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Arbeitsrecht

Coronavirus: Darf mein Chef mir meine Urlaubsreise verbieten? Ein Anwalt klärt auf

Auch in Deutschland ist das Coronavirus mittlerweile angekommen. Immer mehr Menschen machen sich Sorgen - nicht zuletzt um ihren Job. Alle wichtigen Informationen zum Thema Coronavirus für den Arbeitnehmer finden Sie hier, auf inFranken.de.
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Das Coronavirus könnte sich auch in Deutschland breit machen. Viele Arbeitnehmer sind besorgt. Symbolfoto:  pixabay.com/leo2014
Das Coronavirus könnte sich auch in Deutschland breit machen. Viele Arbeitnehmer sind besorgt. Symbolfoto: pixabay.com/leo2014

Das Coronavirus schreitet immer weiter voran. Nach den ersten Fällen in Italien ist das Virus nun auch in Deutschland angekommen: In Bayern gab es mehrere Vorfälle, in Nordrhein-Westfalen konnte bei einer Kindergärtnerin eine Infektion festgestellt werden. Die Meldungen häufen sich.

Welche Auswirkungen das Coronavirus auch auf die Wirtschaft haben kann, zeigen die jüngsten Ereignisse in Italien. Ganze Fabriken stehen still, Unternehmen machen dicht, sämtliche Mitarbeiter bleiben zuhause: Eine wirtschaftliche Katastrophe.

Auch wenn das Virus in Deutschland noch weniger verbreitet ist, wächst die Unruhe. Gerade Arbeitnehmer wissen nicht, wie sie sich im Krankheitsfall verhalten sollen. Alle wichtigen Informationen rund um das Thema Corona am Arbeitsplatz finden Sie hier.

Coronavirus am Arbeitsplatz: Wie kann ich mich als Arbeitnehmer schützen?

Viele Arbeitnehmer haben Angst vor einer potenziellen Infektion. Gerade in Büros - enge Räume mit vielen Menschen - scheint die Ansteckungsgefahr besonders hoch zu sein. Wer allerdings als Vorsichtsmaßnahme daheim bleiben möchte, um einer Infektion aus dem Weg zu gehen, der wird leider enttäuscht. "Eine reine Befürchtung vor Ansteckung reicht nicht aus", erklärt Till Bender, Rechtsschutzsekretär beim "Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)" gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). In Einzelfällen können Unternehmen allerdings ihre Mitarbeitern ins Home-Office schicken, um einer Erkrankung vorzubeugen.

Wer am Arbeitsplatz in direkten Kontakt mit einem Coronavirus-Erkrankten gerät, der sollte über den richtigen Umgang bescheid wissen. Bisher sind die möglichen Übertragungsformen des Virus noch nicht zuverlässig geklärt. Das "Robert-Koch-Institut (RKI)" rät deshalb zu der Verwendung von Schutzkitteln, Einwegschürzen, Einweghandschuhen, professionellen Atemmasken und Schutzbrillen.

Schutz vor dem Coronavirus: Was kann der Arbeitgeber tun?

Wie kann man sich als Arbeitnehmer sonst vor einer Erkrankung schützen? "Grundsätzlich hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Verletzungs- und Erkrankungsrisiken im Betrieb so gering wie möglich sind", sagt Bender. In welcher Ausprägung dies geschieht ist abhängig vom Unternehmen. Für die Hygienemaßnahmen ist jedes Unternehmen selbst zuständig. Diese reichen von regelmäßigem Desinfizieren bis zum Tragen eines Mundschutzes.

Sollte es tatsächlich zu der Infektion eines Arbeitnehmers kommen, so ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, den betroffenen Mitarbeiter nach Hause zu schicken. "Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter und somit auch für die nicht infizierten Kollegen. Arbeitgeber können in diesem Fall eine Tätigkeit im Homeoffice anweisen oder, sollte dies nicht möglich sein, den infizierten Arbeitnehmer freistellen", teilte Rechtsexperte Prof. Dr. Simon A. Fischer von der SRH Fernhochschule gegenüber inFranken.de mit. Da dies als Krankmeldung gilt, erhält der Arbeitnehmer weiterhin seinen Lohn. Ab dem dritten Tag tritt allerdings die ärztliche Attestpflicht in Kraft.

Coronavirus: Was passiert, wenn mein Arbeitsplatz betroffen ist?

"Der Arbeitgeber hat kein Recht darauf zu erfahren, woran ein Arbeitnehmer erkrankt ist", erklärt Bender dem RND. Dennoch wird es kaum schwierig sein, herauszufinden, ob ein Kollege am Coronavirus erkrankt ist, da die Krankheit meldepflichtig ist. Sobald das zuständige Gesundheitsamt von der Infektion erfährt, werden die notwendigen Schritte eingeleitet: Unter anderem eine Information des Arbeitgebers darüber, dass möglicherweise Maßnahmen für die restliche Belegschaft notwendig sind, zählt dazu.

Sollte es soweit kommen, dass der Betrieb eingestellt werden muss, so hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Seinen Urlaub müsse man dafür jedoch nicht opfer, versichert Rechtsexperte Fischer. Dies bestätigte auch ein Sprecher des "Bundesministeriums für Arbeit und Soziales" gegenüber dem RND: "Die ausgefallenen Arbeitszeiten müssen grundsätzlich nicht nachgearbeitet werden. Im Hinblick auf die Entgeltfortzahlung gilt, dass der Arbeitgeber grundsätzlich weiter zur Entgeltzahlung verpflichtet bleibt, wenn die Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, aber der Arbeitgeber sie aus Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen."

Verreisen trotz Coronavirus-Gefahr: Darf mein Arbeitgeber meinen Urlaub verbieten?

Grundsätzlich steht es jedem Arbeitnehmer zu, sein Urlaubsziel frei zu wählen. Auf die Urlaubsplanung hat der Arbeitgeber keinen Einfluss: "Die Urlaubsplanung ist reine Privatsache", erklärt Ulf Weigelt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, gegenüber der Zeit. Selbst wenn das Auswärtige Amt für ein bestimmtes Reiseziel eine Reisewarnung ausgesprochen hat, kann der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter eine Reise dorthin nicht verbieten. "Sie würden damit schlichtweg in das Persönlichkeitsrecht Ihres Arbeitnehmers eingreifen", erläutert Weigelt.

Einem Unternehmen steht es jedoch zu, gegenüber seinen Mitarbeitern eine Urlaubssperre zu verhängen. Dazu müssen allerdings "dringende betriebliche Gründe" vorliegen. Solche Gründe bestehen nur dann, wenn die betriebliche Organisation oder die technischen Arbeitsabläufe durch den Urlaub gefährdet werden würden. "Im Klartext: Liegen in Saison- und Kampagnebetrieben personelle Engpässe vor, treten plötzlich Produktionsnachfragen auf, muss ein Auftrag fristgerecht erfüllt werden oder tritt aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle ein personeller Engpass auf, darf der Arbeitgeber Ihnen den Urlaub zu Ihrem Wunschtermin verweigern. Es kommt aber immer auf den individuellen Einzelfall an", so Weigelt gegenüber der Zeit.

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