Sars-CoV-2 ist ein Erreger, der die Welt in Atem hält - und Menschen buchstäblich den Atem raubt. Das Coronavirus greift insbesondere die menschliche Lunge an. Angaben der Johns Hopkins University sind bereits über 185.000 Menschen (Stand: 23. April 2020) an den Folgen einer solchen Erkrankung gestorben.

Doch Experten gehen davon aus, dass nicht nur die Lunge durch das Virus stark geschädigt wird. Auch andere Organe des Körpers sind der Gefahr ausgesetzt, dem Coronavirus zum Opfer zu fallen. Herz, Niere und Darm sind Expertenmeinungen zufolge einem erhöhten Risiko ausgesetzt und sogar das Gehirn bleibt von Covid-19 nicht verschont.

Gefahr einer Herzmuskelentzündung durch Coronavirus

Das Herz hat einem besonderen Stellenwert in unserem Körper. Wird es verletzt oder geschädigt, hat das dramatische Folgen. Doch auch davor macht das Coronavirus keinen Halt - umso größer werden die Probleme, wenn Patienten ohnehin an Vorerkrankungen des Herzens leiden. Aus einer Pressekonferenz des Science Media Center, an der vier Experten Auskunft über das Coronavirus und dessen Einfluss auf das Herz gaben, geht hervor, dass Menschen mit einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems ein erhöhtes Risiko haben, an einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu sterben.

Auch Bluthochdruck könnte demnach ein Risikofaktor sein. Offen bleibt in diesem Zusammenhang die Frage, ob das auch für Patienten gelte, deren Blutdruck medikamentös auf dem Normalwert gehalten werde. Ob die Einnahme von ACE-Hemmern zur Senkung des Blutdrucks für einen schlimmeren Verlauf der Krankheit sorge, ist ebenso wenig bekannt. Dies bleibe jedoch ein wichtiger Punkt der Forschung, schließlich werden ACE-Hemmer allein in Deutschland rund 16 Millionen mal täglich eingenommen, erklärt Thomas Eschenhagen, Vorstandssprecher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung.

Auffällig sei allerdings, dass mittlerweile schwerwiegende Entwicklungen einer Covid-19 Erkrankung, wie etwa Herzmuskelentzündungen, auch bei Patienten vorkommen, die wohl keine kardiovaskulären Vorerkrankungen haben, so Steffen Massberg, Direktor der medizinischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. 

Enzym ACE2 erleichtert Coronavirus Zugang zu Organen

Es wird außerdem angenommen, dass Coronaviren über das Blut oder Lymphsystem den Weg zum Herzen finden und sich dort im Gewebe ausbreiten. Durch Lungenentzündungen wird das Herz zusätzlich stark belastet - und solch eine Pneumonie, wie sie in Fachsprache genannt wird, ensteht häufiger durch eine Coronavirus-Erkrankung.

Steffen Massberg vermutet, dass ein Viertel bis ein Fünftel der stationären Covid-19-Patienten sogenannte Myokardmarker im Blut haben. Solche Marker deuten auf Schädigungen der Muskelschicht des Herzens hin. Es müsse jedoch noch herausgefunden werden, ob das ein direkter Effekt des Virus auf das Herz oder "nur ein Ausdruck einer insgesamt gravierenden Beeinträchtigung verschiedener Organsysteme" sei.

Eine Herzmuskelentzündung aufgrund des Coronavirus ist jedoch grundsätzlich nicht undenkbar gewesen, schließlich ist das auch bei einer Influenza-Erkrankung oder bei bakteriellen Entzündungen möglich. Der Pharmazeutischen Zeitung zufolge könnte das Enzym ACE2 dem Coronavirus einen Angriff auf das Herz erleichtern und dem Erreger als Andockstelle dienen. ACE2 tritt vor allem in der Lunge als auch im Herzen auf, aber auch in anderen Bereichen des Körpers. Es fungiert als Rezeptor und erleichtert es Covid-19, die menschlichen Organe zu befallen.

Einnahme von ACE-Hemmern bei Corona-Infektion möglicherweise gefährlich

Auch aus diesem Grund wird aktuell die Gefahr der Einnahme von ACE-Hemmern viel diskutiert. Wie aus der Studie eines Forscherteams der Goethe-Universität Frankfurt hervorgeht, scheint sich der Verdacht zu bestätigen: Patienten, die mit ACE-Hemmern behandelt wurden, wiesen einen erhöhten Wert an Rezeptoren auf, welche leicht empfänglich für Viren sind. Dennoch seien die Ergebnisse nicht eindeutig und es werde davor gewarnt, dass Patienten, die ACE-Hemmer einnehmen, diese nicht aus Angst eigenmächtig absetzen sollen. Der Rezeptor sitzt auch in großer Zahl auf den Zellen des Darms, was erklärt, wieso Infizierte oft über Durchfall und Übelkeit klagen. Eine weitere gefährliche Folge einer Coronavirus-Erkrankung ist eine mögliche Schädigung des Nervensystems. Sogar Schlaganfälle und plötzliche Atemstillstände sind durchaus im Bereich des Möglichen.

Nierenschäden bei vielen Covid-19-Patienten

Wie die Washington Post berichtet, waren bei etwa der Hälfte der Corona-Patienten in New Yorker Krankenhäusern Nierenschäden festgestellt werden - und das bereits frühzeitig. Auch die New York Times bestätigt viele Fälle von Nierenversagen. Demnach hätten 20 bis 40 Prozent der Patienten in den dortigen Kliniken damit zu kämpfen gehabt. Auch bei der Niere seien sich Experten noch uneinig, ob das Versagen tatsächlich ein direkter Effekt des Virus sei, oder ob nicht der schlechte Allgemeinzustand diese Probleme hervorrufe. Unstrittig ist jedoch, dass Menschen mit Nierenproblemen ein erhöhtes Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes durch Covid-19 haben.

Doch auch bei einem mildem Krankheitsverlauf kann das Coronavirus schwerwiegende Langzeitschäden verursachen. Befürchtet wird, dass eine Lungenfibrose ausgelöst werden kann. Durch eingeatmete Schadstoffe, aber eben auch durch eine Infektion, können sich Bindegewebszellen vermehren, was zu einer Verhärtung der Lunge führt. Allerdings sei auch das noch nicht definitiv bewiesen, erklärt Steffen Massberg.

Massive Veränderungen der Lunge: Taucher besonders gefährdet

Der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge haben Ärzte der Universitätsklinik Innsbruck extrem starke Veränderungen der Lunge festgestellt - bei Patienten, die eigentlich wieder genesen waren. Es handelte sich bei keinem der untersuchten Fälle um besonders schwerwiegende Erkrankungen, die vorausgegangen waren. Untersucht wurden die betroffenen Personen etwa fünf bis sechs Wochen nach ihrer Erkrankung - unter ihnen befanden sich auch sechs aktive Taucher. 

Der Mediziner Frank Hartig von der Uniklinik Innsbruck zeigte sich entsetzt über die Ergebnisse. Es werde befürchtet, dass die Schäden dauerhaft seien. Der Anblick der Befunde ließe zumindest darauf schließen. "Das ist schockierend, wir verstehen nicht, was hier gerade passiert", erklärt er gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Für Taucher könnte ein solcher Verlauf eine Hiobsbotschaft sein - denn das Tauchen wird durch eine so starke Schädigung der Lunge wohl nie mehr möglich sein.

Das Coronavirus bleibt weiterhin unberechenbar. Vielen Experten zufolge gibt es unzählige Angriffsflächen im menschlichen Körper. Inwiefern Covid-19 jeweils der Hauptauslöser ist, wird sich in Zukunft noch zeigen. Fest steht aber: Solange kein Impfstoff gefunden ist, müssen viele Menschen gegen den Erreger ankämpfen und tragen dadurch schwere Schäden in vielen Bereichen des Körpers davon.