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Pandemie

Als die Maskenpflicht gelockert wurde: Millionen Menschen starben an Spanischer Grippe

In Zeiten der Corona-Pandemie beschweren sich viele über die Maskenpflicht. Wie wirksam sie allerdings ist, zeigt ein Vergleich mit dem Verlauf der Spanische Grippe, die zwischen 1918 und 1920 mehr Menschen das Leben kostete als der Erste Weltkrieg.
 
Die Spanische Grippe

Nicht nur Corona-Leugner oder Maskenverweigerer sind mittlerweile von der anhaltenden Maskenpflicht in Deutschland genervt. Die Aufforderung, in der Öffentlichkeit einen Mund-Nase-Schutz tragen zu müssen, wo kein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern gewährleistet werden kann, schränkt viele Menschen in ihrem Alltag ein. Besonders Berufstätige, die bei ihrer Arbeit Masken tragen müssen, klagen über Probleme. Welche Auswirkungen allerdings eine Lockerung der Maskenpflicht haben kann, zeigt ein erschreckendes Beispiel von 1918: die Spanische Grippe.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ausgebrochen in Amerika, breitete sich die Spanische Grippe in mehreren Wellen über den ganzen Erdball aus und kostete Schätzungen zufolge 27 bis 50 Millionen Menschen das Leben. Bereits in der ersten Phase der Grippewelle bestand beispielsweise in San Francisco (USA) eine Maskenpflicht. Wie heute beim Coronavirus sollte die Maske schon damals die Menschen vor einer Ansteckung durch eine Tröpfcheninfektion schützen. 

Spanische Grippe: "Tragt eine Maske oder ihr wandert ins Gefängnis!"

Am 25. Oktober 1918 wurde die Maskenpflicht in San Francisco verhängt. Bereits zwei Wochen danach gab es die ersten Verweigerer. Geldstrafen und Festnahmen von bis zu 100 Menschen am Tag waren die Folge. Allerdings zeigte sich vier Wochen später, dass das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes wirkte: Die Zahl der Neuinfektionen ging zurück, sodass bereits am 21. November 1918 die Maskenpflicht wieder aufgehoben wurde. Ein fataler Fehler, wie sich im weiteren Verlauf der Spanischen Grippe herausstellen sollte. 

Die Fallzahlen stiegen erneut. Ein weiteres Mal wurde die Maskenpflicht eingeführt. Doch am 1. Februar 1919 beendete die "Anti-Masken-Liga" mit heftigen Protesten die Pflicht endgültig. Der Bürgermeister San Franciscos verteidigte die Methode. Seiner Meinung nach war die Maskenpflicht nur eine "kleine Unannehmlichkeit" im Vergleich zur Spanischen Grippe und den damit verbundenen Todesfällen. 

Doch nicht nur in San Francisco wurden Maßnahmen zur Eindämmung der Spanischen Grippe getroffen, sondern beispielsweise auch in Österreich. Ende September 1918 gab das Wiener Gesundheitsamt bekannt, dass betroffene Schulklassen für acht Tage geschlossen würden. Das konnte die Pandemie allerdings nicht aufhalten. Bereits am 5. Oktober waren 320 Schulklassen betroffen, das Nothospital überfüllt und eigene Epidemiespitäler wurden eingerichtet. 

Spanische Grippe: In Deutschland wurde geschwiegen

Da man sich 1918 mitten im Ersten Weltkrieg befand, wurde unter anderem in Deutschland lange über die Spanische Grippe geschwiegen. Aus strategischen Gründen wurden vor allem Informationen über die Lage an der Front vertuscht. 

Um keine Panik im Volk hervorzurufen, wurde lediglich über einen Toten pro 500 Erkrankten berichtet. Verschwörungstheorien gab es ebenfalls damals zur Spanischen Grippe -  wie heute zum Coronavirus. Demnach sei die Spanische Grippe ein Teufelswerk deutscher Agenten gewesen oder eine Folge von amerikanischen Giftgaseinsätzen.

1933 wurde wissenschaftlich belegt, dass das Influenzavirus die Ursache der Spanischen Grippe war. 

Corona-Pandemie: Aus der Geschichte lernen

Aufgrund des heutigen medizinischen Fortschritts lassen sich die beiden Pandemien nur schwer miteinander vergleichen. Allerdings errechneten vor wenigen Wochen Wissenschaftler vom Institute for Health Metrics and Evaluation der University of Washington (USA), dass im schlimmsten Fall bis Dezember dieses Jahres 300.000 Menschen in Amerika an Corona sterben könnten. Damit hätte das Coronavirus noch stärkere Auswirkungen auf die Bevölkerung als die Spanische Grippe zu ihrer Zeit. 

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Foto: National Museum of Health and Medicine/dpa