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Das Coronavirus "Sars-CoV-2" hält die Welt nach wie vor in Atem. Ein Überblick über die Lage in Franken, Deutschland und der ganzen Welt im Ticker von inFranken.de. Sie wollen einen Mundschutz online bestellen? Hier gibt es günstige Corona-Masken.

Update vom 11.08.2020, 12.02 Uhr: Corona-Fake-News kosteten Hunderte Menschen das Leben

Studie zu Corona-Fehlinformationen im Netz - viele Tote durch Gerüchte: Kamelurin, Bleichmittel und Methanol: Fehlinformationen durch Gerüchte und Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit dem Coronavirus haben seit Beginn der Pandemie weltweit Hunderte Menschen das Leben gekostet.

Tausende Menschen mussten wegen der größtenteils in sozialen Netzwerken verbreiteten Falschinformationen im Krankenhaus behandelt werden, ergab eine im «American Journal of Tropical Medicine and Hygiene» veröffentlichte Studie. Die von einem Team internationaler Wissenschaftler unter anderem aus Australien, Thailand und Japan zusammengetragenen Daten stammen aus dem Zeitraum zwischen Dezember 2019 und April 2020.

So sei Menschen in Indien empfohlen worden, Kuhurin oder -dung zu verzehren, um sich gegen eine Ansteckung zu wappnen. In Saudi-Arabien wurde Kamelurin mit Limone als Wunderwaffe gegen Sars-CoV-2 beworben. Der Konsum von hochkonzentriertem Alkohol zur vermeintlichen Desinfizierung des Körpers kostete weltweit sogar 800 Menschen das Leben. Rund 5900 landeten nach dem Trinken von Methanol im Krankenhaus, 60 erblindeten.

Die Forscher untersuchten auch mögliche Folgen von Stigmatisierung. So habe sich ein Mann in Indien das Leben genommen, weil er glaubte, mit Corona infiziert zu sein - und die mögliche Erkrankung als Schande empfand. Auch sei es immer wieder zu verbaler und physischer Gewalt gegenüber Menschen asiatischer Herkunft und Mitarbeitern des Gesundheitssystems gekommen, weil beide Gruppen für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht wurden. Die Wissenschaftler hatten mehr als 2300 Berichte in 25 Sprachen aus 87 Ländern untersucht.

Neben der Pandemie gebe es demnach auch eine «Infodemie», so die Forscher. Sie forderten Regierungen und internationale Organisationen auf, Corona-Fehlinformationen im Internet besser zu überwachen, als falsch zu entlarven und «mit Social-Media-Unternehmen zusammenzuarbeiten, um korrekte Informationen zu verbreiten.»

Update vom 11.08.2020, 07.00 Uhr: US-Forscher: Schon mehr als 20 Millionen Corona-Fälle weltweit

Die Zahl der weltweit bekannten Corona-Infektionen ist innerhalb von weniger als drei Wochen von 15 Millionen auf über 20 Millionen gestiegen. Das ging am Montag aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Etwa die Hälfte der bestätigten Infektionen entfielen demnach auf nur drei Länder: die USA mit mehr als fünf Millionen Infektionen, Brasilien mit über drei Millionen und gut zwei Millionen in Indien.

Die Zahl der weltweit bestätigten Infektionen stand Ende Juni noch bei zehn Millionen und hat sich damit innerhalb von rund sechs Wochen verdoppelt. Neben den am meisten betroffenen Staaten breitete sich die Coronavirus-Pandemie auch in Russland, Südafrika, Mexiko und mehreren Ländern Südamerikas weiter rasch aus.

In Deutschland wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) zuletzt 966 neue Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Insgesamt steigt dei Zahl der bestätigten Corona-Fälle hierzulande auf mindestens 217 293. Bayern ist unter den Bundesländern weiter Spitzenreiter mit etwa 51 882 Infektionen. Knapp dahinter liegt das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen - Bayern verzeichnet jedoch rund 1000 mehr Todesfälle durch das Coronavirus.

Weltweit sind laut Johns Hopkins bislang mehr als 730 000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Die Zahl der Opfer stieg zuletzt unter anderem infolge besserer Behandlungsmöglichkeiten deutlich langsamer an als die Zahl der Neuinfektionen.

Das weltweit nach absoluten Zahlen am schlimmsten betroffene Land waren die USA. Dort gibt es neben den meisten bestätigten Infektionen mit mehr als 163 000 Opfern auch die meisten Todesfälle. An zweiter Stelle folgt Brasilien mit über 100 000 Toten.

Die Webseite der Universität wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher meist einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen wurden die Zahlen zuletzt aber auch wieder nach unten korrigiert. Laut WHO gab es bis Montag 19,7 Millionen bestätigte Infektionen und 728 000 Todesfälle.

Update vom 10.08.2020, 15 Uhr: Massiver Anstieg der Krankschreibungen bei Jüngeren

Bei jungen Menschen sind die Krankschreibungen wegen einer Covid-19-Infektion in den letzten Wochen wieder deutlich angestiegen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der "Barmer" hervor, über die die Krankenkasse am Montag (10. August 2020) informiert. "Innerhalb von vier Wochen (vom 21. Juni bis 18. Juli) sind demnach die Fallzahlen in der Gruppe der bis 39-Jährigen um 31 Prozent gestiegen", heißt es in der Mitteilung der "Barmer". Die Zahlen beziehen sich auf Versicherte der Barmer-Krankenversicherung. 

„Die Corona-Pandemie ist keineswegs ausgestanden. Ganz im Gegenteil, die Gefahr einer zweiten Welle baut sich offensichtlich immer mehr auf. Wenn die Abstands- und Hygieneregeln zunehmend missachtet werden, kann das Menschenleben gefährden“, wird der Vorstandsvorsitzende der "Barmer", Christoph Straub, zitiert. Vor allem die Jüngeren müssten sich folglich wieder verstärkt an die Corona-Regeln halten, denn in der Gruppe ab 40 Jahren seien die Zahlen konstant geblieben. 

Die meisten Corona-Krankschreibungen über alle Altersklassen hinweg habe es in der 29. Kalenderwoche in Nordrhein-Westfalen mit 727 Betroffenen und in Bayern mit 607 Erkrankten gegeben.

Update vom 10.08.2020, 07.30 Uhr: Innenstaatssekretär für Anzeigepflicht vor Reise ins Risikogebiet

Innenstaatssekretär Günter Krings hat die Einführung einer Anzeigepflicht vor geplanten Reisen in Corona-Risikogebiete vorgeschlagen. "Bei Reisen in Risikogebiete sollten wir darüber nachdenken, ob wir eine vorherige Anzeigepflicht einführen", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post" (Montag). "Wer in ein Risikogebiet reisen will, sollte das vorher dem Gesundheitsamt melden, damit es hinterher leichter überprüfen kann, ob der verpflichtende Corona-Test bei der Einreise gemacht und gegebenenfalls die Quarantäne eingehalten wurde."

Der Wirtschaftsrat der CDU hatte vor wenigen Tagen ein komplettes Verbot von Reisen in Risikogebiete gefordert, Krings ginge diese Verbot jedoch zu weit. Für Heimkehrer aus Risikogebieten gibt es derzeit zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legen einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder sie lassen sich nach der Rückkehr in Deutschland testen, was bis zu drei Tage kostenlos möglich ist, etwa auch beim Hausarzt.

Update vom 09.08.2020, 11.40 Uhr: Umfrage: Mehrheit der Deutschen hat kein Verständnis für Corona-Demonstrationen

Die Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus werden nach einer Umfrage von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. In einer am Samstag veröffentlichten Befragung des Forsa-Instituts im Auftrag der Mediengruppe RTL gaben 91 Prozent an, kein Verständnis für die Proteste zu haben. Nur 9 Prozent äußerten sich dem "RTL/ntv-Trendbarometer" zufolge zustimmend. Eine klare Mehrheit (87%) war auch der Meinung, dass die Menschen, die gegen die Maßnahmen auf die Straße gehen, nur eine Minderheit der Bevölkerung repräsentieren.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL am 6. und 7. August erhoben. Die Datenbasis bildeten 1005 Befragte.In Berlin hatten am vergangenen Wochenende Tausende gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, hatte die Polizei die Kundgebung aufgelöst.

Update vom 08.08.2020, 20.30 Uhr: Piazolo äußert sich zu möglichen Schulschließungen in Bayern

Auch in Bayern könnten Schulen schon nach einem einzigen Corona-Fall geschlossen werden, wie das zuletzt in zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern geschehen war.  "Wenn dieser Schüler viele Begegnungen hatte, dann kann es passieren", sagte Kultusminister Michael Piazolo (FW) am Samstag dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2). Das sei aber nur das letzte Mittel.

Die Schulen versuchten, feste Gruppen zu haben und auch in den Pausen zu schichten, "und insofern kann es auch sein, dass nur eine Klasse nach Hause geschickt wird oder manchmal auch ein Teil einer Schule". Weiter sagte Piazolo, Bayern wolle nach den Sommerferien an den Schulen in den Regelbetrieb zurück, unter strengen Hygienebedingungen. Wenn die Zahl von 20 Infektionen pro 100.000 Einwohner "überschritten wird, dann würden wir auch Maskenpflicht im Unterricht anordnen".

Update vom 08.08.2020, 18.00 Uhr: Den dritten Tag in Folge mehr als 1000 Neuinfektionen, R-Wert steigt über 1,0

Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland liegt den dritten Tag in Folge über der Schwelle von 1000 neuen Fällen. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 1122 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 215.336 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI meldete (Datenstand 8.8., 0.00 Uhr).

Im Vergleich zum Freitag, an dem 1147 neue Fälle binnen 24 Stunden gemeldet wurden, ging die Zahl am Samstag etwas zurück. Am Donnerstag hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 1045 Corona-Fällen erstmals wieder über der Schwelle von 1000 gelegen. Sie war zuletzt am 9. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9195. Bis Samstagmorgen hatten 196.400 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 7.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 1,16 (Vortag: 0,99). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 7.8., 0.00 Uhr, ebenfalls bei 1,16 (Vortag: 1,06). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Update vom 08.08.2020, 10.32 Uhr: Ärzteverband warnt vor wachsender Nachlässigkeit in Deutschland

Der Ärzteverband Marburger Bund hat vor wachsender Nachlässigkeit in der Corona-Pandemie in Deutschland gewarnt: "Wir sehen schon einen kontinuierlichen Anstieg der Infektionszahlen - er ist flach, aber er ist da", sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig scheine die Bereitschaft zum Einhalten der Schutzregeln bei einem kleineren Teil der Bevölkerung abzunehmen. "Man muss also von einem Trend sprechen, der uns klarmacht, dass es so nicht weitergehen kann." Abstand, Hygiene und die Maskenpflicht müssten wieder konsequenter eingehalten werden.

Johna mahnte, es gebe Dinge, die man sich jetzt nicht leisten sollte. "Dazu gehört, es zu tolerieren, wenn Menschen im öffentlichen Nahverkehr die Maske als Kinnschutz tragen. Das ist auch schnell eine Großveranstaltung, wenn in einem vollen Waggon viele Menschen eng beieinanderstehen." Vielleicht müsse man manche auch wieder damit konfrontieren, dass die Covid-19-Erkrankung weiter gefährlich sei.

"Viele empfinden das nicht mehr als Realität, weil sie in ihrem Bekanntenkreis niemanden kennen, der relevant erkrankt ist", erklärte die Verbandschefin. "Manche haben dadurch das Gefühl, es sei weit weg. Aber es ist nicht weit weg." Es gebe weiter schreckliche Schicksale Erkrankter, denen auch modernste Mittel der Medizin nicht mehr helfen konnten. "Was häufig vergessen wird: Unter den Erkrankten gibt es auch Menschen, die lang andauernde Schäden zurückbehalten."

Johna befürwortete es, den Schulunterricht wieder aufzunehmen. "Die Schule ist eine Großveranstaltung - aber eine, die wir uns leisten müssen." Dafür sei es wichtig, Corona-Regeln gut festzulegen. "Die Überlegungen dazu kommen teilweise erstaunlich spät, denn das Schuljahr beginnt ja nun nicht überraschend." Dazu gehöre eine Strategie zum regelmäßigen Belüften der Räume, die auch im Herbst und Winter durchzuhalten sei. Sinnvoll seien auch Masken auf dem Schulhof gerade in beengteren Bereichen. "Während des Unterrichts halte ich das nicht für angebracht. Da gibt es ja auch Abstandsregeln." Beim Krisenmanagement bleibe es wichtig, möglichst alle Corona-Fälle nachzuverfolgen, machte Johna deutlich. "Wenn wir einzelnen Fällen nicht mehr nachgehen, dann stoßen wir manchmal gar nicht auf eine Häufung von Infizierten." Dafür müssten die Gesundheitsämter dauerhaft personell gestärkt werden, gerade im ärztlichen Bereich. "Der öffentliche Gesundheitsdienst war schon vor Corona wichtig. Nur galt bisher: hoch gelobt und mies bezahlt. Damit muss Schluss sein, auch um dringend benötigten Nachwuchs zu gewinnen."

Johna schlug zudem spezielle Quarantäneregeln für Menschen vor, die bei Veranstaltungen mit vielen Infizierten waren und mit vielen Mitbewohnern zusammenleben. Sie sollten nicht zu Hause isoliert werden, sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). "Für solche Personen müssen wir eine besondere Quarantänesituation anbieten, etwa in Hotels, und sie für eine Woche auch von ihrer Familie oder anderen Mitbewohnern fernhalten." Um mehr Akzeptanz zu erreichen, könnten Quarantänezeiten auch von 14 Tagen auf die Hälfte verkürzt werden. Sieben Tage könnten ausreichen, vor allem in Verbindung mit einem abschließenden negativen Test.

Update vom 07.08.2020, 12 Uhr: Erste Schulen schon wieder zu - Virologen weisen auf Risiken hin

Mehrere namhafte Virologen haben zum Beginn des Schuljahres in mehreren Bundesländern vor dem Risiko von Corona-Infektionen unter Schülern gewarnt und Vorschläge für Vorsichtsmaßnahmen gemacht. "Fehlende Präventions- und Kontrollmaßnahmen könnten in kurzer Zeit zu Ausbrüchen führen, die dann erneute Schulschließungen erzwingen", heißt es in einer Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie, die am Freitag verschickt wurde.

Wie schnell die Hoffnungen auf einen weitgehend normalen Schulbetrieb im neuen Schuljahr zerstört werden können, zeigte sich am selben Tag in Mecklenburg-Vorpommern. Am Ende der ersten Schulwoche nach den Ferien wurden ein Gymnasium und eine Grundschule geschlossen. An dem Gymnasium in Ludwigslust war eine Lehrerin positiv getestet worden an der Grundschule in Graal-Müritz im Landkreis Rostock ein Schüler. Mecklenburg-Vorpommern war am Montag als erstes Bundesland ins neue Schuljahr gestartet, am Donnerstag folgte Hamburg. Kommende Woche sind Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen dran.

Die Virologen - darunter Christian Drosten, Jonas Schmidt-Chanasit und Helmholtz-Forscherin Melanie Brinkmann - schreiben in ihrer Stellungnahme: "Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen". Eine Unterschätzung der Übertragungsgefahren an Schulen wäre kontraproduktiv für das kindliche Wohlergehen und die Erholung der Wirtschaft. Für eine wirksame Unterdrückung der Virusausbreitung in der Gesamtgesellschaft bleibe es weiterhin Grundvoraussetzung, die Viruszirkulation in den Schulen niedrig zu halten. Die Experten schlagen mehrere Maßnahmen vor, um die Übertragungsrisiken in den Schulen zu minimieren.

Dazu gehört beispielsweise, die Klassengrößen abhängig von der Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Zudem sollten aus virologischer Sicht feste Kleingruppen definiert werden mit möglichst geringer Durchmischung der Gruppen im Schulalltag. Die Wissenschaftler sprechen sich außerdem für das "konsequente Tragen von Alltagsmasken in allen Schuljahrgängen auch während des Unterrichts" aus. "Dies sollte begleitet werden durch eine altersgerechte Einführung der Kinder in die Notwendigkeit und den Umfang von Präventionsmaßnahmen", heißt es. Wichtig ist aus Sicht der Virologen auch, dass "pragmatische Lösungen für einen verbesserten Luftaustausch" in den Schulen gefunden werden.

Sollte es gegen Jahresende zu einem kritischen Anstieg der Neuinfektionen kommen, und dabei auch Bildungseinrichtungen eine Rolle spielen, bringen die Virologen auch eine Ausdehnung der Weihnachtsferien ins Spiel, um die Zeiten mit höchster Infektionsaktivität zu verringern.

Update vom 07.08.2020, 06.30 Uhr: Spahn: Gesundheitswesen kann mit 1000 Neuinfektionen am Tag umgehen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nach dem jüngsten Anstieg der Corona-Neuinfektionen klargemacht, dass er derzeit keine kritische Schwelle überschritten sieht. "Im Moment sind wir in jedem Fall noch in einer Größenordnung, mit der das Gesundheitswesen und der öffentliche Gesundheitsdienst umgehen kann", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem ZDF-"Heute Journal". "Wenn wir uns jetzt stabilisieren auf einem bestimmten Niveau, dann können wir damit umgehen. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auf uns alle an, im Alltag aufeinander zu achten und eben weitere Maßnahmen tatsächlich auch nicht nötig zu machen."

Spahn unterstrich die Linie, im Fall der Fälle vor allem auf regionale Maßnahmen zu setzen. Auf die Frage, ab wann neue Einschränkungen nötig würden, betonte Spahn, es gebe nicht "die eine Zahl, auf die alles reduziert werden kann". "Es gibt den Steigerungsfaktor - also um wie viel dynamischer wird das Infektionsgeschehen? Es gibt die absolute Zahl der Infektionen. Mit um die 1000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswesen umgehen."

Update vom 06.08.2020, 19.30 Uhr: Erstmals mehr als 1000 neue Corona-Infektionen seit Anfang Mai

Erstmals seit drei Monaten hat das Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 1000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI demnach 1045 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages, wie es am frühen Donnerstagmorgen hieß. Die Schwelle von 1000 neuen Corona-Fällen war zuletzt am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhepunkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6000 erreicht.

Anders als Mitte Juni, als es beispielsweise beim Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen einen großen Corona-Ausbruch gab, ist der jetzige Anstieg nicht hauptsächlich auf einzelne Brennpunkte zurückzuführen. Auf Landkreisebene sind die Zahlen oft nur leicht gestiegen. Doch über alle Kreise hinweg summiert sich dieser Effekt. Experten fürchten eine solche Entwicklung, weil sie sich nicht mit einigen wenigen harten Maßnahmen eindämmen lässt.

Als Ursache für den Anstieg nannte RKI-Präsident Lothar Wieler bereits vorige Woche Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handele, sei unklar.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich laut RKI mindestens 213 067 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 6. August 2020, 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9175. Bis Donnerstagmorgen hatten 195 200 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Update vom 06.08.2020, 11.00 Uhr: Corona-Testpflicht ab Samstag

Wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstagvormittag (6. August 2020) bekannt gegeben hat, gilt bereits ab Samstag (8. August 2020) eine Corona-Testpflicht für Einreisende und Rückkehrer aus Risikogebieten. Inzwischen gehören auch 15 europäische Länder zu den Risikogebieten. Das RKI hat für folgende Länder eine Reisewarnung ausgesprochen. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus, müssen sich Einreisende nach Deutschland auf das Virus testen lassen, wenn sie zuvor in einem Risikogebiet waren.

Spahn sagte, mit der Testpflicht für Rückkehrer aus Gebieten mit hohen Fallzahlen wolle man "auf Nummer sicher" gehen. "Mir ist sehr bewusst, dass das ein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen ist." Es sei aber ein zumutbarer Eingriff. Wer aus solchen Risikogebieten kommt, muss sich bisher schon direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist.

Bereits seit vergangenem Samstag können sich alle Einreisenden aus dem Ausland freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Jede bisher unentdeckte Infektion mache einen Unterschied, sagte Spahn. Er verteidigte es erneut, dass die Reisenden dafür nicht selbst zur Kasse gebeten werden sollen. Die Kosten übernimmt letztlich der Bund.

Update vom 06.08.2020, 06.30 Uhr: Drosten: Bei zweiter Welle auf Infektionsgruppen konzentrieren 

Der Charité-Virologe Christian Drosten schlägt vor, sich nicht mehr auf einzelne Corona-Fälle, sondern auf Infektionsgruppen zu konzentrieren, sollte es in Deutschland zu einer zweiten Welle kommen. "Waren bisher die meisten Infektionsketten nachvollziehbar, können neue Fälle bald überall gleichzeitig auftreten", schreibt Drosten in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Zeit". Dies könnte alle Landkreise und Altersgruppen betreffen. "Dann sind die personell schlecht ausgestatteten Gesundheitsämter endgültig damit überfordert, die Quarantäne jeder einzelnen Kontaktperson zu regeln", so der Wissenschaftler.

Die Behörden sollten sich dann auf Gruppen konzentrieren, in denen sich viele Menschen mit dem Virus infiziert haben. Wenn sich ein Mitglied eines dieser sogenannten Cluster infiziert habe, könne auch eine Isolation von fünf Tagen ausreichen. Nötig sei eine entscheidende Strategieänderung: "eine Testung auf Infektiosität statt auf Infektion". Eine niedrige Viruslast bedeute, dass ein Patient nicht mehr ansteckend sei.

Update vom 05.08.2020, 17.00 Uhr: Bayern: Schon jetzt 150 Euro Bußgeld für erstmalige "Masken-Muffel"

"Masken-Muffel" im öffentlichen Nahverkehr in Bayern müssen anders als in Nordrhein-Westfalen auch bei erstmaligen Verstößen schon jetzt mit einem Bußgeld von 150 Euro rechnen. "Wenn eine Minderheit meint, sich nicht an die Maskenpflicht halten zu müssen, ist das nicht akzeptabel. Wer andere gefährdet, muss zu Recht mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch. "Die Einhaltung der Maskenpflicht ist entscheidend bei der Bekämpfung der Pandemie", betonte er. Die allermeisten Bürgerinnen und Bürger verhielten sich aber sehr verantwortungsbewusst und trügen Masken in U-Bahn, Bus und Tram.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hatte zuvor in der "Rheinischen Post" angekündigt, die Regeln in Nordrhein-Westfalen zu verschärfen und nun auch Erstverstöße mit 150 Euro Bußgeld zu ahnden.

Das bayerische Innenministerium betonte, die Aufnahme von Anzeigen durch die Polizei erfolge stets mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl. "Es ist jedoch zwingend geboten, dass auch in den Bereichen des ÖPNV bestehende Regelungen durchgesetzt und Verstöße konsequent verfolgt werden." Unter diesen Maßgaben und nach Würdigung des Einzelfalls schreite die Polizei somit grundsätzlich auch bei Erstverstößen ein, etwa nach Hinweisen von Fahrgästen oder Meldungen durch das Personal.

Nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums hält sich der weit überwiegende Teil der Fahrgäste (mehr als 95 Prozent) an die Maskenpflicht. Es gebe nur vereinzelte Meldungen über Verstöße, beispielsweise in den Abend- und Nachtstunden in den Großstädten oder im Ausflugsverkehr an den Wochenenden. Bei Verstößen gegen die Maskenpflicht droht im Regelfall ein Bußgeld von 150 Euro - die Summe kann "je nach den Umständen des Einzelfalls" erhöht oder ermäßigt werden. Bei Fahrlässigkeit etwa ist der Regelsatz zu halbieren.

Update vom 05.08.2020, 10.00 Uhr: Nordrhein-Westfalen plant 150 Euro Bußgeld für "Masken-Muffel" 

Nordrhein-Westfalen will bei Verstößen gegen die Maskenpflicht in Bussen, S-Bahnen oder Straßenbahnen künftig sofort ein Bußgeld von 150 Euro verhängen. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) sagte der "Rheinischen Post" (Mittwoch): "Inzwischen sollte jeder verstanden haben, dass in Bus und Bahn Maskenpflicht gilt. Deshalb ist ganz klar: Wer ohne Mund-Nasen-Schutz erwischt wird, muss an der nächsten Haltestelle raus und zahlen." Wüst kündigte an: "Wir wollen eine Verschärfung, so dass unmittelbar beim ersten Verstoß gegen die Maskenpflicht ein Bußgeld von 150 Euro fällig ist."

Die Verschärfung solle mit einer Überarbeitung der NRW-Coronaschutzverordnung Mitte nächster Woche in Kraft treten, sagte ein Ministeriumssprecher. Sie gelte dann für alle Züge, auch Fernzüge in NRW.

Bisher werden Bußgelder in NRW nur erhoben, wenn Fahrgäste sich trotz einer entsprechenden Aufforderung weiter weigern, die Maske aufzusetzen. Diese Ermahnung soll wegfallen. Wüst sagte, man wolle "keine lange Diskussion mehr mit Masken-Muffeln". Es gehe um die Solidarität mit den schwächsten der Gesellschaft. "Die kleine Unbequemlichkeit, die Maske zu tragen, verhindert eine mögliche Katastrophe."

Probleme mit "Maskenmuffeln" gebe es in der Praxis vor allem bei Freizeitverkehren, sagte der Ministeriumssprecher. Berufspendler trügen dagegen zu fast 100 Prozent die Maske.

Bundesweit gilt im Kampf gegen die Corona-Pandemie eine Maskenpflicht in Handel und im Nahverkehr - die konkrete Ausgestaltung und Regelungen zu Sanktionen sind aber Ländersachen. Auch in Bayern beispielsweise sieht der Bußgeldkatalog beim Verstoß gegen die Maskenpflicht bereits 150 Euro vor.

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Update vom 04.08.2020, 14.30 Uhr: Ärzteverband: Zweite Corona-Welle schon da - Kliniken vorbereitet 

Die von vielen befürchtete zweite Corona-Welle hat Deutschland nach Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund bereits erfasst. "Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna der Augsburger Allgemeinen. Sie sei aber nicht vergleichbar mit den Zahlen von März und April.

Das Robert-Koch-Institut vermeldete zuletzt 879 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Damit wurden bisher mindestens 211 281 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. "Damit ist die Gefahr, dass wir die Erfolge, die wir bislang in Deutschland erzielt haben, in einer Kombination aus Verdrängung und Normalitätssehnsucht wieder verspielen", warnte Johna.

Die Krankenhäuser seien auf eine zweite Welle vorbereitet, erläuterte die Verbandschefin. Anders als bei der ersten Welle sollen Krankenhausbetten diesmal nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert freigehalten werden. "Weil sich das Pandemiegeschehen langsam aufbaut, müssen wir für Covid-19-Patienten gestuft Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, also eine zeitliche Staffelung der Vorhaltung einführen", sagte Johna.

In der Praxis wird nach Angaben des Marburger Bundes in Stufe eins eine geringere Anzahl an Intensivbetten freigehalten. Sind diese belegt, tritt 24 Stunden später Stufe zwei in Kraft und die Kapazitäten in den Intensivstationen werden erweitert - Schritt für Schritt, bis die höchste Kapazität ausgeschöpft ist.

Johna mahnte eindringlich, die Hygieneregeln einzuhalten und Masken zu tragen. Sie verglich die Maske mit der Einführung des Sicherheitsgurtes im Auto, wogegen es damals auch heftigen Widerstand gegeben habe. Heute fühlten sich viele Menschen von einer Mundschutzpflicht bevormundet. Aber das Gegenteil sei der Fall: So wie der Gurt Leben rette, "so rettet auch der Mundschutz Leben", betonte die Verbandschefin.

Update vom 04.08.2020, 10.15 Uhr: Bayerisches Innenministerium plant höhere Strafen bei Corona-Verstößen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will auf die massiven Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen bei Demonstrationen in Berlin reagieren. Wie er im "Rundschau Magazin" des Bayerischen Rundfunks  sagte, werde diskutiert, in welchem Außsmaß die Bußgelder in bestimmten Bereichen erhöht werden müssten, "um einen noch stärker abschreckenden Effekt zu erzielen". Herrmann sprach dabei von mehreren Tausend Euro.

Laut Herrmann kann wegen Verstoß gegen die Hygienevorschriften bereits mit den bestehenden Strafen ein Bußgeld in Höhe mehrere Tausend Euro gegen den Veranstalter der Demonstration verhängt werden. Auch einzelne Demonstranten, die sich nicht an den Mindestabstand gehalten haben, können zur Verantwortung gezogen werden. Im Extremfall könne eine solche Veranstaltung "insgesamt unterbunden werden", so Herrmann.

Bei der Anpassung der Bußgelder geht es aber nicht nur um Demonstrationen. Auch Verstöße gegen die Quarantäne-Vorschrift und die Pflicht für Reisende, sich nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet testen zu lassen, sollen härter bestraft werden. "Es geht darum, das Risiko zu minimieren, dass andere Menschen angesteckt werden. Deswegen sind wir da so hinterher", sagte Herrmann.

Auch die Mehrheit der Deutschen würde härtere Strafen bei Corona-Verstößen auf Demonstrationen befürworten: Laut einer neuen YouGov-Studie waren 77 Prozent der Befragten dafür, nur 14 Prozent lehnte höhere Strafen ab.

Update vom 04.08.2020, 06.15 Uhr: Maskenpflicht - Deutsche Bahn will gegen Mundschutz-Verweigerer vorgehen

Die Deutsche Bahn will sicherstellen, dass die Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in ihren Zügen und Bussen durchgesetzt wird. Nach wie vor halte sich die große Mehrheit der Reisenden daran, erklärte der bundeseigene Konzern auf Anfrage am Montag in Berlin. "Wenn eine Minderheit geltende Regeln missachtet, ist dies für uns nicht hinnehmbar."

Bestehende Länder-Verordnungen erlaubten bei renitenten Maskenverweigerern einen Ausschluss von der Beförderung. "Dies setzen wir gemeinsam mit der für die Gefahrenabwehr bei der Bahn zuständigen Bundespolizei konsequent um."

Die Bahn erläuterte, über die Maskenpflicht werde seit ihrem Bestehen in Zügen, Bahnhöfen und im Internet breit informiert. Neben der Einhaltung von Verordnungen gehe es darum, "gegenseitige Rücksichtnahme zu leben und Verantwortung für die Gesundheit jedes Einzelnen und in der Gesamtbevölkerung zu empfinden." Der Schutz der Gesundheit von Mitarbeitenden und Fahrgästen habe oberste Priorität.

Update vom 03.08.2020, 17.30 Uhr: Bundespräsident Steinmeier warnt vor Verantwortungslosigkeit in Corona-Pandemie

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Verstöße gegen Corona-Auflagen bei Demonstrationen in Berlin mit deutlichen Worten kritisiert. Zugleich rief er die Bürger dazu auf, sich weiter verantwortungsbewusst zu verhalten, um einen zweiten Lockdown zu vermeiden. "Die Verantwortungslosigkeit einiger weniger ist ein Risiko für uns alle", sagte Steinmeier am Montag in einer Videobotschaft. "Wenn wir jetzt nicht besonders vorsichtig sind, dann gefährden wir die Gesundheit vieler. Und wir gefährden darüber hinaus die Erholung unserer Gesellschaft, unserer Wirtschaft, unseres Kulturlebens."

Steinmeier mahnte: "Jede und jeder von uns steht jetzt in der Verantwortung, einen zweiten Lockdown zu verhindern. Denn es ist doch ganz klar: Eine weitere Phase des Stillstands würde uns alle noch viel härter treffen." Die Bürger sollten jetzt besonders vorsichtig sein - in der Freizeit, bei der Arbeit, im Urlaub und auch nach der Rückkehr. "Gehen Sie weiterhin keine unnötigen Risiken ein! Und nutzen Sie die Möglichkeiten, sich testen zu lassen. Auch wenn's schwerfällt: Bewahren wir Geduld und verhalten wir uns vernünftig!"

"Der Weg zur Normalität, die wir uns doch alle wünschen, geht nicht über Leichtsinn, Sorglosigkeit und Ignoranz", betonte Steinmeier. "Normalität, ein Leben ohne Maske und Abstand, werden wir nur erreichen, wenn wir die Zeit bis zur Verfügbarkeit wirksamer Medikamente überbrücken mit Disziplin und Vernunft." Es gelte weiter, Abstand zu halten, die Hygieneregeln zu beachten sowie Mund- und Nasenschutz dort zu tragen, wo es empfohlen wird.

Der Bundespräsident sagte, er sei froh, in einem Land zu leben, in dem sich so viele Menschen von Vernunft, Verantwortungsgefühl und Solidarität leiten ließen. "Aber der Zwischenerfolg darf uns nicht leichtsinnig machen. Die Sommerlaune tut uns allen gut. Doch sie darf nicht dazu führen, dass wir nachlässig werden im Kampf gegen die Pandemie." Die Lage sein noch immer "unsicher und wackelig".

Update vom 03.08.2020, 13.45 Uhr: Nordrhein-Westfalen führt Maskenpflicht auch im Unterricht ein

Nordrhein-Westfalen führt an allen weiterführenden und berufsbildendenden Schulen eine Maskenpflicht inklusive Unterricht ein. An Grundschulen soll die Maskenpflicht nicht gelten, wenn die Schüler auf ihren festen Plätzen im Unterricht sitzen. Das kündigte das Schulministerium am Montag in Düsseldorf an.

Nordrhein-Westfalen ist damit das erste Bundeland, dass die Maskenpflicht auf den Unterricht ausweitet. Auch Berlin, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg gilt eine Maskenpflicht an Schulen, jedoch nicht, wenn die Schüler an ihrem Platz sitzen.

Die Regelung soll vorerst bis 31. August gelten. Neu ist außerdem, dass Schüler künftig für 24 Stunden zu Hause bleiben sollen, wenn sie Schnupfen haben. Treten keine weiteren Symptome einer Corona-Infektion auf, dürfen sie am nächsten Tag wieder in den Unterricht.

Update vom 03.08.2020, 10.15 Uhr: Bundesbildungsministerin Karliczek für Maskenpflicht an Schulen

Kurz vor dem Ferienende in sechs Bundesländern hat sich Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) für eine Maskenpflicht in Schulgebäuden ausgesprochen. Es sei zwar nachvollziehbar, "wenn Länder auf Abstandsregeln in den Schulen verzichten wollen, weil die räumlichen Bedingungen ansonsten nur eingeschränkt Präsenzunterricht zulassen würden", sagte sie der "Welt am Sonntag". "Dennoch wird der Präsenzunterricht nur dann funktionieren können, wenn weitere Regelungen zur Hygiene, zum Tragen von Schutzmasken sowie zum Abstandhalten auf dem Schulhof und auf den Fluren strikt eingehalten werden."

Mehrere Bundesländer wie Berlin, Bayern und Baden-Württemberg haben bereits angekündigt, im Kampf gegen das Coronavirus eine Maskenpflicht in Schulgebäuden einzuführen. Sie soll allerdings nicht im Unterricht gelten. In anderen Ländern wie etwa Nordrhein-Westfalen ist von freiwilligen Maskengeboten die Rede, oder es liegt - wie in Hessen oder Sachsen - im Ermessen der Schulen.

An diesem Montag startet Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland ins neue Schuljahr. Hamburg folgt am Donnerstag. In der Woche darauf geht es in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein los. Trotz der Corona-Pandemie sollen die Schulen nach den Ferien in den Regelbetrieb zurückkehren.

Die Bildungsminister der Länder zeigten sich optimistisch, dass der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gelingen kann. "Tourismus, Restaurants und sogar Fitnessstudios sind längst wieder geöffnet, ohne große Probleme", sagt die mecklenburg-vorpommerische Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) der "Welt am Sonntag". "Es ist höchste Zeit, die Belange der Kinder nach vorne zu rücken."

Update vom 31.07.2020, 20.20 Uhr: Frankreich und die Niederlande setzen verstärkt auf Maskenpflicht an der frischen Luft

 Wegen steigender Infektionszahlen hat Frankreichs Regierung den örtlichen Behörden mehr Spielraum bei der Maskenpflicht gegeben. Um die Ausbreitung von Covid-19 einzuschränken, könnten die Präfekturen nun die Maskenpflicht auf öffentliche Plätze ausdehnen, erklärte Gesundheitsminister Olivier Véran am Freitag (31. Juli 2020). Diese Entscheidung könne vor Ort je nach Gesundheitslage getroffen werden.

Die Präfektur von Lille reagierte sofort und kündigte für die Stadt eine Maskenpflicht etwa in der Fußgängerzone an. Auch auf Parkplätzen an Einkaufszentren oder in Parks ist die Maske verpflichtend. Eigentlich sind in Frankreich Masken nur in geschlossenen Räumen mit Publikumsverkehr Pflicht. Das sind zum Beispiel Geschäfte, Restaurants und Behörden. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen die Menschen eine Corona-Schutzmaske tragen. Einige Städte - etwa in der Bretagne - hatten bereits eigenmächtig zuvor eine Maskenpflicht an der frischen Luft eingeführt. Andere Orte wie zum Beispiel die Hafenstadt Quiberon haben den Zugang zum Strand eingeschränkt. Abends und in der Nacht ist dieser nicht mehr zugänglich. Auf der Halbinsel in der Bretagne hatten Behörden zuletzt sehr viele Fälle identifiziert. Verantwortliche auch in anderen Badeorten wie Sables-d'Olonne oder Biarritz an der Atlantikküste hatten moniert, dass sich an den Stränden abends junge Menschen in großen Gruppen treffen würden.

In Frankreich steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen seit einigen Wochen wieder leicht. Die Gesundheitsbehörden rufen immer wieder zur Vorsicht auf. Am Pariser Seinevergnügen Paris Plages können sich Besucher zum Beispiel kostenlos mit einem Schnelltest auf Corona testen lassen. Mit mehr als 30 000 Toten ist Frankreich schwer von der Corona-Pandemie getroffen.

Bereits am Donnerstag haben Amsterdam und Rotterdam als erste niederländische Städte eine Maskenpflicht eingeführt. Diese gelte für besonders belebte Plätze, Straßen und Geschäfte, teilten die Großstädte mit. Die Maskenpflicht soll ab 5. August für alle Personen über 13 Jahren gelten.

In Amsterdam etwa dürfen dann das Rotlichtviertel, die Haupteinkaufsstraße Kalverstraat und populäre Märkte nicht mehr ohne Maske besucht werden. Die Pflicht ersetze aber nicht die Regel, einen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern einzuhalten, betonten die Behörden. Amsterdam hatte bereits für das Rotlichtviertel und den Innenstadtbereich strenge Maßnahmen ergriffen. So wurden Touristen aufgerufen, die Stadt nicht an den Wochenenden zu besuchen. Vor allem durch den Zustrom von Touristen kann der Sicherheitsabstand oft nicht eingehalten werden. Die niederländische Regierung lehnt zwar eine allgemeine Masken-Pflicht bisher ab, gestattet aber regionale Gebote. Bisher muss in den Niederlanden nur in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Gesichtsmaske getragen werden - dazu gehören auch die Fähren.

Update vom 31.07.2020, 12.15 Uhr: Maskenpflicht an Schulen in Bayern

Wie der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag (31. Juli 2020) bekannt gegeben hat, gilt für das neue Schuljahr eine Maskenpflicht an bayerischen Schulen. Diese gilt dann bis zum Platz im Klassenzimmer - auch in Grundschulen. Bisher gab es nur ein Gebot zum Tragen einer Maske. Je nach Entwicklung der Corona-Pandemie sei regional auch eine Maskenpflicht im Unterricht möglich, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Die Maskenpflicht gehört zum Vier-Stufen-System, welches der Freistaat Bayern zum Schulbeginn am 8. September (Dienstag) einführen wird. Dieses richtet sich nach dem Infektionsgeschehen in den jeweiligen Regionen. Das Ziel sei es aber weiterhin, dass nach den Sommerferien der Regelbetrieb stattfinden kann. Dafür seien jedoch besondere Hygienebedingen notwendig, wie Piazolo betonte. 

Sollten die Infektionszahlen in einer bayerischen Region zu hoch sein, könne es dort auch wieder Distanzunterricht von zu Hause aus geben, was der vierten Stufe entspricht. In den Stufen zwei und drei werden schrittweise zuerst die Maskenpflicht im Unterricht und dann wieder verschärfte Mindestabstände gelten.  Bis Ende Januar 2021 sind mehrtägige Klassenfahrten untersagt. 

Update vom 30.07.2020, 10.15 Uhr: Polizeigewerkschaft: Verpflichtende Tests notfalls auch mit Zwang durchsetzen

Verpflichtende Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer könnten als letztes Mittel von der Polizei mit Gewalt durchgesetzt werden: "Wir müssen letztlich Recht durchsetzen und am Ende auch mit Zwang", sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Donnerstag (30. Juli 2020). "Wenn die Verwaltungsanordnung zur Corona-Testpflicht durch Zwang durchgesetzt werden soll, ist das Aufgabe der Polizei." Die Entscheidung müsse aber auf Landesebene getroffen werden.

Der Gewerkschafter rief Reisende zur Zusammenarbeit auf. "Die Testpflicht erfordert ein hohes Maß an Verständnis von der Bevölkerung, denn so ein Test ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit", sagte Radek. "Grundsätzlich muss man zwischen der körperlichen Unversehrtheit des Einzelnen und den Interessen der Gesellschaft abwägen. Hier haben wir einen Fall, den wir im gesellschaftlichen Miteinander noch nicht hatten." Er rechne aber mit der Bereitschaft zu freiwilligen Corona-Tests, betonte Radek.

Speziell für Rückkehrer aus internationalen Risikogebieten mit hohen Corona-Fallzahlen soll eine Testpflicht bei der Einreise nach Deutschland kommen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine Anordnung dafür angekündigt, die in der nächsten Woche in Kraft treten soll. Die Kosten für die kostenlosen Tests soll voraussichtlich der Staat tragen. Der Bund soll dafür den Zuschuss an die gesetzliche Krankenversicherung erhöhen.

Der Vorsitzende der Linke-Bundestagsfraktion, Dietmar Bartsch, lehnt die geplante Übernahme der Kosten durch den Bund ab. "Es gibt keinen Grund, dass die Verkäuferin oder die Menschen, die aus Vorsicht oder Geldmangel auf eine Auslandsreise verzichtet haben, nun die Kosten für die Tests aller Reisenden mitzahlen sollen", sagte Bartsch dem RND. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte eine schnelle und unbürokratische Lösung. "Wenn wir nicht die Kosten tragen, würden sich die Hochrisikobereiten nicht testen lassen. Also die Menschen, die sich an den Ferienorten, wie zuletzt in Spanien, rücksichtslos verhalten", sagte er dem RND.

Update vom 29.07.2020, 14.45 Uhr: Bund übernimmt Kosten von Corona-Tests für Reiserückkehrer

Die geplanten zusätzlichen Testmöglichkeiten auf das Coronavirus für Reiserückkehrer nach Deutschland will der Bund finanzieren. Die Kosten würden durch einen erhöhten Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Berlin. Die entsprechende Verordnung soll in dieser Woche in Kraft treten. Die Ressortchefs von Bund und Ländern hatten freiwillige Tests für alle Rückkehrer aus dem Ausland beschlossen, die für die Reisenden kostenfrei sein sollen.

Darüber hinaus will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Rückkehrer aus internationalen Risikogebieten mit hohen Fallzahlen eine Testpflicht anordnen. Sie soll in der kommenden Woche in Kraft treten, einen genauen Tag nannte das Ministerium noch nicht. Sie solle so schnell wie möglich kommen, damit sich alle darauf einstellen könnten.

Update vom 28.07.2020, 14.45 Uhr: RKI in Sorge über Fallzahlenanstieg - Sind nachlässig geworden

Abstand, Händehygiene, Alltagsmaske: Nach einem Wiederanstieg der Corona-Infektionszahlen bundesweit hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Bevölkerung zum Einhalten der Verhaltensregeln aufgefordert. Die Entwicklung sei sehr beunruhigend, bekräftigte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. Es gelte nun zu verhindern, dass sich das Virus wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet. "Das schaffen wir nur gemeinsam", sagte Wieler. Menschen seien nachlässig geworden. Zu Tausenden wilde Partys zu feiern, sei "rücksichtlos" und auch "fahrlässig", sagte er. Und auch im Urlaub sei vernünftiges Verhalten gefragt.

Im Unterschied zur letzten Zeit mit einzelnen großen Ausbrüchen sei die Lage derzeit diffus, schilderte RKI-Expertin Ute Rexroth. Beobachtet würden Fallzahlenanstiege in unterschiedlichen Kommunen und Gemeinden - deutschlandweit steckten sich wieder mehr Menschen an. Es bestehe die Sorge, dass sich eine Trendumkehr andeuten könne. Wieler betonte: Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen - aber es könne sein.

"Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie", so Wielers Fazit. Einige Länder, die die Epidemie bereits unter Kontrolle zu haben schienen, verzeichneten wieder steigende Fallzahlen, etwa Australien, Japan und Spanien. Ausschlaggebend sei dort, dass individuelle Schutzmaßnahmen nicht mehr so gut befolgt würden, vor allem unter jüngeren Menschen. Auch Israel erlebe einen "schweren Rückfall".

Das RKI hält Vorbeugung für nötig, damit sich das Virus nicht wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet und die Gesundheitsämter Ausbrüchen nicht hinterherlaufen müssen. Die weitere Entwicklung liege "in unserer Hand", meint Wieler. Er appellierte an die Bundesbürger, die sogenannten Aha-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) einzuhalten. Diese Regeln gelten auch im Freien und auch im Urlaub, wie Wieler betonte. Masken müssten richtig getragen werden, also über Mund und Nase.

Update vom 27.07.2020, 11.00 Uhr: Mehr Tests, höhere Strafen: Söder verkündet neue Corona-Maßnahmen

Die Bayerische Staatsregierung zieht nach einem Corona-Ausbruch auf einem Gemüsehof in Niederbayern Konsequenzen. Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) verkündeten auf einer Pressekonferenz neue Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Hinblick auf landwirtschaftliche Betriebe, aber auch den Beginn der Urlaubszeit. 

In den folgenden drei Bereichen wurden die Corona-Regeln für die Landwirtschaft verschärft:

  • Hygienekonzepte werden überprüft: Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in den Betrieben sollen erneut und unangekündigt überprüft werden. Diese Prüfung übernehmen gemischte Teams aus dem Gesundheitsamt, der Gewerbeaufsicht und der Landwirtschaftsverwaltung.

  • Alle Saisonarbeiter werden getestet: Erntehelfer und sonstige Saisonkräfte müssen sich testen lassen. Wie Huml betonte, seien viele Arbeiter jetzt erst zur Ernte eingereist. Die Tests sollen zügig durchgeführt werden, um weitere Ausbrüche wie in Mamming vorzubeugen. Ähnliche Betriebe wie der aktuelle betroffenen Gemüsehof sollen ebenfalls getestet werden.

  • Bußgeld wird erhöht: Die Geldstrafe für Betriebe, die gegen Corona-Auflagen verstoßen, werden verfünffacht. Verstöße werden also künftig mit 25.000 Euro statt 5000 Euro geahndet. Laut Söder soll somit der Eigenanreiz für Betriebe erhöht werden, die Maßnahmen sorgfältig umzusetzen.

Mit Anfang der Urlaubszeit wurden zudem die Maßnahmen rund um Reise-Rückkehrer ausgeweitet. Die Corona-Tests an Flughäfen sollen für Heimkehrer aus Risikogebieten verpflichtend werden. Aktuell muss die rechtliche Grundlage dafür jedoch noch vom Bund überprüft werden. Zusätzlich sollen in der Näher der bayerischen Grenzübergänge Teststationen aufgebaut werden, wo sich sowohl bayerische Bürger, als auch jegliche andere, freiwillig testen lassen können. Die Hauptbahnhöfe in München und Nürnberg sollen ebenfalls freiwillige Tests für Reisende anbieten.

Die Bewertung von Risikogebieten soll erneut überprüft werden. Sowohl Huml als auch Söder sprachen eine mögliche Eingrenzung der Gebiete an. Es ist also möglich, dass bald Risikogebiete nicht nur nach Ländern, sondern konkret betroffenen Städten oder Regionen, gegliedert werden. Ebenso stehe im Raum, ob Corona-Tests für Reisende aus Risikogebieten, die Pflicht zur 14-tägigen Quarantäne nach der Rückkehr aufheben könnte.

Corona-Zahlen in Bayern: Wo droht der Lockdown?

Söder appellierte nochmals an die Bevölkerung, nicht leichtsinnig mit den Maßnahmen umzugehen. "Wir haben immer gewarnt und es hat sich jetzt bestätigt: Corona ist noch nicht vorbei", so Söder. Insbesondere bei Feiern oder Familienzusammenkünften bat er die Menschen um besondere Vorsicht. Dort sei das Risiko aktuell besonders hoch und wird genau beobachtet. Dicht gedrängte Menschenmengen wie etwa bei Partys sollen weiterhin vermieden werden und falls nötig, werden auch für das private Umfeld strengere Maßnahmen getroffen.

"Corona verzeiht keinen Leichtsinn", sagte Söder. Vor allem junge Menschen nahm er in die Pflicht, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Es sei "medizinisch naiv" zu glauben, junge Menschen seien sicher. Momentan würde zwar die Sterberate durch das Virus sinken, da weniger alte Menschen infiziert sind, aber es stecken sich vermehrt jüngere an. Sie können wiederum andere Menschen anstecken, auch Menschen aus Risikogruppen, und im schlimmsten Fall gesundheitliche Langzeitschäden davontragen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern begrüßte die neuen verschärften  Maßnahmen, kritisierte aber das (zu) späte Handeln des Freistaats. „Die Reaktion der Staatsregierung ist richtig, aber sie kommt reichlich spät", sagte DGB Bayern-Vorsitzender Matthias Jena. "Diese Maßnahmen sind schon lange überfällig. Allerdings reicht es nicht aus, lediglich die Hygienebedingungen am Arbeitsplatz zu kontrollieren, auch die Verhältnisse in den Unterkünften müssen noch stärker auf den Prüfstand. Hier sind die Beschäftigten häufig auf engstem Raum untergebracht, die Hygienestandards sind absolut unzureichend und die Infektionsgefahr ist entsprechend hoch.“ Jena wies darauf hin, dass eine Ausweitung der Kontrollen nur mit ausreichendem Personal umzusetzen sei. Hier habe der Freistaat „massiven Nachholbedarf.“ So mussten im Jahr 2018 Betriebe in Bayern im Durchschnitt nur alle 24,3 Jahre mit einer Kontrolle durch die staatlichen Arbeitsschutzbehörden rechnen. Seit 2007 habe sich dieser Zeitraum laut DGB fast verdreifacht. Während die Zahl der Beschäftigten und Betriebsstätten im Zuständigkeitsbereich der bayerischen Gewerbeaufsichtsämter seit 2007 stark zugenommen habe, sei die Zahl der Aufsichtsbeamten um über ein Fünftel zurückgegangen (von 423 auf 330). In keinem anderen Bundesland kommen laut DGB-Darstellung mehr Beschäftigte auf einen Arbeitsschutz-Kontrolleur.

Update vom 27.07.2020, 8.50 Uhr: Masseninfektion in Bayern: Söder äußert sich zur Corona-Lage

Nach der Coronavirus-Masseninfektion von 174 Erntehelfern auf dem Gemüsehof in Mamming (Niederbayern) will sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag (10 Uhr) zur aktuellen Corona-Lage äußern. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hatte am Sonntag bereits eine Testoffensive für große Bauernhöfe im Freistaat angekündigt.

Der Fall in Mamming im Landkreis Dingolfing-Landau hat Behörden und Politik aufgeschreckt. Auf dem großen Gemüsebauernhof arbeiten derzeit fast 500 Erntehelfer aus mehreren Ländern, über ein Drittel hat sich mit dem dem Coronavirus infiziert. Der Hof steht mittlerweile unter Quarantäne und ist mit einem Bauzaun abgesperrt. Niemand darf das Gelände verlassen, Lebensmittel werden angeliefert.

Den gut 3300 Bewohnern der Gemeinde Mamming bieten die Behörden nun kostenlose Corona-Tests. Da die Erntehelfer wenig Kontakt zur ortsansässigen Bevölkerung hatten, geht das Landratsamt bisher davon aus, dass sich die Infektionen nicht über den Hof hinaus verbreitet haben.

Update vom 26.07.2020, 06.30 Uhr: 174 Erntehelfer auf Hof in Bayern mit Corona infiziert

Auf einem Bauernhof in Niederbayern sind die Infektionszahlen mit dem Coronavirus "Sars-CoV-2" in die Höhe geschnellt. Insgesamt sind auf dem Hof in Mamming (Kreis Dingolfing-Landau) 174 Erntehelfer davon betroffen. Der Betrieb steht derzeit unter Quarantäne. Sprich: Alle 480 Mitarbeiter des Hofes dürfen aktuell nicht das Gelände verlassen. "Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, müssen wir zum Schutz der Bevölkerung leider diesen Schritt gehen", so Landrat Werner Bumeder. Das geht aus Angaben des zustädnigen Landratsamtes hervor. 

Auf dem Bauernhof, wo insbesondere Gurken angebaut werden, fanden am Samstag (25. Juli 2020) bereits Massentests statt. Ein Sicherheitsdienst überwacht die Quarantäne-Maßnahmen vor Ort. 

Update vom 25.07.2020, 20.15 Uhr: Kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer an vier Flughäfen, darunter München

Reiserückkehrer können sich am Flughafen München ab sofort kostenlos auf das neuartige Coronavirus testen lassen. Darauf hat Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml am Samstag (25. Juli 2020) hingewiesen. Huml betonte: „Wir müssen aufpassen, dass Reiserückkehrer keine neuen Infektionen mit nach Hause bringen. Deshalb ist es sinnvoll, sich schon am Flughafen testen zu lassen. Mit der kostenlosen Testmöglichkeit für Reiserückkehrer setzen wir in Bayern den gestrigen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz schon heute um. Denn klar ist: Der Schutz der Bevölkerung vor dem neuartigen Coronavirus hat für uns oberste Priorität.“ 

Die Ministerin hob laut eine Pressemitteilung hervor: „Schon bisher hatten Passagiere am Münchner Flughafen die Möglichkeit, sich kostenpflichtig auf eine mögliche Coronavirus-Infektion testen zu lassen. Entsprechende Tests hatte die Tochtergesellschaft des Flughafens, MediCare, im medizinischen Zentrum des Airports angeboten. Dieses Angebot wird nun kostenfrei vom Freistaat zur Verfügung gestellt.“ Huml ergänzte: „Testungen von Reiserückkehrern sind sinnvoll. In Bayern haben wir schon am 1. Juli die Möglichkeit geschaffen, dass jeder sich kostenlos beim Vertragsarzt testen lassen kann - auch ohne Symptome.“

Neben dem Flughafen München bieten seit Samstag auch die Airports in Düsseldorf, Köln/Bonn und Dortmund erstmals die Möglichkeit an, sich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Bislang gab es die Möglichkeit zum Test bereits in Frankfurt, München und Köln/Bonn, die Reisenden mussten aber selbst dafür bezahlen. Berlin will in der kommenden Woche folgen, auch andere Flughäfen wollen bald nachziehen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lässt prüfen, ob es für Rückkehrer aus dem Ausland auch eine Corona-Testpflicht geben könnte.

Update vom 25.07.2020, 16.00 Uhr: Rekordwert an Neuinfektionen - weltweit mehr als 284.000 Fälle weltweit

Noch nie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sind der Weltgesundheitsorganisation (WHO) innerhalb von 24 Stunden so viele Neuinfektionen gemeldet worden wie am Freitag (24. Juli 2020). Insgesamt waren es 284.196 Fälle, teilte die WHO mit. Mit Abstand die meisten Infektionen verzeichneten die USA und Brasilien, jeweils mehr als 67.000. In Indien waren es fast 50.000, in Südafrika 13.000.

Weltweit waren der WHO seit dem Ausbruch des neuen Virus Ende vergangenen Jahres bis Freitag 15,3 Millionen Infektionen gemeldet worden. Knapp 630.000 Menschen starben nachweislich mit einer Coronavirus-Infektion.

Update vom 25.07.2020, 08.00 Uhr: "Zweite Corona-Welle ist schon da"

Nach Einschätzung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) ist die zweite Corona-Welle bereits in Deutschland angekommen: "Die zweite Corona-Welle ist schon da. Sie findet bereits jeden Tag statt. Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten", sagte er der Rheinischen Post

Man müsse diese neue Welle jeden Tag neu brechen, so Kretschmer. "Das klappt erstaunlich gut", so der CDU-Politiker. Hauptgrund dafür sei, dass Deutschland durch seine förderale Struktur sehr präzise auf der lokalen Ebene reagieren könne. Ganz im Gegenteil zu Nachbarländern wie Frankreich oder Polen: Dort werde zentralistisch entschieden.

"Die Corona-Pandemie ist die erste zentrale gemeinsame Krisenerfahrung in Deutschland. Und das Schöne ist: Die Menschen in Ost und West ticken in dieser Krise gleich", erklärte der sächsische Ministerpräsident im Interview.