Krankschreibungen wegen Erkältungen sind in der Corona-Krise nun doch weiterhin auch per Telefon möglich. Das teilte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses im Gesundheitswesen (G-BA), Josef Hecken, am Montag mit. Der Bundesausschuss, der mit Vertretern von Ärzten, Kliniken und gesetzlichen Krankenkassen besetzt ist, werde sich im Laufe des Tages erneut mit dem Thema befassen und mit «hoher Wahrscheinlichkeit» eine Verlängerung der Regelung bis zum 4. Mai 2020 beschließen. Ärzte könnten «im Vorgriff auf diese Entscheidung» weiterhin aufgrund telefonischer Anamnese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

Die Dauer einer telefonischen Krankschreibung soll demnach auf eine Woche begrenzt werden und könne «bei fortdauernder Erkrankung» einmal verlängert werden. «Alle Verantwortlichen müssen derzeit tagesaktuell und auf unsicherer Erkenntnislage neu abwägen und entscheiden, wie eine schrittweise Herstellung des regulären Medizinbetriebes unter Wahrung des gebotenen Infektionsschutzes möglich ist», sagte Hecken.

erwies am Montag zwar darauf, dass die Entscheidung von der Selbstverwaltung von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen getroffen wurde. Dennoch werde man im Lichte der Debatte das Gespräch mit der Selbstverwaltung suchen. An der Entscheidung hatte es massive Kritik gegeben. 

Gesundheitspolitiker, Ärzteverbände, Gewerkschaften und Verbraucherschützer hatten das massiv kritisiert. Arbeitgeber hatten die Entscheidung, die Ausnahmeregelung auslaufen zu lassen, begrüßt. Der G-BA Vorsitzende Josef Hecken hatte den Schritt mit einer deutlichen Verlangsamung der Dynamik in der Corona-Krise begründet.

Update vom 17.04.2020: Ausnahmeregelung endet - für Krankschreibungen wieder Arztbesuch Pflicht

Volle Wartezimmer und Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus: Um Ärzte und Patienten zu entlasten, mussten Arbeitnehmer für eine Krankschreibung bei Erkältung zuletzt nicht mehr extra zum Arzt. Doch dies ist nun vorbei. Auch für Krankschreibungen bei leichten Atemwegsbeschwerden müssen Arbeitnehmer ab dem 20.04.2020, wieder zum Arzt gehen. Eine in der Corona-Epidemie eingeführte Ausnahmeregelung, dass dies auch nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt ging, wird nicht verlängert.

Das beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen am Freitag. Für die Beurteilung, ob man arbeitsunfähig ist und eine Krankschreibung erhält, ist wieder eine körperliche Untersuchung nötig. Von den Praxisärzten kam Kritik.

Der G-BA Vorsitzende Josef Hecken erläuterte, die befristete Ausnahme diente angesichts der dynamischen Corona-Entwicklungen dazu, Praxen zu entlasten und die Virus-Ausbreitung zu verringern. Diese Dynamik habe zwischenzeitlich aber durch strikte Abstands- und Hygieneregeln, die ebenfalls in Praxen beachtet werden, deutlich verlangsamt werden können. Die Behelfsregelung könne daher zum vorgesehenen Termin auslaufen. Dies entspreche auch den behutsamen Lockerungsschritten, die Bund und Länder beschlossen haben.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisierte einen «abrupten Stopp» der Ausnahmeregelung, der weder für die Praxen noch für die Patienten gut sei. Man habe sich für eine Verlängerung bis 3. Mai eingesetzt, sei aber im Gremium überstimmt worden. Eine solche Verlängerung wäre auch deckungsgleich mit den staatlich beschlossenen Kontaktbeschränkungen gewesen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) begrüßte dagegen das Auslaufen der Sonderregelung. Mit der schrittweisen Normalisierung sei es ebenso richtig, zum Regelzustand zurückzukehren.

Laut G-BA ist ein unmittelbares Arztgespräch vor allem bei Erkrankungen wichtig, die nur durch eine persönliche Untersuchung umfassend und präzise erkannt werden könnten. Unabhängig davon sollten Patienten mit typischen Covid-19-Symptomen oder unklaren Symptomen der oberen Atemwege vorher in der Praxis anrufen und das Vorgehen besprechen.

Welche Rolle spielen Kinder bei der Ausbreitung des Coronavirus? Ersten Daten zufolge sind Kinder von dem Virus möglicherweise seltener betroffen als Erwachsene - sie erkranken kaum.

Ursprüngliche Meldung vom 10.03.2020: Ohne zum Arzt zu gehen - für gewisse Fälle Krankschreibung jetzt auch per Telefon möglich

Wer an einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege leidet, kann sich ab sofort nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt krankschreiben lassen. Darauf weist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hin. Diese Maßnahme soll die Ärzte in der Coronavirus-Krise entlasten. Doch wie melde ich mich eigentlich richtig krank? Alles, was es dazu zu beachten gibt, lesen Sie hier.

Patienten müssen demnach keine Arztpraxis aufsuchen. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) kann der Arzt Patienten den Informationen zufolge für maximal sieben Tage ausstellen. Die Ausnahmeregel gilt etwa für Erkältungen oder grippale Infekte, aber nicht für Patienten mit schwerer Symptomatik.

Krankschreibung per Telefon gilt nicht für Corona-Verdacht

Genauso wenig fallen darunter Menschen, die Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) für einen Verdacht auf eine Infektion mit Covid-19 erfüllen. Viele Menschen sind verunsichert und fragen sich, an welchen Anzeichen man eine Corona-Infektion erkennt und wie man sich schützen kann. Hier klären wir alle wichtigen Fragen und geben Antworten.

Auf diese Maßnahme haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband am Montag (9. März 2020) verständigt. Die neue Regel soll ab sofort für vorerst vier Wochen gelten.

red/dpa