• Corona-Studie aus den USA: Erschreckende Ergebnisse
  • Gefährliche Autoantikörper im Blut nach Corona-Infektion
  • Corona-Impfung verhindert Überreaktion des Immunsystems

Bei hospitalisierten Covid-19-Patienten mit einem schweren Corona-Verlauf finden sich häufig Autoantikörper im Blut, die sonst nur bei Autoimmunerkrankungen auftreten. Zu dieser Erkenntnis kam eine neue Studie, an der auch Wissenschaftler*innen der hessischen Philipps-Universität Marburg mitwirkten. 

Corona-Infektion kann zu Autoimmunkrankheit führen

Für die Studie untersuchte das Forschungsteam um Paul Utz von der Stanford Universität in Palo Alto (Kalifornien) Autoantikörper in Blutproben. Die Blutproben wurden im März und April 2020 bei 147 hospitalisierten Corona-Patient*innen genommen. Die Proben 48 gesunder Menschen dienten als Kontrollgruppe. Mitte September wurden die Ergebnisse der Untersuchung in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht. 

Das Forschungsteam interessierte sich dabei vor allem für drei Dinge: Antikörper gegen das Coronavirus, Autoantikörper und Antikörper, die sogenannte Zytokine attackieren. Zytokine sind Proteine, die sich bei einer Reaktion des Immunsystems bilden und bestimmte Abwehrzellen aktivieren können.

Bei den Untersuchungen stellten die Forscher*innen einen deutlichen Unterschied fest: Bei mehr als 60 Prozent der Covid-19-Patient*innen im Krankenhaus ließen sich Zytokine-Antikörper nachweisen. Zum Vergleich: Bei der gesunden Kontrollgruppe fanden sich diese Antikörper nur bei gut 15 Prozent der Probanden. Eine Ursache dafür könnte eine Überreaktion des Immunsystems auf die langanhaltende Infektion sein, mutmaßen die Wissenschaftler*innen. 

Corona-Spätfolgen: Immunsystem bekämpft sich selbst

Die Fülle der Zytokine könnte dazu führen, dass im undurchsichtigen Kampf des Immunsystems gegen das Coronavirus versehentlich Antikörper gegen die Proteine gebildet werden. Attackieren die Antikörper die Zytokine, können diese nicht mehr ihre Aufgabe erfüllen. In diesem Fall kann sich das Coronavirus leichter vermehren und schlimmeren Schaden anrichten.

Interessante Erkenntnisse lieferten auch die Blutproben von 50 Patient*innen, denen an mehreren Tagen eine Probe entnommen wurde - unter anderem auch am Tag der Einlieferung ins Krankenhaus. Aufgrund der mehrfachen Blutentnahme war es dem Forschungsteam möglich, die Entwicklung der Autoantikörper zu beobachten.

"Innerhalb einer Woche nach dem Einchecken im Krankenhaus hatten etwa 20 Prozent dieser Patienten Antikörper gegen ihr eigenes Gewebe entwickelt, die am Tag ihrer Aufnahme nicht da waren", erläutert Immunologe und Rheumatologe Paul Utz in einer Pressemitteilung  der Stanford Medicine. "In vielen Fällen ähnelte das dem, was man bei einer diagnostizierten Autoimmunerkrankung sieht", so der Autor der Studie weiter. 

Corona-Impfung verhindert Überreaktion des Immunsystems

Die Bildung der Autoantikörper ist daher eine Folge der Infektion. Unklar ist bislang jedoch, ob sie nach der Erkrankung wieder verschwinden. Sollten die gebildeten Autoantikörper jedoch lebenslänglich im Blut bleiben, könnte das bei Genesenen zu einem erhöhten Risiko für Autoimmunerkrankungen führen. 

Eine vergangene Studie zeigte immerhin, dass sich bei Geimpften keine Autoantikörper bilden - für Utz ein wichtiges Argument dafür, sich impfen zu lassen: Ein schwerer Krankheitsverlauf könne lebenslängliche Schäden anrichten - auch wegen der Bildung der Autoantikörper. Zwar lässt sich noch nicht endgültig schlussfolgern, dass daraus eine Autoimmunerkrankung resultiert, jedoch würde Utz das unnötige Risiko nicht eingehen wollen.