Mailand
Coronavirus in Italien

Forscher hat Theorie: Brach das Coronavirus schon vor Januar 2020 aus?

Italien trifft das Coronavirus besonders hart. Täglich gibt es Meldungen von neuen Toten. Doch seit wann wütet "Covid-19" eigentlich dort?
 
Coronavirus - Italien
Trat das Coronavirus in Italien bereits vor Januar 2020 auf? Foto: Claudio Furlan/dpa/LaPresse Foto: Claudio Furlan (LaPresse)

Italien ist der europäische Corona-Hotspot dieser Tage. Über 6000 Menschen sind dort bereits am Coronavirus "Covid-19" gestorben. Obwohl das Land als eines der ersten das öffentliche Leben heruntergefahren hat, breitet sich das Virus weiter aus. Nach einigen Tagen rückläufiger Fälle, steigt die Zahl der Infizierten und Toten wieder an (Stand: 27. März 2020). "Ich weiß nicht, ob wir den Höhepunkt erreicht haben oder ob wir etwas versäumt haben", sagte Attilio Fontana, Präsident der Lobardei-Region, zuletzt.

Der italienische Forscher Adriano Decarli untersucht das Phänomen bereits seit geraumer Zeit. Der Wissenschaftler von der Universität Mailand hat eine Theorie: Das Coronavirus könnte bereits  2019 in Europa ausgebrochen sein.

Coronavirus in Italien: Bereits vor Januar 2020 aufgetreten?

Es habe im dritten Quartal des Jahres 2019 eine erhebliche Anzahl an Lungenentzündungen und Grippeerkrankungen im Norden Italiens gegeben. Das sagte Decarli der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl sei ungewöhnlich, es seien Hunderte Todesfälle mehr als sonst gewesen. Insbesondere die Mailänder Region in der Lombardei erfuhr dieses Phänomen schmerzlich. 

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Um seine Theorie zu prüfen, durchsucht Decarli dutzende Krankenhausakten. Gegenüber Reuters sagte der Forscher: "Wir wollen wissen, ob das Virus Ende 2019 bereits in Italien war, und - falls ja, warum es über einen langen Zeitraum unentdeckt blieb." Sollte sich Decarlis Theorie bewahrheiten und das Coronavirus weit früher in Europa aufgetreten sein, läge die Dunkelziffer der Infektionen wohl deutlich höher, als derzeit bekannt. 

Entgegen Decarlis Theorie argumentiert der Medizinprofessor Paul Hunter. Der Wissenschaftler von der Universität von East Anglia im Osten Großbritanniens hält das Konzept für sehr unwahrscheinlich, wie er gegenüber Reuters sagte. Demnach sei das Coronavirus erstmals im Januar 2020 in Italien aufgetreten.

Im Land selbst wachsen indes die Zweifel an offiziellen Zahlen der Behörden zu Todesfällen. In zahlreiche Gemeinden halten Politiker die Zahl der Infizierten, insbesondere der Todesfälle, für zu niedrig.