• Corona-Impfstoff von AstraZeneca galt bisher als eher unbeliebte Alternative zu Biontech oder Moderna
  • Die Gründe: Nebenwirkungen, der geringere Wirkungsgrad und die fehlende Wirksamkeit bei älteren Patienten
  • Neue Studie: AstraZeneca könnte nun doch effektiver gegen Covid-19 sein, als bisher angenommen wurde

Neue Studien zum AstraZeneca-Impfstoff: Bald auch für Ältere zugelassen? Der Impfstoff von AstraZeneca genießt in der Öffentlichkeit derzeit keinen besonders guten Ruf. Grund dafür ist die geringere Wirksamkeit des Mittels im Vergleich zu den Alternativen von Biontech oder Moderna.

AstraZeneca: Zahlreiche Dosen ungenutzt

Zudem ist die AstraZeneca-Impfung in Deutschland bisher nur für Menschen unter 65 Jahren zugelassen, zahlreiche Dosen bleiben nun ungenutzt - die Rede ist von einem "Impfstau". Neue Studiendaten aus Großbritannien könnten das jedoch ändern.

Laut einer Untersuchung der schottischen Gesundheitsbehörde Public Health Scotland  und mehrerer schottischer Universitäten verringert bereits die erste AstraZeneca-Impfung das Risiko eines Krankenhausaufenthalts aufgrund einer Corona-Infektion um bis zu 94 Prozent.

Zum Vergleich: Nach der ersten Dosis des Biontech-Impfstoffes verringert sich das Risiko um 85 Prozent.

Neue Studien aus Großbritannien: AstraZeneca schützt auch Ältere vor Corona

Beide Impfstoffe seien den bisherigen Daten zufolge außerdem wirksam bei Hochrisikopatienten, den über 80-Jährigen. Vier Wochen nach der ersten Impfdosis sei das Risiko, wegen Corona ins Krankenhaus zu müssen, um 81 Prozent gesunken.

Amazon-Buchtipp: 'Pro & Contra Coronaimpfung - Tipps für die persönliche Impfentscheidung'

Für die Datenauswertung wurde verglichen, wie viel Prozent der erstmals Geimpften in eine Klinik eingewiesen werden mussten gegenüber den nicht geimpften Menschen. Die Prozentwerte beziehen sich dabei auch die vierte Woche nach Erhalte der ersten Impfdosis. Die Wissenschaftler griffen dafür auf die Daten von rund 5,4 Millionen Schotten zurück, was fast die komplette Bevölkerung umfasst. Bis Februar hatten sich etwa 21 Prozent der schottischen Bürger gegen Corona impfen lassen. Die Untersuchung ist bisher noch nicht in einem Fachmagazin erschienen,wurde aber bereits beim medizinischen Fachmagazin The Lancet eingereicht.

Eine vergleichbare Studie aus England bestätigt die Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffes bei älteren Menschen.Die Gesundheitsbehörde Public Health England hat ebenfalls Daten ausgewertet, die beweisen, dass bei beiden Impfstoffen bereits die erste Dosis die Zahl der Krankenhauseinweisungen infolge von Corona um 80 Prozent verringert. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock nannte die Studienergebnisse eine "extrem gute Nachricht".

AstraZeneca: Impfstoff nach erster Dosis sogar besser als Biontech

Auch die englische Studie brachte vielversprechende Ergebnisse zur Wirksamkeit bei älteren Menschen: Vier Wochen nach der ersten Dosis hätten Geimpfte im Alter ab 70 Jahren rund 57 bis 73 Prozent weniger Covid-19-Erkrankungen gehabt als Ungeimpfte. Im Detail zeigen die Daten dabei zudem, "dass der Schutz vor einer Corona-Infektion, den man 35 Tage nach der ersten Impfung erhält, für den Oxford-Impfstoff sogar etwas besser ist als für Pfizer", wie der britische Gesundheitsminister Matt Hancock angab. Die Oxford Universität hatte an der Entwicklung des AstraZeneca-Impfstoffes mitgewirkt.

Der Studie zufolge lag der Ansteckungs-Schutz bei älteren Menschen nach der ersten AstraZeneca-Dosis zwischen 60 und 73 Prozent, während der Biontech-Impfstoff zu 57 bis 61 Prozent schützte. Bei beiden Impfstoffen sei zudem die Sterblichkeit bereits nach einer Impfung deutlich zurückgegangen - um rund 85 Prozent bei den Geimpften ab 70 Jahren im Vergleich zu Ungeimpften dieser Altersgruppe. Für letzteren Wert lagen zunächst nur Daten für den Impfstoff der Unternehmen Biontech und Pfizer vor.

Es handelt sich wie auch bei der schottischen Untersuchung um vorläufige, noch nicht von unabhängigen Experten geprüfte Daten. Wie gut die Impfstoffe Ansteckungen verhindern und damit die Pandemie ausbremsen, ließe sich aus den berücksichtigten Daten nicht schließen.

Bald auch für Menschen über 65 Jahren? Stiko überprüft Empfehlung

Für die Studie hatten die Forscher verschiedene Altersgruppen ab 70 Jahren beobachtet. Bei den über 70-Jährigen wurden Corona-Erkrankungen und bei den über 80-Jährigen die Krankenhausaufenthalte und Todesraten untersucht. Laut den Autoren seien die Daten von allen Briten über 70 Jahren ausgewertet worden, was mehr als 7,5 Millionen Menschen umfasst.

Bestseller: FFP2-Masken bei Amazon anschauen

Aufgrund der neuen Studienergebnisse hat die Ständige Impfkommission (Stiko) bereits angekündigt, ihre Empfehlung zum AstraZeneca-Impfstoff zu überprüfen. "Das Ganze ist irgendwie schlecht gelaufen", räumte  der Chef der Kommission, Thomas Mertens, ein. Er rechtfertigte aber die Stiko-Entscheidung mit einer dünnen Datenlage.

"Wir hatten die Daten, die wir hatten und haben auf der Basis dieser Daten die Empfehlung gegeben. Aber wir haben nie den Impfstoff kritisiert. Wir haben nur kritisiert, dass die Datenlage für die Altersgruppe über 65 nicht gut oder nicht ausreichend war." Ansonsten sei der Impfstoff "sehr gut" und er werde "jetzt durch hinzukommende neue Daten noch besser in der Einschätzung", betonte Mertens.

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.