Berlin

Positiver Corona-Test: Wie wahrscheinlich ist ein schwerer Krankheitsverlauf?

Das Coronavirus ist noch kaum erforscht. Viele unterschiedliche Symptome scheinen durch die Krankheit Covid-19 möglich zu sein. Deswegen ist die Verunsicherung groß, nicht nur, ob man sich mit dem Virus infiziert hat, sondern wie schlimm eine Erkrankung verlaufen kann. Was weiß man bisher?
Artikel drucken Artikel einbetten
Corona-Tests in einem Labor
Wer corona-positiv getestet wird, zeigt häufig keine Krankheitssymptome. Auch schwere Verläufe sind selten, genau Zahlen gibt es aber praktisch nicht. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Corona-positiv - und jetzt? Wie wahrscheinlich ist ein schwerer Krankheitsverlauf? Hat man aktuell Husten, Schnupfen, eine Erkältung oder eine Grippe werden viele schnell unsicher, ob man sich nicht mit dem Coronavirus infiziert hat. Besonders groß ist die Unsicherheit, weil die Lungenkrankheit Covid-19 teils schwer verlaufen kann. Aber wie häufig ist ein schlimmer Krankheitsverlauf? 

Leider ist diese Frage – wie so häufig bei Fragen rund um das Coronavirus – zumindest Stand heute nicht so leicht zu beantworten. Viele Faktoren, wie die Zahl der durchgeführten Tests, der Einbezug von Vorerkrankungen oder auch die Beachtung der Dunkelziffer, machen die genaue Analyse schwer. Doch Experten des Robert-Koch-Instituts haben die Krankheitsschwere von Covid-19 bewertet.

Untersuchung der Corona-Verläufe

Für die Untersuchung haben die Forscher Daten von Corona-Tests bis Mitte März herangezogen, Kriterien waren hierbei zunächst, dass der Test positiv ausfiel, sowie ein Testdatum und das Alter des Patienten angegeben war.

Um die Häufigkeit der verschiedenen Krankheitsverläufe vergleichen zu können, gliedert das RKI die Daten in diese Gruppen:

  • Milder Verlauf: Husten und Fieber, „Influenza-like-Illness“
  • Moderater Verlauf: Lungenentzündung (ohne Krankenhausaufenthalt)
  • Schwerer Verlauf: Mit Krankenhausaufenthalt
  • Kritischer Verlauf: Fälle mit Aufenthalt auf einer Intensivstation und Todesfälle

Rund ein Viertel (22 bis 26 Prozent) der untersuchten Fälle hatte Grippe-typische Symptome, also einen milden Verlauf, wobei hier besonders die 35- bis 59-Jährigen (24 bis 28 Prozent) betroffen waren. Der Rest, also rund drei Viertel blieb symptomfrei.

Wie oft verläuft Corona schwer?

Bei nur rund 2 Prozent der untersuchten Fälle  trat ein moderater Verlauf, also eine Lungenentzündung, ein. Von diesen 2 Prozent wiederum kamen rund 72 Prozent aus der Altersgruppe der 35- bis 79-Jährigen. Allerdings ist der Anteil der Fälle mit einer Lungenentzündung bei Leuten über 80 Jahren mit 14 bis 17 Prozent besonders hoch. 

Von den Patienten mit einer Lungenentzündung wurden rund 85 Prozent ins Krankenhaus eingewiesen, was dann als schwerer Verlauf gilt. Auch hier sind wieder die älteren Personen über 60 Jahre besonders betroffen. 

Bei der Untersuchung stellten die Forscher eine Todesrate von rund einem Prozent fest, wobei auch hier besonders die Menschen über 80 betroffen waren. Zudem erkannten die Forscher, dass eine Vorerkrankung die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufes deutlich erhöht. 

Die große Schwierigkeit: Dunkelziffer und verzerrte Daten

Die Experten des RKI weisen allerdings darauf hin, dass die Daten zu diesem Zeitpunkt durch verschiedene Faktoren, wie Reiserückkehrer und fehlende Daten verzerrt sein können. In der Apotheken Umschau heißt es: "Etwas mehr als jede zehnte Covid-19-Erkrankung verläuft schwer." 

Die Zahl der Menschen, die mit Corona infiziert ist, allerdings keine Symptome bekommen, ist jedoch weiterhin ein Rätsel, denn viele dieser Fälle werden nie erkannt. Diese Dunkelziffer wäre für weitere Analysen besonders spannend. Daher arbeitet das RKI derzeit in mehreren Antikörper-Teststudien daran, hier weitere Erkenntnisse zu bekommen.