Bis einschließlich 19. April 2020 gelten in Deutschland strikte Ausgangsbeschränkungen. Von einer klassischen Ausgangssperre kann man nicht sprechen, aber derweil ist es untersagt, die eigenen vier Wände ohne eine triftigen Grund zu verlassen.

Obwohl viele einen solchen Schritt angesichts der Corona-Pandemie für angebracht halten, ist manchen der Sinn und der Nutzen dahinter noch nicht ganz klar. Warum Ausgangsbeschränkungen sinnvoll sind oder warum sie es nicht sind, lesen Sie hier.

Virologe erklärt: Ausgangsbeschränkungen sind zeitverzögerte Maßnahmen

Der Bonner Virologe Professor Hendrick Streeck betonte in einem Interview mit dem WDR am 20. März 2020, dass er den wahrhaftigen Nutzen der Ausgangsbeschränkungen nicht hundertprozentig bestätigen könne. Streeck machte darauf aufmerksam, dass die Zeitverzögerung eine wichtige Rolle spiele. Denn es dauere bei frisch infizierten Personen mindestens zehn bis fünfzehn Tage, ehe sie die ersten Symptome zeigten. Daher sei die Frage, ob die Ausgangsbeschränkungen den erhofften Nutzen bringen, fragwürdig. Die Bundesregierung könne nur verzögert reagieren.

Die Ausgangsbeschränkungen hätten somit definitiv einen direkten Einfluss darauf, wie sich das Virus verbreite. Sie legten aber neben der Verbreitung des Covid-19-Erregers vor allem die Wirtschaft lahm. Und das nicht nur in Deutschland. Weltweit werde die Produktivität von Firmen heruntergeschraubt. Auch sei bereits bei vielen lokalen Produktionsunternehmen die Sorge groß, dass die Corona-Krise für sie das Ende bedeuten werde. Es fehle nicht nur an Produktion und Umsatz, sondern vor allem auch an Arbeitskräften.

Die Ausgangsbeschränkungen erwiesen sich somit aus erster Sicht als sinnvoller Vorteil im Kampf gegen das Virus. Und auch wenn man diesen mit einem hohen Preis erkaufe, könne er entscheidend dabei sein, die Pandemie zu besiegen. Allerdings müsse jedem klar sein, dass die Ausgangsbeschränkungen nur dann den gewünschten Effekt erzielten, wenn sich alle gleichermaßen daran hielten. Anderenfalls würden sie die Wirtschaft schädigen, sich aber nicht als hilfreich erweisen. Virologe Streeck sieht die Pandemie deswegen auch als Solidaritätstest, denn es gehe nicht darum, sich selbst zu schützen, sondern durch die eigene Vorsicht, anderen Schutz zu bieten.

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