• Behauptung zu Biontech-Impfstoff kursiert im Internet: Schwächt er das Immunsystem?
  • Impfgegner führen neue Studie zu Biontech als Argument an 
  • Autoren der Studie kommen jedoch zu völlig anderem Ergebnis
  • "Mit Vorsicht zu genießen": Expert*innen geben Einschätzung zu Impfstoff-Wirbel

Schwächt der Impfstoff Biontech etwa das Immunsystem? Niederländisch-deutsche Forscher haben sich dieser Frage nun gestellt und dazu eine Studie veröffentlicht. Die Studie wurde an einer relativ kleinen Personengruppe durchgeführt und ist bisher nur als „Preprint“ veröffentlicht. Sie wurde also noch nicht von anderen Fachleuten überprüft. Untersucht wurde die Wirkung des Impfstoffes des Herstellers Biontech/Pfizer hinsichtlich angeborener Immunreaktionen von Probanden. Im Fokus standen dabei Reaktionen auf spezielle Bakterien und Pilze. Die Studie ist online einsehbar. 

Neue Studie zu Corona-Impfstoff Biontech: Schwächt er das Immunsystem?

Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie betont gegenüber swr.de :"Es kann sein, dass deren Funktion dadurch ein bisschen verändert wird und dass sozusagen die Stärke der Reaktion auf andere Bakterien oder andere Infektionen durchaus mit verändert wird. Also man kann es messen, aber es ist jetzt keine generelle Beeinflussung des Immunsystems." Dies führt aber oft zu einer Fehleinschätzung der Ergebnisse. Denn Impfkritiker sehen sich dadurch in ihrer Angst vor einer Impfung als bestätigt. 

Der Virologe Alexander Kekulé meint dazu: „Es ist wohl so, dass durch die Impfung Abwehrmechanismen gegen bestimmte Viren und Bakterien gebremst werden. Das heißt, ich impfe gegen Sars-Cov-2 und es gibt eine Aktivierung der Antwort auf das neue Virus. Parallel aber wird die Antwort auf andere Viren gebremst. Gegen diese andere Viren ist man dann weniger gut immun.“

Dennoch fällt hier wieder die Aussagekraft einer Preprint-Studie ins Gewicht. Denn auch wenn nachweisbar ist, dass eine gewisse Reaktion auf Pilze und Bakterien erfolgt, kann auch eine eindeutige Wirksamkeit gegen das Covid-19 Virus nachgewiesen werden. Die Studienautoren kamen ebenfalls zu dem Ausgangsergebnis, dass Reaktionen auf Pilze und Bakterien derartige gering sind, dass die vernachlässigt werden können. Außerdem wurde die Studie noch nicht gegengetestet, wodurch eine generelle Aussagekraft fehlt. Fehler in der Studie sind daher noch nicht auszuschließen. 

Experten klären auf: Es spricht kein Argument gegen die Corona-Impfung

Um Impfgegner aber nicht zu bestätigen, möchten Falk allerdings noch anhängen: „Es könnte sein, dass diese Makrophagen-Funktion dadurch ein bisschen verändert wird und dass sozusagen die Stärke der Reaktion auf andere Bakterien oder andere Infektionen durchaus mit verändert wird. Also man kann es messen, aber es ist jetzt keine generelle Beeinflussung des Immunsystems.“

Das bedeutet, dass das Immunsystem durch die Impfung sozusagen trainiert wird. Pilzen, Bakterien, Viren und anderen Erregern würde damit auf lange Sicht gesehen ein weiterer Stein in den Weg gelegt, der einen Befall des Körpers erschwert. Darüber hinaus erklärt Falk, dass die Aussagekraft einer Preprint-Studie mit Vorsicht zu genießen sei. Viele Faktoren werden dabei außer Acht gelassen. So zum Beispiel auch die Immunabwehr bestehend aus T- und B-Zellen. Diese sind essenziell für die Herstellung von Antikörpern und wurden dabei nicht beachtet. Als Ergebnis liefert die Studie somit keine Rückschlüsse hinsichtlich einer Betrachtung des gesamten Immunsystems. Dies dürfe bei der Interpretation der Ergebnisse nicht vergessen werden.

Generell ist eine Schädigung des Körpers durch eine Infektion mit dem Coronavirus und einem anschließendem schweren Verlauf wesentlich schädlicher. Bei der Interpretation sei daher vor allem darauf zu achten, dass nur der angeborene Teil des Immunsystems im Fokus der Forscher stand und untersucht wurde.  

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