• Corona profitiert von niedrigen Temperaturen in Deutschland
  • Sars-CoV-2 hat bei trockener Luft in Räumen eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit
  • Zugleich ist das menschliche Immunsystem durch Kälte geschwächt
  • HNO-Arzt: Mundschutz bietet im Herbst und Winter zusätzlichen Schutz, da relative Feuchtigkeit der Luft erhöht wird

In der kalten Jahreszeit wird das Coronavirus verstärkt übertragen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen treffen sich mehr Menschen drinnen als draußen. Zum anderen liegen bei niedrigen Temperaturen bessere Bedingungen für das Wintervirus Sars-CoV-2 vor, während gleichzeitig der menschliche Organismus geschwächt ist. Ein Aspekt komme bisher aber zu kurz, meint Thomas Deitmer als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie.

Mundschutz sorgt für bessere Atemluft

Der Mundschutz kann im Winter mit einer zusätzlichen Stärke punkten, erläutert der HNO-Arzt Deitmer. "Die Maske nimmt einen Teil der Luftfeuchte beim Ausatmen an und gibt diese beim Einatmen wieder ab. Das erhöht die relative Feuchtigkeit der Luft und sorgt im Mund-Rachen-Raum für bessere Bedingungen zur Abwehr des Virus."

Typische Winterviren - zu denen auch Sars-Cov-2 gehört - hätten bei trockener Luft vermutlich eine höhere Überlebensfähigkeit, erläutert HNO-Arzt Deitmer. Besonders schlechte Bedingungen haben viele der Viren bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent, wie aus einer im März veröffentlichten Studie von Forschern der Yale-Universität hervorgeht. "Deshalb warnten schon die Großmütter nicht zu Unrecht vor trockener Heizungsluft", führt Deitmer aus. Aus seiner Sicht könnten Raumbefeuchter zusätzlich die Überlebensfähigkeit von Sars-CoV-2 verschlechtern.

Unser Abwehrsystem kann im Herbst und Winter Unterstützung gebrauchen. Denn in der kalten Jahreszeit könne das Nasen- und Bronchialsystem Viren schlechter unschädlich machen, so Deitmer. Der sogenannte Flimmertransport von Viren und Partikeln auf der Schleimhaut verlaufe bei niedrigen Temperaturen und relativ niedriger Luftfeuchtigkeit langsamer und zäher. Über die Flimmerhärchen würden die Viren aus den Bronchien zum Kehlkopf beziehungsweise aus der Nase in den Rachen transportiert und von dort in den Magen "abtransportiert und entsorgt".

Weniger Vitamin D: Im Winter sinken die Abwehrkräfte

Neben der Maske hilft viel frische Luft. Regelmäßiges Lüften sei im Winter besonders wichtig, sagt Eberhard Bodenschatz, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. "Wir lüften zu wenig. Dabei ist Stoßlüften essenziell." Das gründliche Lüften sei insbesondere im Winter besonders effizient. "Bei deutlichen Unterschieden der Lufttemperatur im Innen- und Außenbereich ist der Luftaustausch wesentlich höher." In kürzerer Zeit käme so mehr virusfreie Frischluft in den Raum, so der Wissenschaftler.

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Schließlich kommt hinzu, dass das Immunsystem im Herbst und Winter schwächelt, erklärt Bernhard Junge-Hülsing, Landesvorsitzender des Berufsverbandes der HNO-Ärzte in Bayern. "Durch weniger Sonneneinstrahlung sinkt der Vitamin-D-Spiegel und damit die Abwehrkraft eines jeden einzelnen."

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