Die durch das Coronavirus "Sars-CoV-2" ausgelöste Krankheit "Covid-19" befällt die Lunge. Die Sauerstoff-Versorgung des Körpers wird auf diese Weise stark eingeschränkt. Der Radiologe Christopher Herzog, Facharzt für diagnostische Radiologie, hat bereits Dutzende Patienten mit Infektionsverdacht untersucht. In einer "Corona-Ambulanz" des Rotkreuzklinikums München, in dem auch die Radiologie ihren Sitz hat, seien täglich bis zu 200 Personen untersucht worden, erzählt er inFranken.de.

Im Gespräch erläutert Herzog wie er als Radiologe mit positiv getesteten Patienten umgeht. "In der Regel werden Betroffene sowie Patienten mit Verdacht auf eine Ansteckung an uns überwiesen, um anhand der Bildgebung mit der Computertomografie (CT) den Zustand ihrer Lunge beurteilen zu können", so Herzog. Mithilfe des CT könne er bereits kleinste Veränderungen der Lunge feststellen. "Innerhalb von nur wenigen Minuten" könne entschieden werden, ob der Patient stationär oder intensiv-medizinisch betreut werden müsse, erklärt der Radiologe. 

Coronavirus: Radiologe erklärt, was in der Lunge passiert 

Bislang ist nicht ausreichend erforscht, wie sich das Coronavirus im Körper ausbreitet. Bei einer Infektion mit "Sars-CoV-2" geht das "Deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt" von einer Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen aus. Das "Robert-Koch-Institut" schätzt die Spannweite sogar auf bis zu zwei Wochen. Relativ eindeutig ist hingegen, dass Coronaviren  an sogenannten "ACE2"-Rezeptoren andocken, um in Wirtszellen einzudringen. Herzog verweist auf die entscheidende Rolle der Rezeptoren: "Werden diese durch die Viren geblockt, wird die Lunge wasserdurchlässiger und produziert zu viel Flüssigkeit, die aus dem Gewebe in die Lungenbläschen übergeht – dorthin, wo der Sauerstoff ins Blut transportiert wird." 

"Im schlimmsten Fall kann das zu einem 'innerlichen Ertrinken' führen" - Christopher Herzog, Radiologe

Aus der Perspektive seines Fachgebietes, der Radiologie, beschreibt er den Zustand als mit einer "stark überwässerten Schocklunge" vergleichbar. Diese Variante tritt beispielsweise bei Patienten auf, die durch einen Verkehrsunfall schwer verletzt wurden. Aber auch Neugeborenen ohne ausgebildeten Lungenschutz können dies aufzeigen, erklärt Herzog. Dabei kann eine "Computertomografie" auch noch Wochen nach der Infektion "diagnostische Sicherheit" geben. Im Vergleich können sogenannte "PCR"-Tests, die einen Rachenabstrich vorsehen, teils ungenaue Ergebnisse liefern, so der Radiologe. 

Zweite Corona-Welle? Klinik laut Radiologe "gut ausgestattet"

Falls es im Herbst 2020 zu einer zweiten Corona-Welle in Deutschland kommen sollte, sei die Radiologie München "materiell gut ausgestattet". Falls es zu einem erneuten "Shutdown" komme, könne es zwar zu einzelnen Engpässen kommen, allerdings sei man deutlich besser gerüstet, als zu Beginn der Pandemie. 

Dennoch hofft Herzog, dass es nicht dazu kommt und appelliert an die Vernunft der Bevölkerung: "Wir müssen darauf vertrauen, dass sich Betroffene mit Symptomen an einen Arzt wenden – und diese dann getestet werden", sagt er. Deutschland habe insgesamt "gut reagiert und sinnvolle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eingeführt", ist sich Herzog sicher. Schreckensszenarien, wie beispielsweise in Italien, seien auf diese Weise verhindert worden.

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