• Impfstoff von "AstraZeneca" soll bis zu 90 prozentigen Schutz vor Covid-19 bieten
  • "AstraZeneca" unterscheidet sich stark von "Biontech"-Wirkstoff
  • Neue Studie zeigt: "AstraZeneca"-Impfstoff wirkt wohl auch gegen die Übertragung des Coronavirus

"AstraZeneca"-Impfstoff soll Corona stoppen: Und wieder ist Großbritannien Vorreiter. Schon als es um den mRNA-Impfstoff der Firma "Biontech" ging, begann das Vereinigte Königreich mit dem Impfen, während das Mittel in der Europäischen Union noch gar nicht zugelassen war. Auf der Insel wurde auch weltweit zum ersten Mal der "AstraZeneca"-Impfstoff verabreicht - in der Europäischen Union erhielt er nur eine bedingte Zulassung. Doch wo sind die Unterschiede zum bereits zugelassenen Impfstoff von "Biontech"? Ist das neue Mittel vielleicht sogar besser?

Update 03.02.2021: Impfstoff von "AstraZeneca" wirkt wohl auch gegen die Übertragung des Coronavirus

Der Impfstoff des britischen Pharmakonzerns Astrazeneca und der Universität Oxford soll ersten Erkenntnissen zufolge auch gegen die Übertragung des Coronavirus wirken. PCR-Tests bei einer zufälligen Stichprobe aus entsprechend Geimpften in Großbritannien hätten gezeigt, dass der Impfstoff die Übertragung um rund 67 Prozent verringere, sagte Astrazeneca-Forschungschef Mene Pangalos am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Zuvor war nur die Wirkung gegen eine Covid-19-Erkrankung festgestellt worden.

Die genannte Zahl bezieht sich auf jene, die eine erste Impfdosis hinter sich haben. Unter Getesteten, die auch die zweite Dosis schon hinter sich haben, konnte hingegen lediglich eine Verringerung der Wirksamkeit um knapp 50 Prozent festgestellt werden. «Selbst 50 Prozent sind eine signifikante Verringerung», sagte Pangalos. Laut Andrew Pollard von der Universität Oxford könnte die Differenz an der unterschiedlichen Zusammensetzung der relativ kleinen Stichproben liegen. «Dazu müssen wir noch weitere Analysen anstellen», räumte Pollard ein.

Astrazeneca belegte mit neuen Untersuchungen zum Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung außerdem, dass rund zwölf Wochen Abstand zwischen der ersten und zweiten Impfdosis bei dem eigenen Impfstoff wohl positive Auswirkungen auf dessen Wirksamkeit haben. Zwischen dem 22. und dem 90. Tag nach der ersten Impfdosis soll die Schutzwirkung des Vakzins demnach nicht nachlassen. Die Wirksamkeit gegen eine Erkrankung an Covid-19 wird in dieser Zeit von Astrazeneca mit 76 Prozent angegeben. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte die Wirksamkeit des Vakzins mit rund 60 Prozent angegeben. Grund für diese Differenz ist, dass unterschiedlich viele Daten aus den klinischen Studienphasen in die Berechnung einfließen.

Neuer Corona-Impfstoff von "AstraZeneca": So funktioniert das Vakzin

Der neue Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19 ist ein sogenannter Vektorimpfstoff, heißt es vonseiten des Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Solche Impfstoffe bestehen aus einem harmlosen, beim Menschen nicht vermehrungsfähigen Erkältungsvirus, welcher ursprünglich von Schimpansen stammt. Das Gen des Virus wird dann so verändert, dass es den Bauplan für die Herstellung eines Sars-CoV-2-Spikeproteins enthält. 

Nach einer Impfung gelangt der Bauplan in einige wenige Körperzellen und diese beginnen mit der Herstellung des Spikeproteins. Das Immunsystem identifiziert das Protein als fremd und bildet Antikörper und T-Zellen, welche im Idealfall vor eine Infektion mit dem Coronavirus schützen können. 

Auch wenn es bisher nur zwei zugelassene Vektorimpfstoffe gibt, gilt das Verfahren als erprobt und wirkungsvoll. So basiert beispielsweise der Impfstoff gegen Ebola auf dem Vektorverfahren.

"AstraZeneca" gegen Corona: So wirkungsvoll ist der Impfstoff

Eine Verabreichung des "Biontech"-Impfstoffs soll einen Covid-19-Schutz von bis 95 Prozent gewähren. Wie sieht es beim englischen Konkurrenten aus? Noch im November 2020 ging die Firma von einem Schutz von lediglich 70 Prozent aus.

Doch während den Forschungsarbeiten an der Universität Oxford entdeckten Wissenschaftler, dass eine Verabreichung von zwei schwächeren Dosen des Impfstoffes eine bis zu 90 prozentige Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 entwickeln könne. Wurde zweimal die volle Dosis gespritzt, lag der Schutz nur bei 62 Prozent. Der Politiker und Mediziner Karl Lauterbach (SPD) kommentierte die Ergebnisse über Twitter und gratulierte Oxford für den "sensationellen Erfolg".

Ein Kritikpunkt, der von Experten immer wieder eingeworfen wird, ist, dass das Mittel nur an Probanden im Alter von unter 55 Jahren getestet wurde. Die Ärztezeitung schreibt, dass dadurch eine hohe Wirksamkeit bei Senioren nicht belegt sei. Dabei seien gerade Senioren besonders stark von der Pandemie betroffen. "Wir haben die Aufsichtsbehörde formell gebeten, den Impfstoff (...) zu bewerten, die Daten zu verstehen und festzustellen, ob er den hohen Sicherheitsstandards entspricht", teilte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock mit. "Wir arbeiten unermüdlich daran, einen Impfstoff bereitzustellen, sobald er von der unabhängigen Aufsichtsbehörde MHRA (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) genehmigt wird.“

Unterschiede und Vorteile zum "Biontech"-Impfstoff

Der Impfstoff von "AstraZeneca" unterscheidet sich in einigen Punkten von dem bereits zugelassen "Biontech"-Mittel:

  • Vektorimpfstoff: Der Wirkstoff von "AstraZeneca" basiert auf dem Vektorverfahren und wurde bereits in der Vergangenheit erprobt, beispielsweise im Kampf gegen Ebola. Die Firma "Biontech" setzt auf einen mRNA-Impfstoff und der kam in der Praxis bisher noch nicht zum Einsatz.

  • Wirksamkeit: Laut Angaben von "AstraZeneca" könne der Impfstoff, bei richtiger Dosierung,  einen 90 prozentigen und der von "Biontech" einen 95 prozentigen Schutz vor Corona bieten. Beide Impfstoffe benötigen zwei Impfungen, um die volle Wirksamkeit zu entwickeln.

  • Einfachere Lagerung: Der englische Impfstoff lässt sich bei normalen Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad lagern und eignet sich somit ideal für landesweite Impfungen, so der Hersteller. Der Impfstoff von "Biontech" benötigt Temperaturen von minus 70 Grund und ist somit deutlich schwieriger zu lagern.

  • Billiger: Laut welt.de liege der Preis für eine Dosis des "AstraZeneca"-Impfstoffes bei nur 1,78 Euro. Damit ist das Mittel deutlich günstiger, als der 12-Euro-teure Konkurrent von "Biontech". Eine solche Preisschwankung sei pauschal nicht zu erklären, hänge aber vermutlich mit dem Herstellungsverfahren zusammen, heißte es auf welt.de.

  • Nebenwirkungen: Über mögliche Nebenwirkungen ist nur wenig bekannt. Im November berichtete der Mitteldeutsche Rundfunk über eine gute Verträglichkeit und milde Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Rötungen an der Einstichstelle einer "AstraZeneca"-Impfung. Die detaillierten Nebenwirkungen von "Biontech" können Sie hier nachlesen.

Eine Beurteilung, ob einer der beiden Impfstoffe besser oder schlechter sei, als der andere, ist so pauschal nicht möglich. Diese Liste zeigt lediglich die Unterscheide der Wirkstoffe auf.

"AstraZeneca" auch in Deutschland zugelassen

In Großbritannien ist der Impfstoff bereits seit dem 30. Dezember 2020 zugelassen, die erste Impfung wurde am 4. Januar 2021 an einem 82-Jährigen vorgenommen.

Mund-Nasen-Schutz jetzt bei Amazon anschauen

Am 29. Januar 2021 wurde der Impfstoff von "AstraZeneca" von der Europäischen Kommission zugelassen, allerdings nur bedingt. Nur Menschen unter 65 Jahren dürfen mit dem Vakzin geimpft werden. Für den Fall der Zulassung hatte die EU allerdings schon vorgesorgt: Vertraglich sollen bereits vor Monaten 300 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert worden sein. Eine Option auf 100 Millionen weitere Dosen sei ebenfalls ausgehandelt.

aa

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach tollen Angeboten und nützlichen Produkten für unsere Leser - nach Dingen, die uns selbst begeistern und Schnäppchen, die zu gut sind, um sie links liegen zu lassen. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn Sie auf einen dieser Links klicken und darüber einkaufen, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für Sie ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.