Madrid
Corona-Infektion

Hinweis auf Infektion oder schmerzhafte Folgeerscheinung? Was hinter den "Corona-Zehen" steckt

Spanische Dermatologen haben aus einer Studie einige neue Erkenntnisse gewonnen. Demnach deuten bestimmte Hautveränderungen auf eine Infektion mit dem Coronavirus hin - unter anderem auch "Corona-Zehen".
 
Corona-Zehen können sowohl ein Hinweis auf eine Infektion, als auch eine Folgeerscheinung sein.
"Corona-Zehen" können sowohl ein Hinweis auf eine Infektion, als auch eine Folgeerscheinung sein. Foto: StockSnap / pixabay.com
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  • "Corona-Zehen": Hinweis auf Infektion
  • Auch mögliche Folgeerscheinung von Corona
  • Dermatologen haben Studie veröffentlicht

Halsschmerzen, Husten, Fieber und "Corona-Zehen": Eine Infektion mit dem Coronavirus kann sich durch zahlreiche Symptome bemerkbar machen. Ja - auch Hautveränderungen besonders an den Füßen können während oder nach einer Corona-Infektion entstehen. Die Dermatologinnen Cristina Galván Casas vom Hospital Universitario de Móstoles in Madrid und Alba Català vom Hospital Plató in Barcelona untersuchten nun gemeinsam mit ihren Kollegen Hautveränderungen, für die es keine Erklärung gab.

"Corona-Zehen" können während oder nach einer Corona-Infektion entstehen

In der Studie nahmen 375 Menschen aus ganz Spanien teil, die alle entweder eine wahrscheinliche oder bestätigte Infektion mit SARS-CoV-2 hinter sich hatten. Dabei konnten anhand der Analyse von Fotos und ärztlichen Befunden fünf klinische Muster von Hauterkrankungen entdeckt werden - einige davon wurden auch schon von anderen Medizinern und Wissenschaftlern beschrieben.

1. Muster: Pseudo-Frostbeulen

Rötliche bis violette Schwellungen zeigten sich bei 19 Prozent der Patienten. Die teilweise mit Pusteln und Bläschen aufgetretenen Hautveränderungen glichen optisch Frostbeulen, weshalb sie von den Medizinern als "Pseudo-Frostbeulen" bezeichnet wurden. Unter US-amerikanischen Dermatologen wird schon die Aufnahme von "Corona-Zehen" in die Liste der Corona-Symptome diskutiert. Ärzte aus Italien nannten das Phänomen gar eine „Epidemie“ von Hautläsionen, die vor allem Kinder und junge Erwachsene betrifft.

"Corona-Zehen" vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen festgestellt

Das liegt daran, dass offenbar vor allem junge Patienten davon betroffen sind, die eigentlich kaum Symptome und einen milden Verlauf vorweisen. Ein Drittel der betroffenen spanischen Patienten aus der Untersuchung gaben an, diese Hautirritationen als juckend oder schmerzhaft zu empfinden. Außerdem traten diese Hautveränderungen erst im späteren Krankheitsverlauf auf.

Wie der Focus berichtet, haben Experten in Deutschland bisher keine nennenswerte Steigerung von ungewöhnlichen Hautproblemen festgestellt, die auf eine Infektion mit dem Coronavirus schließen lassen könnten. Das hängt wohl vor allem damit zusammen, dass sich die Menschen hierzulande sehr vorsichtig verhalten, wenn es darum geht, einen Arzt aufzusuchen - denn eine unnötige Ansteckung soll vermieden werden.

Der Dermatologe Uwe Kirschner vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen hält es jedoch für möglich, dass die Pseudo-Frostbeulen im Zusammenhang mit Covid-19 stehen. "Die vermuteten Pathomechanismen würden passen und es kann durchaus sein, dass so ein relativ seltenes Phänomen gehäuft auftritt bei einem neuen Erreger", wird Kirschner vom Focus zitiert.

Bläschen auf der Haut verschwinden nach 12 bis 20 Tagen

Wie häufig solche Hautprobleme auftreten, könne im Moment aber noch nicht gesagt werden. Kirschner zufolge lassen sich Frostbeulen im Normalfall mit steroidhaltigen Cremes und Salben behandeln. Doch auch ohne Behandlung sollten die Hautveränderungen nach zwölf bis 20 Tagen wieder verschwinden.

2. Muster: Bläschenartige Ausbrüche

Andere bläschenartige Veränderungen zeigten sich bei neun Prozent der Untersuchten, die dies als mittelschweren Krankheitsverlauf wahrnahmen. Diese traten meist im Anfangsstadium einer Covid-19-Erkrankung auf und betrafen vor allem Menschen mittleren Alters.

Interessant: Bei 15 Prozent dieser Fälle traten die juckenden Hautirritationen bereits vor anderen Symptomen auf. Die kleinen Bläschen ähneln Windpocken. Sie sind meist mit Blut gefüllt, vergrößerten sich und  breiteten sich aus. Sie traten hauptsächlich am Rumpf und an den Gliedmaßen auf. Die nachfolgenden Auffälligkeiten wurden allesamt zusammen mit anderen typischen Corona-Symptomen wie Husten oder Fieber festgestellt.

3. Muster: Quaddeln

Quaddeln, also rote, juckende und leicht erhobene Stellen auf der Haut, traten bei 19 Prozent der Patienten auf. Diese sogenannten urtikarielle Läsionen machten sich überwiegend am Rumpf, aber auch an den Handinnenflächen bemerkbar.

4. Muster: Schuppen und Rötungen

Ähnlich wie Quaddeln zeichnen sich Schuppen und Rötungen durch Juckreiz aus. Bei den Patienten konnten unterschiedlich ausgeprägte Schuppungen und punktförmige oder großflächige Rötungen auf der Haut beobachtet werden. Das 3. und 4. Muster haben etwas gemeinsam: Die Symptome hielten nicht so lange an wie etwa die Pseudo-Frostbeulen und verschwanden nach relativ kurzer Zeit wieder. Allerdings hingen sie mit einem schweren Krankheitsverlauf zusammen.

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Dennoch weisen die Dermatologen darauf hin, dass Corona-Patienten mit einem schweren Verlaufe mehr Medikamente bekommen hätten als solche mit einem milden Verlauf. Deshalb könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Hautreaktionen nicht doch auf Nebenwirkungen zurückzuführen seien.

5. Muster: Nekrose

Das Symptom einer Nekrose wurde von den Medizinern mit einem sehr schweren Krankheitsverlauf assoziiert. Sechs Prozent der Teilnehmer an der spanischen Studie hatten demnach mit unterschiedlich schweren Hautproblemen zu kämpfen, die durch mangelnde Blutversorgung hervorgerufen wurden.

Besonders in den Bereichen des Rumpfes, der Fingern und Zehen, sowie um Nase, Mund und Ohr konnten solche Veränderungen - zumeist bei älteren Patienten - festgestellt werden. Ob und wie intensiv die beschriebenen Hautveränderungen tatsächlich auf eine Covid-19 Erkrankung zurückzuführen sind, müsse laut den spanischen Dermatologen noch geklärt werden.

Es wäre auch denkbar, dass eine Koinfektion dafür verantwortlich sei. Doch gerade Pseudo-Frostbeulen und bläschenartige Hautirritationen seien den Medizinern zufolge ernst zunehmende Hinweise auf eine Coronavirus-Infektion.

Wann wird zu einem Arztbesuch geraten?

"Immer, wenn zu solchen Hautveränderungen schwere Begleiterscheinungen, wie Fieber, allgemeine körperliche Schwäche etc, auftreten", solle am besten ein Arzt aufgesucht werden, wird Kirschner im Focus zitiert. Da solche Begleiterscheinungen auch bei der gefährlichen Krankheit Meningokokken-Sepsis vorkommen, sei ein Besuch beim Arzt mit solchen Symptomen ohnehin ratsam.

Wie die New York Times berichtet, gibt es in den USA Berichte über Kinder, die zusätzlich zu anderen Symptomen an einem Hautausschlag leiden. Verantwortlich sein soll dafür das Kawasaki-Syndrom. Bei den meisten betroffenen Patienten wurden in einer Untersuchung das Coronavirus oder Corona-Antikörper entdeckt. Auch Forscher aus Großbritannien fürchten um die Sicherheit der Kinder, demnach könne es zu teils schweren Verläufen bei Kindern kommen, deren körpereigenes Immunsystem im Zusammenhang mit Covid-19 überreagiert.

Unter dem Kawasaki-Syndrom wird eine sehr selten auftretende Entzündung der kleinen und mittelgroßen Blutgefäße verstanden. Durch die große Präsenz dieser Teilchen im Körper können grundsätzlich alle Organe erkranken. Besonders gefährdet sind jedoch Haut, Schleimhäute und Lymphknoten.

Woran lassen sich diese Hautsymptome erkennen?

"Das häufigste und auch sehr eindrucksvolle Symptom sind immer die geschwollenen, tiefroten Lippen sowie die Erdbeeren- oder Lackzunge", erklärt Uwe Kirschner. Hinzu kommen:

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  • Lymphknotenschwellungen
  • Entzündung der Bindehaut im Auge
  • Hautausschläge (erinnern an Masern oder Scharlach)
  • Purpura Schoenlein-Hennoch (stecknadelkopfgroße mehrfache Einblutungen, meist an herabhängenden Körperpartien)
  • Schwellungen der Hände und Füße (mit Abschuppungen beim Abschwellen)
  • Schwellung der Halslymphknoten

Unterscheidung von Kawasaki-Syndrom mit Hyperinflammationssyndrom

Kinderärzte unterscheiden mittlerweile das typische Kawasaki-Syndrom vom Entzündungssyndrom im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Das geht aus einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) hervor. 

Sogenannte Hyperinflammationssyndrome, also schwere, außer Kontrolle geratene Entzündungsreaktionen, treten relativ selten auf und waren bei Kindern auch schon vor der Coronavirus-Pandemie bekannt. Ausgelöst werden können solche Reaktionen durch unterschiedliche Erkrankungen, vor allem aber durch Viren und Bakterien. Im Hinblick auf Covid-19 wurden als entsprechende Symptome Gefäßentzündungen an Fingern und Zehen genannt. Diese seien laut den Experten jedoch mit Kortison oder anderen Immunsuppressiva und Immunglobulinen gut zu behandeln.

Patienten mit Kawasaki- oder Hyperinflammationssyndrom würden aber ohnehin gut behandelt werden. Ziel sei es, Fieber und die entzündungsfördernden Prozesse zu kontrollieren, erklärt Kirschner gegenüber dem Focus. "Außerdem muss immer auch abgeklärt werden, dass Herzkranzgefäße, Lunge und andere innere Organe nicht betroffen sind bzw. nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Aufgrund der genannten Behandlung, verschwinden dann auch die Hautsymptome."

Hyperinflammationssyndrom ist selten - Experten fordern Schutz für Kinder

In der Stellungnahme fordern Experten, dass Kinderärzte den genannten Symptomen eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken sollen. Dies würde bereits in den USA und Großbritannien so gehandhabt werden. Wie Alexander Kekulé in seinem Podcast beim MDR erklärt, seien dort schon landesweite Warnungen herausgegeben worden. "Auch das Robert-Koch-Institut sollte darauf hinweisen, dass diese seltene Krankheit beobachtet werden sollte – gerade, wenn wir jetzt die Schulen wieder aufmachen", ergänzt der Virologe.

Kinderärzte, die bisher kaum mit solchen Krankheitsbildern in Kontakt waren, müssen darauf hingewiesen werden. Kekulé gehe jedoch nicht davon aus, dass es in Deutschland sehr viele solcher Fälle geben wird. Und diese Einschätzung teilen auch die Mediziner der DGPI und der DGPK: "Die absoluten Fallzahlen sind sehr gering und sollen daher zu keiner generellen Sorge der Eltern führen."

 

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