• Thrombosen nach Astrazeneca-Impfung: Ursache nun bestätigt
  • Neue Greifswalder Erkenntnisse mit weltweiter Bedeutung
  • Thrombosen könnten zukünftig verhindert werden - Fallserie  mit entscheidender Beobachtung

Über ein halbes Jahr ist es her, seit die Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca kurzfristig in Deutschland ausgesetzt wurden. Als Grund für diese Maßnahme nannte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn damals laut Bayerischem Rundfunk  die selten auftretenden Thrombosen im Zusammenhang mit der Impfung. Die Ursache war damals noch nicht ganz bekannt, doch Forschende der Universität Greifswald konnten nun den Grund für das Auftreten der Thrombosen identifizieren.

Erkenntnisse mit weltweiter Bedeutung: Zweite Impfung bei Thrombosefällen ungefährlich

Wie aus einer Meldung der Universität Greifswald auf der Seite des Informationsdienst Wissenschaft (IDW)  hervorgeht, konnte die Entstehung der Thrombosen auf Antikörper gegen  das Thrombozytenprotein Plättchenfaktor 4 (PF4) zurückgeführt werden. Diese werden durch Bestandteile des Impfstoffes freigesetzt, wenn sich diese an PF4 binden. Der Mitteilung zufolge ist dies bereits international bestätigt worden.

Darüber hinaus konnten in Bezug auf Betroffene der Thrombosen weitere erfreuliche Ergebnisse festgestellt werden. Diese befinden sich nicht nur unter keinem Risiko von immer wiederkehrenden Thrombosen, die zweite Impfung sollte für diese auch unter gegebenem zeitlichen Abstand verträglich sein. Das liegt daran, dass die genannten Antikörper nach drei Monaten bei den meisten Patient*innen wieder verschwinden. Der Leiter der Abteilung für Transfusionsmedizin, Prof. Dr. Andreas Greinacher kommentiert: "Die Betroffenen können ohne Risiko ein zweites Mal geimpft werden, ohne dass die Antikörper wieder gebildet werden."

Viele der VITT (Vakzin-induzierte Immunthrombozytopenie und Thrombosen)-Betroffenen, konnten auf der Grundlage dieser Erkenntnisse bereits ein zweites Mal geimpft werden. Über Deutschland hinaus legen diese Ergebnisse Implikationen mit weltweiter Bedeutung dar. "In den meisten Ländern stehen nur die Adenovirus-basierten Impfstoffe, wie die Impfstoffe von AstraZeneca oder Johnson&Johnson, zur Verfügung", erklärt der Transfusionsmediziner Professor Dr. Andreas Greinacher.

Vermutete Begleiterscheinung eigentlich Vorbote von Thrombosen?

Auch der wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Karlhans Endlich freut sich sehr über die Erkenntnisse aus Greifswald: "Die konsequente Förderung ist enorm wichtig, um auch weiterhin Forschung auf hohem Niveau betreiben und Fortschritte in der Medizin erzielen zu können".

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Und genau so ein weiterer Fortschritt wurde nur wenige Tage später von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie berichtet, die Vorboten der VITT erkannt haben könnten. Durch diese könnte es künftig sein, Thrombosen in Zusammenhang mit der Corona-Impfung frühzeitig zu verhindern. Die Erkenntnisse fußen teilweise auf Beobachtungen, die bei VITT-Betroffenen gemacht werden konnten. "Die meisten Betroffenen waren mit starken Kopfschmerzen vorstellig geworden, von denen wir seinerzeit dachten, dass sie eine Folge- beziehungsweise Begleiterscheinung der zerebralen thrombotischen Ereignisse seien", erklärt Prof. Greinacher.

Im Rahmen einer Fallstudie der Charité-Universitätsmedizin, der Universitätsmedizin Greifswald und des IGNITE-Netzwerks wurden 11 Patient*innen mit starken Kopfschmerzen und einem fünf- bis achtzehntägigen Abstand zur Impfung untersucht. Während alle hohe Anti-PF4-Antikörper und D-Dimere aufwiesen, konnten nur zwei mit einem thrombotischen Ereignis diagnostiziert werden. Mit einer Ausnahme hatten alle Patient*innen, die im Verlauf keine Thrombosen entwickelten, binnen fünf Tage nach Beginn der Kopfschmerzen eine VITT-spezifische Therapie erhalten. Die anderen Betroffenen wurden erst verzögert therapiert und entwickelten Thrombosen.

Chance, Thrombosen ganz zu verhindern, könnte Impfbereitschaft steigern

"Insgesamt lässt sich konstatieren, dass es offensichtlich ein Prä-VITT-Syndrom gibt, eine VITT ohne thrombotische Manifestationen – bei dem die schweren Kopfschmerzen somit kein Begleitsymptom, sondern ein Warnsymptom für die spätere Entwicklung eines VITT sein können, was einen Handlungsspielraum für frühzeitige, therapeutische Interventionen eröffnet", erklärt Erstautor Dr. Farid Salih von der Klinik für Neurologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin in der Mitteilung.

Diese Ergebnisse offenbaren womöglich die Chance, Thrombosen nach Impfungen ganz zu verhindern. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie betrachtet die Ergebnisse ebenfalls als vielversprechend hinsichtlich der Impfbereitschaft: "Der Nutzen liegt auf der Hand, die ohnehin sehr seltenen Risiken werden durch eine rasche Diagnostik und Therapie besser beherrschbar."

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