Berlin
Corona-Test für Zuhause

Corona-Schnelltest für zuhause: Wann sind die Tests in Deutschland verfügbar?

Bislang sind Corona-Schnelltests überwiegend bei Pflegepersonal zum Einsatz gekommen. Nun plant das Gesundheitsministerium, einfache Selbsttests für zu Hause zu ermöglichen.
Mit neuen Corona-Schnelltests soll jeder selbst überprüfen können, ob er Corona-positiv ist.  Foto: Sina Schuldt
Mit neuen Corona-Schnelltests soll jeder selbst überprüfen können, ob er Corona-positiv ist. Foto: Sina Schuldt Foto: Sina Schuldt/dpa (Archivbild)
  • Neue Corona-Schnelltests sollen privat einsetzbar sein
  • Bislang dürfen Tests nur von geschultem Personal durchgeführt werden
  • Spuck- und Gurgeltest schon in Österreich eingesetzt
  • Noch keine Zulassung in Deutschland 
  • Gesundheitspolitiker Lauterbach für Anwendung der Tests in Betrieben 

Neben der Impfkampagne setzt das Bundesgesundheitsministerium künftig auch darauf, dass die Bürger sich selbst auf Corona testen. Wie am Montag (25. Januar 2021) bekannt wurde, möchte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon bald Corona-Schnelltests für zu Hause ermöglichen. Dafür soll es bald entsprechende Selbsttests in der Apotheke geben. 

Corona-Schnelltests sollen auch zu Hause einsetzbar sein

In den Apotheken gibt es wahrscheinlich bald auch Corona-Selbsttests für zu Hause. Nach positiven Signalen aus dem Bundesgesundheitsministerium streben die Hersteller eine zügige Zulassung an.

Konkret handelt es dabei um neu zugelassene Antigen-Schnelltests. Die Methode entspricht der von bisherigen Schnelltests: Anhand bestimmter Virusproteine wird über einen Teststreifen eine Infektion nachgewiesen. Dazu braucht es einen Abstrich aus der Nase oder des Speichels.

Die bilang eingesetzten Schnelltests verlangen einen Abstrich mit einem langen Stäbchen tief in der Nase oder im Rachen. Außerdem dürfen diese Tests nicht an Privatleute verkauft werden und sollen von geschultem Personal gemacht werden. Bei den neuen Selbsttests sind verschiedene Produkte im Gespräch: Zum einen sogenannte Gurgel- und Spucktests, die teilweise schon in Österreich zum Einsatz kommen, sowie auch Tests, bei denen Abstriche in der Nase viel weiter vorn entnommen werden.

Gurgel- und Spucktest in Österreich bereits im Einsatz - so funktionieren sie

Die Gurgel- und Spucktests werden bereits in Österreichs Hauptstadt Wien eingesetzt. Beschäftigte an Schulen und Kitas können den Test einmal pro Woche zu Hause machen. Die Testkits werden über die Schulen und Kitas verteilt - die Proben werden dann abgeholt und im Labor untersucht. Die Teilnehmer bekommen das Ergebnis auf ihr Handy.

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Beim Gurgeltest wird mit einer speziellen Flüssigkeit eine halbe bis eine Minute gegurgelt, um Partikel aus dem Rachen zu lösen. Danach kommt alles in ein Proberöhrchen und die Probe wird untersucht.

In einer Pilotstudie im vergangenen Frühjahr mit mehr als 5000 Schülern und Lehrern in Wien hatte das Gurgeln nach Angaben des Mikrobiologen und Studienleiters Michael Wagner von der Universität Wien vergleichbare Ergebnisse wie der Rachenabstrich geliefert.

Wie aussagekräftig sind die Tests?

Die Berliner Charité hatte im Herbst zusammen mit der Uniklinik Heidelberg untersucht, wie sich rund 150 Corona-Verdachtspatienten beim Umgang mit einem noch nicht auf dem Markt erhältlichen Selbsttest samt Anleitung geschlagen haben.

Der Tupfer musste im vorderen Nasenbereich in zwei bis drei Zentimetern Tiefe für 15 Sekunden in kreisenden Bewegungen an den Innenwänden der Nase entlanggeführt werden.

Beobachtet wurden laut Charité-Professor Frank Mockenhaupt nur minimale Unterschiede zwischen Selbsttest und Test mit tiefem Nasenabstrich durch einen Profi. Beim Selbsttest wurden laut der Studie 33 von 40 Infizierten erkannt, beim Einsatz von Fachpersonal waren es 34.

Eigentests müssen vor Verkauf eine Zulassung erhalten

Eigentests - zum Beispiel auch Blutzuckertests für Diabetiker - müssen in Deutschland ein spezielles Prüfverfahren etwa mithilfe des TÜVs oder der Dekra durchlaufen. Das soll garantieren, dass sie wirklich für jeden Laien leicht anwendbar sind. Das reicht von der Verständlichkeit der Verpackungsbeilage bis hin zu den Materialien.

Außerdem muss "die Ergebnisqualität unter diesen Anwendungsbedingungen sichergestellt" sein, wie es vom Bundesgesundheitsministerium weiter heißt - also die Testergebnisse müssen aussagekräftig sein. Nachdem klar ist, dass das Ministerium den Weg für die Selbsttests frei machen will, könnten die Unternehmen nun mit Hochdruck an der Zulassung solcher Tests arbeiten, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Diagnostica-Industrie, Martin Walger.

Bis es mit den Tests so weit sei, werde es aber "ein paar Wochen" dauern. Seinen Angaben zufolge ist es denkbar, dass neben Gurgeltests auch die jetzigen Schnelltests mit den langen Stäbchen eine Zulassung für den Privatgebrauch bekommen.

Wie viel Sicherheit könnten die Selbsttests geben? 

Experten weisen auch bei den herkömmlichen Schnelltests darauf hin, dass sie immer nur eine Momentaufnahme sein können und vor allem bei Menschen mit hoher "Viruslast" gut anschlagen. Ein negativer Test muss nicht heißen, dass man das Virus nicht schon in sich trägt.

Mit Blick auf die künftigen Selbsttests heißt es von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, auf jeden positiven Test zu Hause solle ein sofortiger Anruf beim Hausarzt oder Gesundheitsamt erfolgen.

"Nur ein PCR-Test vom Labor kann das Ergebnis des Schnelltests sicher bestätigen und damit das Infektionsgeschehen präzise abbilden."

Lauterbach plädiert für Einsatz der Tests am Arbeitsplatz

Auch auf der Arbeit könnten die Tests ein wichtiges Instrument werden: "Es wäre die sinnvollste Strategie, dass im Sinne des Arbeitsschutzes in den Betrieben zweimal in der Woche bei jedem Mitarbeiter, der nicht im Homeoffice ist, ein Antigen-Schnelltest machen würde", sagt SPD-Gesundheitspolitiker im Gespräch mit der F.A.Z

Seine Meinung basiert auf diversen Studien, die "ganz klar" zeigen: "Wenn man die Belegschaften der Betriebe zweimal pro Woche mit einem Antigentest sozusagen bei Beginn der Arbeit testen würde [...], dann würde man massiv die Zahl der Neuinfektionen senken können", so Lauterbach in einem Interview mit RTL.

Gerade im Zusammenhang mit den geplanten Gurgel- und Spucktests könnte diese Maßnahme konkret Formen annehmen. Lauterbach spricht von einer "Investition, die sich für die Wirtschaft und das gesamte Land lohnen würde".

Fazit 

Die Corona-Selbsttests könnten ein weiterer Schritt zur Eindämmung der Pandemie bedeuten.  SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach spricht sich beispielsweise für eine Verwendung in Betrieben aus. Die neuen Corona-Selbsttests sollen bald in der Apotheke erhältlich sein. Der große Vorteil: Spuck- und Gurgeltests können auch von Laien angewendet werden. In Österreich sind die Tests schon im Einsatz. In Deutschland benötigen die neuen Selbsttests jedoch noch eine Zulassung vom TÜV oder der Dekra. 

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