Omikron schneller aus, ist aber auch nicht ganz so gefährlich wie Delta - was sogar zum Ende der Pandemie führen könnte.

 

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