Wetter-Experten sagen für den Sommer 2020 neue Hitze-Rekorde voraus. Grundlage dafür sind Zahlen des britischen Wetterdienstes "Met Office". Demnach soll eine extreme Hitze das Jahr prägen. Im Sommer werden konstant Temperaturen über 40 Grad in ganz Europa erwartet.

Diese Prognose dürfte vielen schon jetzt Schweißperlen in das Gesicht treiben. Der Land- und Forstwirtschaft würde eine neuerliche Dürre schwer zu schaffen machen. Doch die Hitze könnte auch einen Vorteil haben - nämlich im Kampf gegen das Coronavirus (Covid-19).

Coronavirus: Wärme könnte den Erreger schwächen

Der Virologe Alexander Kekulé, Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Halle, erklärt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk Kultur: "Wenn es warm ist, werden diese Coronaviren normalerweise schwächer, und die Krankheiten schwächen sich ab - das könnte eigentlich unser bester Verbündeter sein."

Neben einem Impfstoff, mit dem der Virologe "frühestens in eineinhalb Jahren" rechnet, und möglichen Medikamenten könnte somit der Sommer eine Hilfe im Kampf gegen das Coronavirus sein.

Viruserkrankungen: Ansteckungsgefahr im Winter höher

Auch Georg Haas, Meteorologe beim Portal wetter.com, erklärt, dass die Ausbreitung des Virus mitunter von meteorologischen Größen abhängig sei. Im Winter sei die Ansteckungsgefahr für virale Erkrankungen höher als im Sommer, unter anderem weil man sich meist in Räumen - und darin oft zusammen mit vielen anderen Menschen - aufhalte.

Trockene Luft mache es den Viren leichter, sich in der Luft zu halten. Zudem würden kalte Temperaturen die menschlichen Schleimhäute schwächen, was wiederum das Immunsystem anfälliger mache.

Das Virus selbst wird durch hohe Temperaturen geschwächt, wie Haas erklärt. Die UV-Strahlung der Sonne schädige außerdem die DNA des Virus. "Aus rein meteorologischer Sicht wäre es jetzt ideal, wenn es in nächster Zeit warm und relativ feucht sein würde. Und gleichzeitig auch die Sonne scheint."

Subtropische Warmluft werde in der nächsten Zeit das Wetter dominieren, berichtet Haas. Allerdings würden zwischendurch immer wieder Einschübe polarer Kaltluft erwartet.

Kann der Frühling das Coronavirus stoppen?

Wie viel Wärme die kommenden Frühlingswochen mit sich bringen, lässt sich noch nicht verlässlich sagen. Um die Ausbreitung des Coronavirus wenigstens einigermaßen im Zaum zu halten, wären vergleichsweise hohe Außentemperaturen aber sicher nicht verkehrt. Für das Coronavirus wäre eine Erwärmung laut dem Diplom-Meteorologen Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met "wohl schlecht" - für den Menschen hingegen jedoch gut. "Daher wollen wir mal hoffen, dass das Frühlingshoch sich durchsetzen kann", sagte der Experte gegenüber dem Portal wetter.net.

Über die Lage in ganz Franken, Deutschland und der Welt halten wir Sie in unserem Coronavirus-Ticker auf dem Laufenden.

Virus noch nicht genau erforscht

Allerdings ist nicht zu 100 Prozent gesichert, ob die steigenden Temperaturen das Coronavirus tatsächlich ausbremsen werden. Der Virologe Uwe Liebert von der Leipziger Uniklinik erklärt gegenüber dem MDR Sachsen: "Wie sich der Frühling auf das Virus auswirkt, wissen wir einfach nicht. Das können wir nicht vorhersagen." Es gebe aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das Virus dann abnehme, so der Experte.

Auch Virologe Thomas Pietschmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Hannover erklärt gegenüber der Deutschen Welle, dass man noch nicht sicher sagen könne, wie sich das Virus bei steigenden Temperaturen verhält, da man das Virus schlichtweg noch nicht kenne.

Das neuartige Coronavirus sorgt derzeit weltweit für Gesprächsstoff. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt, wie sich das Virus von der Grippe unterscheidet und welche Gemeinsamkeiten es gibt.