Mittlerweile sind weitere statistische Erhebungen zu den Auswirkungen des neuartigen Coronavirus veröffentlicht worden.  Aus einer Analyse des Portals „Global Health 50/50“ (Stand 22. April 2020) geht etwa eindeutig hervor, dass die Sterblichkeitsrate von SARS-CoV-2 für Männer dramatisch höher ist als für Frauen. Das bestätigt auch eine statistische Erhebung des Robert Koch Instituts vom 22. April 2020. Insgesamt sind bislang ( Stand: 29. April 2020)  6110 Personen in Deutschland an den Folgen einer COVID-19-Erkrankung verstorben.

Laut Statista sind vor allem Männer über 50 Jahren durch das Coronavirus gefährdet. 4,7 Prozent der infizierten Männer starben durch den Virus. Bei den Frauen sind es 2,8 Prozent. Verteilt sind die aktuellen Todesfälle laut Statista auf 4042 Männer und 3218 Frauen.

Studie: Coronavirus benötigt bestimmtes Enzym, um in Zellen zu gelangen

Mehrere Studien beschäftigen sich mit der höheren Anfälligkeit und Sterblichkeit von Männern durch das Virus Sars-CoV-2. In einer europäischen Studie, die im "European Heart Journal" veröffentlicht wurden, will man nun einen weiteren Grund dafür gefunden haben.

ACE2 sei laut dem Artikel, ein Enzym, dass das Coronavirus benötigt, um in die Zellen einzudringen, sich zu vermehren und in der Lunge festzusetzen. Die Studie zeigt, dass das Blut von Männern einen weitaus höheren Wert an dem Schlüsselenzym ACE2 aufweist als das von Frauen. 

ACE-Hemmer, die bei Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen und Diabetes verabreicht werden, erhöhen laut der Studie nicht die ACE2-Konzentration im Blut. Somit besteht hier keine erhöhte Infektionsgefahr.

Die Wirkung von Östrogen auf das Immunsystem

Warum das so ist, dafür haben verschiedene Wissenschaftler eine Theorie entwickelt. Demnach sei das weibliche Immunsystem stärker als das von Männern. Marcus Altfeld vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg erklärt das so: „Östrogen stimuliert das Immunsystem, Testosteron hingegen unterdrückt es. Das Immunsystem von Frauen reagiert deshalb schneller und aggressiver gegen Krankheitserreger als das von Männern.“ Immunologin Beatrix Grubeck-Loebenstein von der Universität Innsbruck erklärt ergänzend dazu: „Der Effekt des durch Östrogen gestärkten Immunsystems ist bei jungen Frauen ab der Pubertät besonders ausgeprägt und wird bei Frauen nach der Menopause schwächer.“

Warum dem so ist, das liege in der Natur des Menschen. Bereits in der Steinzeit, als die Menschen noch gemeinsam in Höhlen lebten, sei dieser Effekt zu tragen gekommen. Die Hauptaufgabe des weiblichen Immunsystems sei schon damals gewesen, das ungeborene oder neugeborene Kind bestmöglich zu beschützen.

Zusätzlich geht aus einer Erhebung des Robert Koch Instituts hervor, dass Männer häufiger ungesünder leben. 2014 veröffentlichten es eine entsprechende Untersuchung. Darin heißt es wörtlich: „Anhand epidemiologischer Daten kann seit langem konsistent gezeigt werden, dass sich Männer und Frauen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit deutlich unterscheiden.“ Und diese Unterscheidung sei zum Nachteil der Männer ausgefallen.

Erstmeldung 05.03.2020: Bei Männern verläuft Infektion schwerer

Das Coronavirus breitet sich aktuell rasant in Deutschland aus. Mittlerweile sind 36 Menschen in der Bundesrepublik infiziert (Stand: 3. März 2020, 19.00 Uhr). Auch in Franken gibt es Betroffene. Laut Angaben des "Robert Koch Institutes (RKI)" sind weltweit 90.900 Menschen von Coronavirus-Infektionen betroffen - allein 80.820 Fälle stammen aus China.

Chinesische Forscher haben nun untersucht, welche Gruppen vergleichsweise gefährdeter als andere sind. Die Mediziner konnten beobachten, dass das Coronavirus bei Männern in vielen Fällen schwerer verlief als bei Frauen. Das geht aus einem Seuchenbericht der chinesischen Behörden hervor: Darin wurden die Daten von insgesamt mehr als 70.000 Patienten ausgewertet. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich 22.981 Männer und 21.691 Frauen mit dem Coronavirus angesteckt hatten - so weit, so ausgeglichen.

Coronavirus: Vorerkrankungen als Faktor

Allerdings zeigte sich bei der Sterblichkeitsrate, sprich der Schwere des Krankheitsverlaufes ein Unterschied. Diese liegt bei Männern bei 2,8 Prozent, bei Frauen hingegen bei 1,7 Prozent. In Zahlen bedeutet das: 653 Männer starben im Vergleich zu 370 Frauen.

Forscher begründen die niedrigere Sterblichkeitsrate unter Frauen mit zwei Aspekten. Zum einen ist wohl das weibliche Immunsystem generell stärker als das von Männern. "Das ist ein Muster, das wir bei vielen Virusinfektionen der Atemwege gesehen haben", sagt Sabra Klein, Expertin der "Johns Hopkins Universität" gegenüber der New York Times. Klein untersucht seit geraumer Zeit geschlechtliche Faktoren in Bezug auf virale Infektionen. Dazu liegen bislang jedoch keine finalen Erkenntnisse vor.

Allerdings wird als zweiter Aspekt, neben dem Immunsystem, der Lebensstil als entscheidend angesehen: Dieser begünstigt Vorerkrankungen, die das Risiko sich mit dem Coronavirus zu infizieren, deutlich erhöhen. Beispielsweise liegt die Sterberate unter Erkrankten, die zuvor eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, deutlich höher als Beispielsweise für Patienten ohne Vorerkrankung. Das belegen Daten des "Chinese Center for Desease Control and Prevention".

Als einer der Hauptrisikofaktoren von Herz-Kreislauf-Krankheiten gilt zum Beispiel das Rauchen. In Bezug auf China zeigen Zahlen des "Translational Lung Cancer Research"-Institutes bemerkenswertes: Dort raucht nahezu jeder zweite Mann, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht. Unter Frauen tun dies lediglich zwei Prozent. Neben dem Konsum von Zigaretten gibt es allerdings weitere Faktoren, die solche Krankheiten begünstigen - zum Beispiel die Ernährung. Sie wollen sich gesünder ernähren? Dann sollten Sie diese fünf Lebensmittel aus ihrem Kühlschrank verbannen.

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