Wie sicher sind Corona-Tests? Seit Wochen sieht man in den Medien Bilder von Corona-Testungen: Menschen bekommen lange Stäbchen tief in den Rachen geschoben, um herauszufinden, ob sie am Coronavirus erkrankt sind. Doch wie zuverlässig sind diese Tests?

Das Testverfahren nennt sich RT-PCR-Verfahren - Kurzform für Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion. Dabei wird die Speichelprobe auf das Erbgut des Virus untersucht. Und entweder man findet Hinweise auf SARS-CoV-2 oder eben nicht: Die Person hat Corona oder nicht. Doch ganz so einfach ist es leider nicht. 

Coronavirus: Welche Testmethoden gibt es?

Laut Robert-Koch-Institut gibt es verschiedene Methoden, die Probe beim Patienten zu gewinnen. Diese Corona-Testverfahren listet das RKI auf:

Obere Atemwege:

  • Nasopharynx-Abstrich oder -Spülung: Abstrich durch die Nase
  • Oropharynx-Abstrich: Rachenabstrich durch den Mund

Tiefe Atemwege:

  • Bronchoalveoläre Lavage: Lungentiefe, es wird eine Flüssigkeit in die Lunge gegeben und anschließend wieder abgesaugt
  • Sputum: Ausgehusteter Schleim
  • Trachealsekret: Alternative zum Sputum bei beatmeten Menschen 

Bei all diesen Vorgehensweisen erfolgt anschließend im Labor die RT-PCR-Untersuchung, bei denen es jedoch besonders auf deren Sensitivität und Spezifität  ankommt:

  •  "Die Sensitivität ist der Prozentsatz, mit dem eine erkrankte Person als positiv getestet wird. Ein Test mit einer Sensitivität von 98 Prozent identifiziert 98 von 100 Infektionen und 2 nicht. Die Kehrseite eines hochsensitiven Tests: Er kann viele falsch-positive Befunde liefern, wenn er nicht spezifisch genug ist."
  • "Die Spezifität ist der Prozentsatz, zu dem nicht infizierte Personen als gesund erkannt werden. Ein Test mit einer Spezifität von 95 Prozent liefert bei 5 von 100 Gesunden ein falsch-positives Ergebnis",

erklärt Ralf Schlenger im deutschen Ärzteblatt. Er bemängelt gleichzeitig, dass das RKI und das Labor am Institut für Virologie der Charité kaum "Angaben zu Sensitivität und Spezifität der in Deutschland verwendeten PCR-Tests" geben würden.

Testverfahren nicht einheitlich geregelt

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erklärt, dass es mehrere verschiedene Testsysteme gibt, die unterschiedliche Genabschnitte des Coronavirus im Erbgut erkennen können. Hier variiere natürlich auch die Sensitivität und Spezifität. Welches Testsystem verwendet wird, ist nicht einheitlich, sondern wird vom jeweiligen Labor entschieden. 

Das RKI scheint sich dieses Problems bewusst und weist auf ihrer Infoseite zum Testverfahren darauf hin, dass es bei unschlüssigen Ergebnissen der PCR-Tests "eine sorgfältige Bewertung und Validierung durch einen in der PCR-Diagnostik erfahrenen […] Arzt erfolgen" soll. 

Ebenso heißt es: "Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht aus." Problematisch sind hier besonders Fälle, in denen der Test negativ ausfällt, der Patient aber das Coronavirus hat und auch verbreiten kann. 

Falsch-negative Ergebnisse als besondere Herausforderung

Gründe für den negativen Test können laut RKI die schlechte Qualität der Probennahme, falscher Transport oder einem ungünstigen Zeitpunkt der Testung sein. Sollte bei einem negativen Test weiterhin der Verdacht auf eine Infektion herrschen, solle ein neuer Test durchgeführt werden. Je nachdem wie weit der Krankheitsverlauf dann fortgeschritten ist, muss auf die bereits oben genannten Probennahme in den tiefen Atemwegen zurückgegriffen werden.

Fazit: Es zeigt sich also, dass die Corona-Testergebnisse von vielen verschiedenen Faktoren abhängen, die von außen teils nur schwer zu beurteilen sind.