Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus: In Deutschland stieg die Zahl der offiziell Infizierten auf 1139 gestiegen. In Italien sind bereits 463 Menschen gestorben (Stand: 10. März 2020 - am 6. März waren es noch 148). Die italienische Regierung hat bereits vergangene Woche "drastische Maßnahmen" ergriffen: Alle Schulen und Unis bleiben zwei Wochen lang geschlossen. Das ist nicht "drastisch", das ist das einzig Vernünftige, was man in der derzeitigen Situation tun kann. Auch Deutschland muss jetzt handeln und alle Schulen und Unis schließen, genauso wie alle Kindergärten. Sämtliche Großveranstaltungen, Konzerte, Messen und sonstige Events müssen abgesagt werden.

Wegen infizierter Kinder mussten am Freitag (06.03.2020) bereits zwei Schulen sowie Kinderhorte in Nürnberg geschlossen werden, auch in anderen fränkischen Städten und Kreisen bleiben Schulen und Kindergärten dicht - aber nur vereinzelt, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Sprich: eine Erkrankung .

Der Virologe Alexander Kekulé ist Direktor am "Institut für Medizinische Mikrobiologie" der Universität Halle. Ich kenne den Mann nicht, aber er spricht mir mit seiner Forderung nach "zwei Wochen Coronaferien" aus der Seele. Für eine Zeit von zwei Wochen müssten alle Kindergärten und Schulen schließen, so Kekulé. Man habe zu Beginn der Ausbreitung zu wenig Schritte in die richtige Richtung unternommen.

Coronavirus: Schulen in Deutschland werden schließen - warum nicht gleich?

Warum abwarten, bis sich mehr und mehr Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infizieren? Warum das Unvermeidliche hinauszögern? Denn die Schulen, Universitäten und Kindergärten in Deutschland werden schließen. Konzerte und andere Großveranstaltungen werden abgesagt werden, teilweise wurden sie das schon, beispielsweise die Leipziger Buchmesse, die Touristikmesse ITB, die Hannover Messe, um nur einige zu nennen. Jens Spahn empfahl am Wochenende, alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Warum reichen nicht 500 Teilnehmer? Warum nicht 100? Warum empfiehlt er nur, anstatt gemeinsam mit der - wie gewohnt schweigenden - Bundeskanzlerin einfach anzuordnen?

Was soll das Herumlavieren? Was sollen die Informationen in Tröpfchenform, die unsere Politiker herauslassen, und die unzureichenden, lokal begrenzten Aktionen unserer Behörden zur Eindämmung des Virus? Hier ein bisschen, da ein bisschen - das ist zu wenig, viel zu wenig, wenn man endlich einmal - vielleicht das einzige Mal in der kompletten Amts- oder sogar Lebenszeit - vollen Einsatz zeigen müsste.

Die Verneinung des Offensichtlichen, nämlich dass man dem Virus mit herkömmlichen Mitteln und schlecht koordinierten, bestenfalls mäßig durchdachten und wenig erfolgreichen Einzelmaßnahmen nicht Herr werden wird, ist gefährlich. Niemand weiß, welche Kreise das Coronavirus noch ziehen wird, wie viele Menschen sich tatsächlich infizieren werden. Warum also warten, bis das Virus 400 Leute in Deutschland tötet, wie nun in Italien? Weltweit gehen schon jetzt rund 300 Millionen Kinder wegen des Coronavirus nicht zur Schule. In Deutschland schon - noch.

Wir müssen die Ausbreitung des Coronavirus jetzt eindämmen

Warum ergreift man nicht jetzt sofort "drastische" Maßnahmen - vernünftige Maßnahmen! - um den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten oder es zumindest mit allen Mitteln zu versuchen? Quasi über Nacht wurden in Kalifornien 53 Corona-Fälle registriert, es gab einen Toten, Kalifornien hat sofort den Notstand ausgerufen. In Israel wurden sämtliche Bildungseinrichtungen geschlossen und öffentliche Versammlungen verboten - 100.000 Menschen stehen dort unter häuslicher Quarantäne. Auch Japan hat konsequent gehandelt und alle Schulen für vier Wochen geschlossen. Und das bei rund 300 registrierten Fällen. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es aktuell 1139 gemeldete Infektionen, 256 davon in Bayern. Am 9. März 2020 wurden die ersten beiden Todesfälle in Deutschland gemeldet.

Schulen schließen, jetzt! Für mindestens zwei Wochen, solange ist die Inkubationszeit des Coronavirus - also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung, in der man allerdings schon ansteckend ist. Und alle lassen ihren Hintern einfach mal zuhause, es wird wohl 14 Tage ohne Konzerte, Events und Kneipenbesuch gehen. Oder ist das zu viel verlangt?

"Better safe than sorry", heißt es im Englischen so schön, also: "Lieber auf Nummer sicher gehen, als es später zu bereuen". Wer jetzt nicht konsequent durchgreift und effektive Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung einleitet, auch wenn sie eventuell "wirtschaftlichen Schaden" verursachen könnten, der wird es später bereuen. Wer jetzt nicht alles Menschenmögliche tut, um die Ausbreitung des Coronavirus maximal einzudämmen, geht auf volles Risiko.

Die einzig vernünftige Option: Schulen schließen, jetzt!

Täglich tauchen neue Coronavirus-Brandherde auf der Deutschlandkarte auf. Und das sind nur die offiziell erfassten Fälle, die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte zuletzt im Bundestag, dass der Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht sei. Zumindest damit dürfte Spahn Recht behalten - meiner Meinung nach steht die Ausbreitung des Virus in Deutschland noch ganz am Anfang. Tägliche aktuelle Fallzahlen und Todesfälle kann man auf der interaktiven Karte der John Hopkins Universität verfolgen. Wie viele Menschen werden sich anstecken? Niemand weiß es. Worauf warten wir dann noch? Wir müssen jetzt handeln.

Klingt das zu "drastisch"? Ich habe kleine Kinder zuhause, ich mache mir Sorgen. Ich habe auch einen alten Vater zuhause, der nicht mehr so fit ist, wie zu seinen besten Zeiten. Und wie mag es all den Menschen in Deutschland gehen, die chronisch krank sind, deren Immunsystem aus welchen Gründen auch immer geschwächt ist, den Krebspatienten, Lungenkranken und Asthmatikern? Sehen die das Ganze auch so locker, wie die zahllosen Verharmloser, die auf Facebook gerne ihre vermeintliche Aufgeklärtheit und Überlegenheit zum Ausdruck bringen? Schwer vorstellbar.

Vielleicht übertreibe ich ja. Vielleicht steigere ich mich völlig grundlos in eine unsinnige Coronavirus-Hysterie hinein. Vielleicht wäscht das Coronavirus über uns hinweg wie ein schlimmer Schnupfen, und in zwei oder drei Monaten ist alles wieder ok. Ich wünsche es mir von ganzem Herzen. Aber ich glaube es nicht.

Deshalb gibt es für mich nur eine vernünftige Handlungsoption: Schulen schließen. Jetzt!

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Autor Johannes Görz ist anderer Meinung: Über 300 Menschen in Deutschland sind bereits mit dem Coronavirus infiziert. Deshalb wird die Forderung nach "Corona-Ferien" laut: Das schreit nach Aktionismus - ein Kommentar.

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