In der Corona-Pandemie kommt vor allem ein Mediziner überproportional zu Wort: Christian Drosten von der Charité in Berlin. Der Virologe äußert sich regelmäßig in einem Podcast des NDR zu den aktuellen Entwicklungen der Forschung. 

Nun sorgt auch einer seiner Kollegen von der Charité für Schlagzeilen: Michael Tsokos ist Leiter des "Institutes für Rechtsmedizin" und wurde zuletzt in die "NDR-Talkshow" eingeladen. Grund dafür war, dass Tsokos im Oktober 2020 den vierten Band seiner Krimi-Reihe veröffentlicht. Der Forensiker ist bereits seit Jahren als Schriftsteller aktiv. 

Corona in Deutschland: Rechtsmediziner spricht von "Kollateralschäden"

Thematisch ging es in der "Talkshow" allerdings nicht nur um die Neuerscheinung, sondern auch um die Corona-Krise und die damit verbundenen Auswirkungen auf seine Arbeit als Rechtsmediziner. Tsokos berichtete, dass seine tägliche Arbeit von Tag Eins der Pandemie davon beeinflusst gewesen sei. 

Beispielsweise habe er zu Beginn der Corona-Krise eine Anweisung seitens des "Robert-Koch-Instituts (RKI)" erhalten, dass keine Obduktionen von Corona-Opfern durchgeführt werden sollten. Doch Tsokos schlug einen anderen Weg ein: "Ich habe auch zu meinen Leuten gesagt, das ist Quatsch. Wenn wir uns richtig schützen, dann ist es weitaus weniger gefährlich als zum Beispiel Tuberkulose", sagte er in der "NDR-Talkshow". Kurze Zeit später seien mehrere Senioren in einem Pflegeheim an den Folgen von Corona-Infektionen verstorben und Tsokos fasste den Entschluss, die Obduktionen zunächst ohne seine Mitarbeiter durchzuführen. 

Die Obduktionen von Corona-Toten seinen allerdings nicht die schwerwiegendste Konsequenz der Pandemie, betonte der Forensiker: Stattdessen seien "Kollateralschäden" deutlich schlimmer. Tsokos berichtete, dass es viele Menschen gebe, die ohne sich zu infizieren unter der Corona-Krise leiden. "Wir haben allein letzte Woche mehrfach Menschen obduziert, die seit dem Lockdown nie wieder aus ihrer Wohnung raus sind", so der Rechtsmediziner von der Charité. 

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Teils handelte es sich dabei um sogenannte "Messie"-Wohnung, die vermüllt und unaufgeräumt gewesen seien: "Mit Gasmasken und Astronauten-Nahrung vorbereitet, hat die auch keiner vermisst", sagte Tsekos. 

Er bemängelt, wie auch viele seiner Kollegen zu Beginn der Pandemie, dass es wichtig sei, bei allgemeinen Krankheitssymptomen zum Arzt zu gehen. Dass viele Menschen in der Pandemie aus Angst nicht ins Krankenhaus gegangen seien, habe sich immer wieder gezeigt, da bei "ihnen eben aufgrund der ganzen Droh-Szenarien die aufgemacht wurden, die Angst überwog, rauszugehen", so Tsekos. 

Was passiert eigentlich bei einer Corona-Infektion in der Lunge? Ein Arzt erklärt das Phänomen. Alle aktuellen Entwicklungen der Corona-Krise erfahren Sie im News-Ticker von inFranken.de.

tu