• Impfreaktion und Nebenwirkungen sind nicht das Gleiche
  • Meldungen über schlimme Nebenwirkungen kursieren aktuell
  • Unterscheidung von Impfreaktionen, Impfkomplikationen und Impfschäden wichtig

Die Diskussionen um die Impfungen reißen nicht ab, im Gegenteil: Während die einen in einer schnellen Impfkampagne den einzigen Ausweg aus dem Teufelskreis von Lockdown, Lockerungen und wieder steigenden Corona-Infektionen sehen, warnen andere vor möglichen Nebenwirkungen und verweisen auf die unsichere Datenlage. Dabei schüren Meldungen über Nebenwirkungen die Unsicherheit: So meldeten sich nach einer Impfung mit AstraZeneca in Bamberg gleich mehrere Kita-Erzieher krank. Sie hätten mit Kopfschmerzen, Krankheitsgefühl und Schüttelfrost zu kämpfen gehabt. Dabei werden bei der Diskussion, so kritisieren Mediziner, mehrere Dinge in einen Topf geworfen: So müsse man zwischen Impfreaktionen, Impfkomplikationen und Impfschäden unterscheiden. Was ist damit gemeint? 

Unterscheidung: Das sind Impfreaktionen, -komplikationen und -schäden

Im Fall der erkrankten Erzieher in Bamberg handelt es sich laut Experten um mehr oder weniger normale Impfreaktionen. "Diese Reaktionen sind Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab", schreibt das Robert Koch-Institut (RKI). Der Hintergrund: Letztlich simuliert eine Impfung dem Körper immer eine Infektion mit dem Krankheitserreger, hier also dem Coronavirus. Dazu werden je nach Methode mittels eines inaktiven Botenerregers Informationen über das Coronavirus gespritzt (zum Beispiel beim klassischen Verktorimpfstoff von AstraZeneca) oder auch nur Teile der RNA des Virus (wie bei den mRNA Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna). Mehr zur Funktionsweise der Impfstoffe finden Sie hier

Typische Impfreaktionen sind bei den meisten Impfstoffen (also nicht nur bei der Corona-Impfung) Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Impfstelle, auch Allgemeinreaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und Unwohlsein. Dies rührt daher, dass das Immunsystem des Körpers anspringt. Es "lernt" sozusagen, mit dem Virus fertig zu werden und für den Ernstfall gewappnet zu sein.

Im Gegensatz dazu sind Impfkomplikationen und Impfschäden viel schwerwiegender. Diese "unerwünschten Arzneimittelwirkungen" (UAW) sind laut RKI sehr selten. Sie sind meldepflichtig, werden von den Gesundheitsämtern erfasst und dann vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gesammelt, welches daraus Empfehlungen für den Umgang mit Impfstoffen ableitet. Unter einem Impfschaden versteht man „die gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung; ein Impfschaden liegt auch vor, wenn mit vermehrungsfähigen Erregern geimpft wurde und eine andere als die geimpfte Person geschädigt wurde“, so das RKI. Die Einordnung als "Impfschaden" ist derweil auch für die Betroffenen wichtig:  Wer durch eine öffentlich empfohlene Schutzimpfung einen Impfschaden erlitten hat, erhält auf Antrag Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz. 

Wie häufig sind Nebenwirkungen der Corona-Impfungen?

Das Paul-Ehrlich-Institut hat am 4. März einen Bericht zu Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfungen zum Schutz vor Covid-19 vorgelegt. Dabei wurden die Daten von 5.910.537 im Zeitraum von 27.12.2020 bis zum 26.02.2021 ausgeführten Impfungen ausgewertet. Die bisher gemeldeten unerwünschten Reaktionen nach Impfung mit Comirnaty, dem COVID-19-Impfstoff Moderna und dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca sind vor allem vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen, die auch in den klinischen Prüfungen vor der Zulassung berichtet wurden.

Die Melderate von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen aus Deutschland nach der Zulassung ist dabei für den COVID-19-Impfstoff AstraZeneca, für den insbesondere nicht schwerwiegende Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost und grippeähnliche Beschwerden berichtet wurden, mit derzeit 7,6 auf 1000 Impfungen höher als die für die beiden mRNA-Impfstoffe (1,6-2,9 auf 1000 Impfungen). Dass AstraZeneca tatsächlich mehr Impfreaktionen erzeugt, als die anderen Impfstoffe, halten die Forscher vom PEI derweil für unwahrscheinlich. Demnach könne "die erhöhte Melderate auch mit der erhöhten medialen Aufmerksamkeit für den Impfstoff und den unterschiedlichen Altersgruppen der geimpften Personen zusammenhängen". Offenbar zeigte sich zumindest in Großbritannien kein großer Unterschied der Melderaten zwischen Comirnaty und dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca.

Insgesamt wurden bei knapp 2 von 1000 Impfdosen in der Folge Impfreaktionen gemeldet, bei 0,3 von 1000 Impfdosen handelte es sich um "schwerwiegendere Fälle". Damit gab es bei den über 5 Millionen Impfungen bisher 2003 Verdachtsfälle, bei denen laut PEI unerwünschte Reaktionen gemeldet wurden, die als schwerwiegend klassifiziert wurden. 1705 dieser Verdachtsfälle traten nach Impfung mit Comirnaty, 107 schwerwiegende Verdachtsfälle nach Impfung mit dem COVID19-Impfstoff Moderna und 69 schwerwiegende Verdachtsfälle traten nach Impfung mit dem COVID-19 Impfstoff AstraZeneca auf. In 122 Verdachtsfällen wurde der Impfstoff nicht angegeben. In 330 dieser Verdachtsfälle sind die Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung gestorben. Den vollständigen Bericht des PEI finden Sie hier.

Risiko für schweren oder tödlichen Verlauf nach Corona-Infektion nimmt mit steigendem Alter zu

Die Häufigkeit der unerwünschten Komplikationen (als Anteil an den genannten knapp 2000 schweren Komplikationen), hat das PEI in einer Grafik veröffentlicht (siehe zweites Artikel-Bild). 

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Zu den Todesfällen schreibt das PEI: "Das Risiko für einen schweren oder auch tödlichen Verlauf nach einer SARSCoronavirus-2(SARS-CoV-2) Infektion nimmt mit steigendem Alter deutlich zu. Sehr alte Menschen sind am meisten gefährdet, an COVID-19 zu versterben. In einem Kontext, in dem SARS-CoV-2 weltweit verbreitet ist, ist es wichtig, dass ältere Menschen so gut wie möglich vor einer Infektion geschützt sind. Wenn ältere Menschen oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen und einem erhöhten Sterberisiko geimpft werden, wird es eine gewisse Anzahl von Todesfällen geben, die kurz nach der Impfung auftreten, ohne aber kausal mit der Impfung assoziiert zu sein."

 

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