Update vom 19.03.2020: WHO zieht Ibuprofen-Warnung zurück

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Warnung vor der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus zurückgenommen. Das Virus Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen.

Die WHO-Experten hatten Studien und Ärzte konsultiert und seien zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe. "Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab", teilte die WHO mit. Das hatte sie am Dienstag noch getan, und statt Ibuprofen Paracetamol empfohlen. Das berichtet die dpa.

Paracetamol statt Ibuprofen: Wo bekomme ich das Schmerzmittel jetzt noch her?

Update vom 17.03.2020: WHO warnt vor Ibuprofen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät Menschen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus davon ab, ohne ärztlichen Rat das Medikament Ibuprofen einzunehmen. Es gebe zwar keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höher Sterblichkeit verbunden sei, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Dienstag in Genf. Aber die Experten prüften die Lage zur Zeit. "Wir raten, im Verdachtsfall Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen", sagte Lindmeier.

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Dies beziehe sich ausschließlich auf die Einnahme ohne ärztlichen Rat, betonte er.

Der französische Gesundheitsminister hatte am Wochenende mit einem Tweet, in dem er vor Entzündungshemmern wie Ibuprofen warnte, Aufsehen erregt. Der nationale Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon hatte sich ähnlich geäußert und von der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) abgeraten. Zu dieser Wirkstoffgruppe zählen neben Ibuprofen auch Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin) und Diclofenac. Es gibt einen Beitrag im Fachjournal "Lancet", in dem eine mögliche unerwünschte Wirkung von Ibuprofen erwähnt wird. Die Fallzahl der Studie ist aber äußerst gering.

In Frankreich steht Ibuprofen seit 15. Januar nicht mehr frei vorne in der Apotheke, sondern nur noch hinter dem Schalter. Die Apotheker verkaufen es weitgehend ohne Rezept. Damit soll jedoch eine entsprechende Beratung sichergestellt sein.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) schloss am Wochenende nicht aus, dass insbesondere ASS, aber auch Ibuprofen, bei der Lungenerkrankung Covid-19 nicht hilfreich sein könnten. "Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis", erläutert der Virologe. Damit steige das Risiko für innere Blutungen. "Bei Paracetamol ist das nicht der Fall."

Erstmeldung vom 15.03.2020: Wirbel um Ibuprofen

Derzeit gibt es Wirbel um das Medikament "Ibuprofen". Aktuell kursiert das Gerücht, dass das Arzneimittel die Symptome des Coronavirus verstärke. In sozialen Netzwerken wird die Behauptung aufgestellt, dieses Ergebnis basiere auf Forschungen der "Universität Wien".

Die Nachricht verbreitet sich via Facebook als Kettenbrief und via WhatsApp als Sprachnachricht. Doch was ist dran?

Coronavirus: Uni Wien dementiert Ibuprofen-Meldung

Der Absender des Kettenbriefes ist unbekannt. In der WhatsApp-Nachricht, kommt eine Stimme zu Wort, die sich "Elisabeth" nennt. Diese Person behauptet, dass Wissenschaftler der "Universität Wien" erforscht hätten, weshalb so viele Menschen in Italien mit Coronavirus-Symptomen in Krankenhäuser gekommen seien. Sie hätten kurz zuvor "Ibuprofen" eingenommen, heißt es weiter. Die Wiener Universität habe inoffiziell geraten, auf Arzneimittel wie "Aspirin", "Voltaren" oder "Paracetamol" zu setzen.

Die Universität weist das zurück. Via Facebook dementierten die Verantwortlichen diese Meldung: "Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Fake News handelt, die in keinerlei Zusammenhang mit der MedUni Wien stehen!"

Das Bundesgesundheitsministerium warnte am Samstagmittag (14. März 2020) vor kursierenden Falschmeldungen in Bezug auf das Coronavirus: "Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT! Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen."

Coronavirus: Was ist dran an der Ibuprofen-Warnung?

Trotz der offensichtlichen Falschmeldung in den sozialen Netzwerken, raten aktuell mehrere Experten davon ab, Ibuprofen einzunehmen - Olivier Véran beispielsweise. Véran ist Frankreichs Gesundheitsminister. Er warnt vor der schädlichen Auswirkungen durch die Einnahme des Medikamentes. Via Twitter sagte er, dass die Einnahme Mittel wie "Cortison" oder "Ibuprofen" ein Faktor sein können, der eine Coronavirus-Infektion verschlimmere.

Véran empfiehlt statt auf "Ibuprofen" zu setzen, "Paracetamol" einzunehmen. Mehrere französische Medien berichteten zuletzt, dass sich der Gesundheitszustand einiger junger am Coronavirus erkrankter Patienten verschlechtert habe, nachdem sie "Ibuprofen" eingenommen hatten. Seit Jahresbeginn ist das Arzneimittel in Frankreich nicht mehr frei verkäuflich.

Frankreichs nationaler Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon rät ebenfalls von "Ibuprofen" ab. Er warnt insbesondere vor sogenannten "nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR)" - zu dieser Gruppe zählt auch das Arzneimittel "Ibuprofen". Dass das Medikament nicht hilfreich in Bezug auf die Bekämpfung des Coronavirus sein könnte, unterstreicht auch Experte Jonas Schmidt-Canasit: "Ibuprofen hemmt die Blutgerinnung, das wäre ein möglicher Hinweis", sagte er der dpa. Bei "Paracetamol" sei das nicht der Fall, so Schmidt-Canasit.

Die Auswirkung einer "Ibuprofen"-Einnahme auf die Entwicklung einer Coronavirus-Erkrankung ist noch nicht abschließend erforscht. "Wir wissen wenig über die Pathogenese des Virus Sars-CoV-2. Es gibt dazu bisher keine klinischen Daten", erklärt der Experte vom "Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)". Das "Robert-Koch-Institut" hat sich bislang nicht zu einem möglichen Zusammenhang geäußert.

Die Symptome des Coronavirus: Das sind Anzeichen für eine Erkrankung