Bisher hieß es, dass das Coronavirus vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen würde. Seltener auch durch Schmierinfektionen, wenn zum Beispiel infektiöse Tröpfchen auf eine Türklinke geraten würden.

Momentan wird diskutiert, ob SARS-CoV-2 doch über die Luft übertragen werden kann und zwar durch Aerosole. Das sind Tröpfchenkerne, die kleiner als 5 Mikrometer sind. Sie werden auch beim Sprechen und Atmen ausgestoßen. Durch ihre geringe Größe können sie sich als Schwebeteilchen länger in der Luft halten als Tröpfchen, die durch Husten und Niesen freigesetzt werden. Diese wiederum sinken schnell zu Boden.

Robert-Koch-Institut: Studien zur Infektion über Aerosol

In einer Studie konnten in mit SARS-CoV-2 angereichertem Aerosol noch nach drei Stunden Viren nachgewiesen werden. Laut dem Robert-Koch-Institut sei diese künstliche herbeigeführte Aerosolproduktion jedoch nicht mit hustenden oder niesenden Patienten vergleichbar.

In zwei weiteren Studien konnten in der ausgeatmete Luft von Patienten und in deren Zimmerluft Coronavirus-RNA-haltige Aerosole nachgewiesen werden. In einer weiteren Studie zu saisonalen humanen Coronaviren konnte aber auch gezeigt werden, dass die Ausbreitung von Aerosol unterbunden werden konnte, wenn Patienten chirurgische Masken trugen.

Das RKI betont, dass momentan noch keine abschließende Bewertung möglich sei. Es geht aber davon aus, dass "eine Übertragung von SARS-CoV-2 über Aerosole im normalen gesellschaftlichen Umgang nicht wahrscheinlich ist".

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.: Vergleich mit Influenzaviren

Laut einem Positionspapier vom 17. April der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) haben Sars-CoV-2 Aerosole eine Überlebenshalbzeit von 1,1 Stunden. Das heißt, nach 1,1 Stunden ist nur noch die Hälfte der vorherigem Virenlast vorhanden. Im Positionspapier schreibt die DGP unter "Verhalten der Aerosole im Raum": "Insgesamt scheint die Übertragung von Viren durch Aerosole sehr gut möglich zu sein."

Doch ob es im Patientenzimmer zu einer gefährlichen Viruslast durch Aerosole komme, hänge von der Viruslast des Patienten, dem Atemminutenvolumen, der Größe des Raumes und der Belüftung ab. Allerdings stützt man sich hier vor allem auf Experimente mit Influenzaviren.

Bei Tätigkeiten im medizinischen Bereich sollte das Personal, laut dem RKI, spezielle Atemmasken tragen. Denn "ein Hochrisikosetting sind Aerosol-produzierende Vorgänge, wie z.B. Intubation, Bronchoskopie oder zahnärztliche Prozeduren, bei denen eine Übertragung mittels Aerosol auf ärztliches/pflegerisches Personal möglich ist".

Fazit: Aerosole im alltäglichen Leben

Auch was die Übertragung durch Aerosol angeht, stehen abschließende Ergebnisse wohl noch aus. Doch laut aktuellen Untersuchungen scheint Aerosol im alltäglichen Leben keine Rolle bei der Übertragung zu spielen.