„Wir sehen, dass die Menge des Virus bei einem Teil der Patienten, die wir mit Immunplasma behandeln, zurückgeht. Auch die Entzündungsparameter nehmen teilweise ab“, sagt Prof. Holger Hackstein, Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen. Bisher haben Prof. Hackstein und sein Team einzelnen COVID-19-Erkrankten am Uni-Klinikum Erlangen Immunplasma verabreicht. 

So hilft Blutplasma im Kampf gegen das Coronavirus

Mithilfe von Apheresemaschinen wird das Blutplasma von genesenen COVID-19-Patienten von Blutplättchen, roten und weißen Blutkörperchen getrennt. Die im Blutplasma enthaltenen Antikörper dienen dann als Arzneimittel. Das Prinzip dahinter: Jeder Mensch, der eine Infektion mit dem aktuellen Coronavirus (SARS-CoV-2) durchmacht, bildet spezielle Abwehrstoffe – sogenannte Antikörper. Das sind Eiweißmoleküle, die an der Oberfläche des Virus „andocken“ und es daran hindern, sich zu vermehren. Zusätzlich können die Antikörper auch die Immunzellen des Betroffenen dabei unterstützen, die Infektion zu bekämpfen. Einige wissenschaftliche Studien zeigen, dass Antikörper eine Viruserkrankung abmildern oder verkürzen können.

Melden Sie sich: Das Uni-Klinikum sucht weiterhin Blutplasmaspender

Einem Aufruf der Erlanger Transfusionsmediziner Anfang April waren innerhalb eines Tages fast 300 Menschen gefolgt. Deren Eignung als Spender wurde nach strengen Richtlinien geprüft, unter anderem nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Dabei spielte es auch eine Rolle, ob die potenziellen Spender überhaupt ausreichend Antikörper gegen das Coronavirus gebildet hatten. „Im ersten Durchgang haben wir zehn geeignete Kandidaten identifiziert und dann zeitnah mit der Therapie begonnen“, sagt Holger Hackstein. Mittlerweile haben die Transfusionsmediziner ihren Aufruf reaktiviert, um weitere Spender zu finden. „Das Gute an unserer Therapie ist, dass wir das Blutplasma unmittelbar einsetzen können – ohne die langen Entwicklungszyklen, die ein Arzneimittel sonst durchläuft“, erklärt Prof. Hackstein.

Aktuelle Infos zur Forschung der Transfusionsmedizin

Was sind die Voraussetzungen für Blutplasmaspender? 

Für potenzielle Spender gilt: Idealerweise sollten die Befunde der Voruntersuchungen – ein positiver Coronavirus-Test zu Beginn und möglichst zwei negative Tests am Ende der Erkrankung – vorliegen. Ehemalige Corona-Patienten können sich auch per E-Mail melden, falls diese Befunde nicht vorliegen. Die Spende dauert ungefähr 45 Minuten und ist nicht belastender als eine normale Blutspende.

An wen wende ich mich, wenn ich Blutplasma spenden möchte? 

Ehemalige Corona-Patienten mit einem positiven und idealerweise zwei negativen Testergebnissen, die Blutplasma spenden möchten, werden gebeten, sich ausschließlich über die folgende E-Mail Adresse an die Transfusionsmedizin des Uni-Klinikums Erlangen zu wenden: tr-covid19@uk-erlangen.de. Potenzielle Spender sollten angeben, ob sie sich derzeit in häuslicher Quarantäne befinden.

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Prof. Dr. Hackstein: „Der Bedarf an Immunplasma ist groß.“

Parallel gilt es, die Behandlung mit Immunplasma wissenschaftlich zu begleiten. „Wir müssen jetzt in Deutschland und international klinische Studien anstoßen, um die Wirksamkeit der Plasmatherapie zu untersuchen und nachzuweisen, welche Patienten am besten von ihr profitieren“, so Holger Hackstein. Die Immunplasma-Therapie wird neben Erlangen auch an den Uni-Klinika in München, Regensburg, Augsburg und Würzburg durchgeführt. „Wir werden versuchen, weitere Kliniken gegebenenfalls mitzuversorgen“, sagt Prof. Hackstein. „Der Bedarf an Immunplasma ist groß."

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Kontakt und Anfahrt zum Uni-Klinikum Erlangen

Transfusionsmedizinische und Hämostaseologische Abteilung 
Blutspende
Schillerstraße 8
91054 Erlangen