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Covid-19-Erreger

Wo die Ansteckungsgefahr am größten ist

Ob man sich mit dem Coronavirus ansteckt, hängt stark davon ab, wo man sich mit wie vielen Menschen aufhält: Ein Überblick der aktuellen Forschung.
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Coronavirus - Italien
Das Risiko sich mit dem Coronavirus "Sars-CoV-2" hängt stark vom Aufenthaltsort ab. Symbolfoto: Evandro Inetti/dpa/ZUMA Wire

Das Risiko, Überträger des Coronavirus "Sars-CoV-2" zu sein, ist in alltäglichen Situation unterschiedlich hoch. Entscheidender Faktor dabei ist die Virenmenge. Die Forschung beschäftigt sich nun damit, unter welchen Bedingungen die Coronaviren-Dosis hoch ist. 

In sogenannten "Kontakt-Verfolgungsstudien" untersuchen Wissenschaftler, für wie viele Menschen ein Corona-Infizierter zur Kontaktperson zählt und wie viele er angesteckt haben könnte. Was wenig überrascht, ist die Tatsache, dass insbesondere länger dauernde, enge Kontakte mit "Sars-CoV-2"-Infizierten ein hohes Ansteckungsrisiko bergen. Vor allem in geschlossenen Räumen ist das der Fall. Darüber berichtet unter anderem der Spiegel

Corona-Ansteckung: Wo ist es am gefährlichsten?

Eine Virologin von der "Universität St. Andrews" in Schottland hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Überblick der aktuellen Forschung zu geben. Muge Cevik berichtet davon in regelmäßigen Abständen auf Twitter.

Daraus geht unter anderem hervor, dass chinesische Wissenschaftler in einer Studie 2147 enge Kontakte von insgesamt 157 Coronavirus-Infizierten analysiert haben. Das Ergebnis: Die Betroffenen steckten sechs Prozent ihrer Kontaktpersonen an. Die Risikoweitergabe der Viren variiert allerdings stark. Wer beispielsweise im selben Haushalt lebte, wies ein deutlich höheres Risiko auf, sich anzustecken - im Durchschnitt um 18 bis 22 Prozent. 

Dieses Risiko herrschte an speziellen Orten: Angaben der Studienautoren zufolge zählten Haushalte, wie Wohnungen (13 Prozent) und Transportmittel, wie U-Bahnen, Busse oder Autos (elf Prozent) dazu. Dieses Bild bestätigen weitere Forscher aus China. Sie kommen in einer Studie zu noch höheren Prozentzahlen bezüglich der Ansteckungsorte und höheren Werten bezüglich des Kontaktrisikos. 

Im familiären Kontext ist besonders eine Personengruppe gefährdet: die Ehepartner. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von einem Zusammenschluss internationaler Forscher erarbeitet wurde. In deren Untersuchungen infizierten sich drei von zehn (28 Prozent) Lebenspartnern mit dem Coronavirus. Damit trägt der Partner ein deutlich höheres Infektionsrisiko als Familienmitglieder im generellen (16 Prozent).

Bei intensivem Kontakt zwischen Menschen habe es das Virus leicht sich auszubreiten, erklärt Virologin Cevik gegenüber bloomberg.comIn Menschengruppen ist das Infektionsrisiko somit am höchsten. Mit dieser Erkenntnis wurden beispielsweise die Corona-Beschränkungen in Deutschland begründet. Obwohl mittlerweile einige Lockerungen vollzogen wurden, sorgt insbesondere eine kleine gesellschaftliche Gruppe dafür, dass Infizierte im Durchschnitt zwei bis drei Menschen anstecken. Sogenannte "Superspreader", die sich an öffentlichen Plätzen mit vielen Menschen aufhalten, geben dem Coronavirus so die Chance, weiterhin zu kursieren. Die in Geschäften eingeführte Mundschutz- und Schutzmaskenpflicht dämmt das Risiko allerdings ein. 

Neben dem Haushalt und Transportmitteln, gilt an einem weiteren Ort gebotene Vorsicht: im Fitnessstudio. Laut aktuellem Stand hat die breite Masse der Studios noch nicht wieder geöffnet. Lediglich einzelne Betriebe bieten bereits wieder Kurse an. Untersuchungen aus Südkorea zeigen, wie schnell sich Menschen in einem solchen Umfeld mit "Sars-CoV-2" infizieren können. Dort waren zwölf Fitnessstudios von Infektionen betroffen, nachdem sich das Virus bei einem Trainer-Workshop verbreitet hatte. 26 Prozent der Trainierenden zeigte anschließend Corona-Symptome. Auch in diesem Fall zeigt sich: Enger Kontakt mit Infizierten ist entscheidend. In einem im Fitnessstudio angebotenen Tanzkurs steckten sich rund 60 Prozent der Teilnehmer an. Im Vergleich dazu gab es in einem Pilates-Kurs keinerlei Infektionen.

"Wir nehmen an, dass die geringere Intensität von Pilates und Yoga nicht die gleichen Übertragungseffekte auslöste wie die der intensiveren Fitness-Tanzkurse", berichten die südkoreanischen Forscher.

Fazit: Dieses wissenschaftliche Feld ist logischerweise noch nicht abschließend untersucht. Allerdings bietet der aktuelle Forschungsstand einen groben Überblick, wo das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus am größten ist.