Wissenschaftler des "Imperial College" in London haben in einer Studie untersucht, wie sich bestimmte Maßnahmen auf die Ausbreitung des Coronavirus "Covid-19" auswirken. Bayern ist im Kampf gegen das Virus bereits einen wichtigen Schritt gegangen - dort gelten ab Freitagnacht (21. März 2020) Ausgangsbeschränkungen.

Die bisherigen Einschränkungen betreffen das Leben aller und sollen davor bewahren, dass das Gesundheitssystem in Deutschland zusammenbricht. Denn was passiert, wenn es dazu kommt zeigen aktuelle Bilder aus Italien, wo sich die Krankheit rasend schnell verbreitet und sich die Todesfälle häufen. Daher haben die Forscher die Effekte verschiedener Strategien berechnet – die Ergebnisse sind beunruhigend.

Verlangsamen oder verhindern - beide Wege fordern harte Maßnahmen

Nach den Berechnungen der Wissenschaftler würden beispielsweise in den USA und Großbritannien - ohne Maßnahmen zu ergreifen – 2,2 Millionen und über 500.000 Menschen sterben. Zudem wären die Intensivstationen in den beiden Ländern bereits Mitte April völlig überfordert. Es muss also dringend gehandelt werden.

Dabei formulierten die Forscher zwei verschiedene Strategien, die jeweils beide mit radikalen Einschränkungen des Soziallebens verbunden wären:

  • Der weniger drastische Ansatz hat das Ziel die Coronavirus-Ausbreitung lediglich zu verringern. Dabei würden sich zwar viele Menschen mit "Covid-19" infizieren, jedoch über einen möglichst langen Zeitraum. Irgendwann wären so viele Menschen immun, dass die Fallzahl abnehmen würde. Die Forscher erkennen hier zwar, dass die Todesfälle nur etwa um die Hälfte geringer wären, das Gesundheitssystem in den USA und Großbritannien jedoch völlig überlastet wäre
     
  • Die zweite Variante ist weit aus radikaler und zielt darauf ab, die Ausbreitung des Virus zu unterbinden, solange noch kein Impfstoff verfügbar ist - also mindestens zwölf bis 18 Monate. Nach den Ergebnissen der Studie raten die Wissenschaftler zur harten Schiene: Schulschließungen und soziale Distanzierung über mehrere Monate hinweg seien die beste Variante, so die Forscher. Die sozialen und ökonomischen Kosten allerdings unvorhersehbar, erläutern die Studienautoren. Die Wissenschaftler betonen aber auch, "dass es keineswegs sicher ist, dass die Unterdrückung langfristig erfolgreich sein wird.“

Coronavirus: Das große Ziel ist der Impfstoff

Der Virologe Christian Drosten kennt die Ergebnisse dieser Studie und erklärt in einem NDR-Podcast: "Die Aussichten sind wirklich verzweifelnd, es ist wirklich schlimm, was man aus dieser Studie liest.“ Er erklärt zwar, dass die Wissenschaftler mit sehr pessimistischen Zahlen gerechnet hätten, diese aber nicht unrealistisch und so größtenteils auch auf Deutschland übertragbar seien. Zudem schätzt Drosten die etwas weniger strenge Strategie als nicht sinnvoll ein: "Das kann man vergessen. Da hätten wir die italienische Situation.“ Der harte Weg mache hier mehr Sinn: "Allerdings muss man das Ganze dann für fünf Monate durchhalten. Das ist eine sehr lange Zeit.“

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Das große Ziel der Wissenschaftler sei nun so schnell es geht einen wirksamen Impfstoff zu finden. Es bleibt eine große Unsicherheit.  Weitere Details zur Studie des "Imperial College" sind auf der offiziellen Homepage nachzulesen. 

jh/tu