Aufgrund der Corona-Pandemie sind Schutzmasken aktuell Mangelware. Doch welcher Mundschutz schützt wirklich - und was sind die Unterschiede zwischen Masken der Kategorien  FFP1, FFP2, FFP3 und N95?

Während der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine „nationale Notfallproduktion“ von Schutzmasken für das medizinische Personal fordert, wurde in Österreich am Montag (30. März 2020) eine Maskenpflicht für die breite Öffentlichkeit angekündigt.

Als erste deutsche Stadt hat das thüringische Jena am Dienstag (31. März 2020) entsprechende Pläne vermeldet. Wir verraten Ihnen, warum Sie - solange es nicht offiziell Pflicht ist - wahrscheinlich keine Atemschutzmaske benötigen, für welche Personen es dennoch sinnvoll sein kann und welche Schutzmaske wirklich hilft.

Irrglaube: Warum eine Schutzmaske nicht vor einer Infektion schützt

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass man sich mit dem Tragen einer Schutzmaske hundertprozentig vor einer Infektion schützen kann. Mit einem Mundschutz kann jedoch das Einatmen mittelgroßer, in der Luft schwebender Partikel nicht verhindert werden. Dennoch ist das Tragen einer Maske sinnvoll, um andere nicht anzustecken. Nämlich dann, wenn man selbst bereits infiziert ist. So können das Risiko einer Tröpfcheninfektion verringert und andere Menschen geschützt werden.

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Das Robert Koch-Institut (RKI) hält dabei auch selbstgebastelten Mund- und Nasenschutz zum Schutz anderer Menschen für hilfreich. „Es hängt vom Material ab“, schränkt RKI-Präsident Lothar Wieler ein. Doch auch ein selbstgebauter Schutz halte Tröpfchen zurück, wenn man huste und niese. „Deswegen ist er für den Schutz von anderen von Relevanz.“

Deutlich zu unterscheiden sei aber ein einfacher Mund-Nasen-Schutz von den virenabhaltenden Profi-Masken, die im medizinischen Bereich eingesetzt werden. Diese können auch die Träger selbst vor Infektionen schützen.

Schutzmasken: Das sind die Unterschiede

In den Krankenhäusern kämen aktuell vor allem zwei Maskentypen zum Einsatz, berichtete ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft gegenüber dem Deutschlandfunk. Zum einen seien das einfache OP-Masken aus Flies. Diese sollen bei einer Operation die Patienten vor dem Speichel von Ärzten und Pflegepersonal schützen.

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Zum anderen würden Schutzmasken der Standards FFP2 und FFP3 (Filtering Face Pieces) verwendet. Diese Masken sind aus festerem Material und verfügen über ein Atemventil, wie der Deutschlandfunk weiter berichtet. Das Coronavirus sei recht klein, so der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Nur die FFP-Masken seien so gebaut, dass das Virus nicht durchkomme.

Neben den Schutzklassen FFP2 und FFP3 gibt es noch den Standard FFP1. Wie der Hersteller Uvex auf seiner Website informiert, filtern FFP1-Masken mindestens 80 Prozent der sich in der Luft befindlichen Partikel (bis zu einer Größe von 0,6 μm). Beim Standard FFP2 müsse dieser Wert bei mindestens 94 Prozent liegen. Schutzmasken der Schutzklasse FFP3 indes böten den "größtmöglichen Schutz vor Atemluftbelastung" (99 Prozent).

Hohe Nachfrage: Schutzmasken oft ausverkauft

Es gibt daneben noch weitere Atemschutzmasken mit eingebautem Filter, sogenannte N95-Masken. Diese sind aber nur für medizinisches Personal gedacht und nicht für das Tragen im Alltag geeignet. Sie sollten ausschließlich dem medizinischen Personal vorbehalten sein, um die Gesundheitsversorgung weiterhin zu gewährleisten.

Die Nachfrage nach den Schutzmasken ist in vielen Ländern sehr hoch und die Hersteller haben Probleme, diese abzudecken. In Frankreich sind die Masken deshalb nur noch auf Rezept verfügbar. Auch in Deutschland ist der Mundschutz in den meisten Apotheken ausverkauft. Vielen Arztpraxen hierzulande fehlen Schutzmasken.

Die hohe Nachfrage führt dazu, dass einige Online-Anbieter ihre Kunden abzocken, Mundschutze zu sehr hohen Preisen verkaufen und auf schwindende Lagerbestände verweisen. Ebay USA zog daraus Konsequenzen und hat nun den Verkauf von Atemschutzmasken und Handdesinfektionsmitteln verboten.

Falsches Sicherheitsgefühl: Führen Schutzmasken zu einem Vernachlässigen der Hygiene?

Laut Robert Koch-Institut gibt es keine Belege dafür, dass sich das eigene Ansteckungsrisiko signifikant verringert, wenn man eine Atemschutzmaske trägt. Unter Umständen könne das Tragen einer Maske oder eines Mundschutzes sogar ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. Wichtige Hygienemaßnahmen wie Händewaschen könnten eventuell vernachlässigt werden.

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In Ausbruchs- und Risikogebieten mache das Tragen einer Atemschutzmaske allerdings dennoch Sinn, so Marylyn Addo vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Ein einfacher Mundschutz schützt, wie bereits erwähnt, nicht zuverlässig vor der Infektion mit dem Coronavirus. Er ist dafür konzipiert, dass bereits infizierte Menschen niemanden mehr anstecken. Allerdings kann das Tragen dieses handelsüblichen Mund-Nase-Schutzes Schmierinfektionen verhindern, da man sich nicht mehr so einfach an Mund und Nase fassen kann.

Studie: Schutz durch N95-Masken nicht zwangsläufig höher

Eine aktuelle Studie stellt indes die Effektivität der N95-Masken stark in Frage. "Eine frühere Laborstudie an Dummies hatte gezeigt, dass die chirurgischen Gesichtsmasken besser sind als ihr Ruf, wenn die Masken lückenlos auf der Haut anliegen", schreibt das Webportal Lungenärzte im Netz: "Viren wurden in einer Testserie in bis zu 94,5 Prozent zurückgehalten." N95-Atemschutzmasken hätten sogar 99,8 Prozent der Viren zurückgehalten.

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Effektiveren Schutz böten diese Masken dadurch jedoch nicht unbedingt. "Wenn die Masken nur locker angelegt wurden, hielten sie weniger als 70 Prozent der Viren zurück. Auch die N95-Atemschutzmaske war nicht effektiver, wenn sie nicht sachgerecht angelegt wurde."

Interessant ist in diesem Kontext auch die folgende Studie: "In 380 ambulanten Einrichtungen - darunter Polikliniken, Zahnarztpraxen, Notfallzentren, Hämodialysezentren, Notaufnahmen und Rettungsdiensten - wurde das Personal über vier Jahre während der Grippesaison gebeten, bei Patientenkontakten entweder Einweg-Atemschutzmasken mit N95-Zertifikat oder herkömmliche chirurgische Gesichtsmasken zu tragen. Die Teilnehmer, 2.862 Ärzte, Pflegekräfte oder anderes Personal mit Patientenkontakt, wurden gebeten, sich bei einer Erkrankung zu melden."

Ein Abstrich aus Nase und Rachen sei auf Krankheitserreger hin untersucht worden. Wie ein Team aus einem Labor der CDC in Pittsburgh berichtet, kam es insgesamt zu 400 bestätigten Grippeinfektionen. "Davon entfielen 207 Infektionen auf das Personal, das zum Tragen von N95-Atemschutzmasken aufgefordert wurde, und 193 auf die Kontrollgruppe, die chirurgische Gesichtsmasken verwenden sollte."

Mundschutz: Das Wichtigste in Kürze

  • Einfache Schutzmasken helfen höchstens gegen Schmierinfektionen, wichtiger ist das Händewaschen.
  • Das Tragen von Masken wird nur bereits Infizierten empfohlen oder jenen, die sich in Ausbruchsgebieten aufhalten.
  • Spezielle Feinpartikelmasken bieten einen höheren Schutz.
  • Atemschutzmasken mit eingebautem Filter sollten medizinischem Personal vorbehalten sein, um die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Eine Schutzmaske zu tragen, ist wichtig: Nicht zum Eigen-, sondern zum Fremdschutz. Eine Anleitung, wie Sie ihren Mundschutz selber nähen können, finden Sie in unserem inFranken.de-Ratgeber-Artikel.