Franken
Impfmüdigkeit

Auswertung ergibt: Kinder unzureichend vor Masern geschützt - Bayern bei Impfungen Schlusslicht

Laut Arzneimittelreport der Barmer-Krankenkasse lebten 2017 die meisten Kleinkinder ohne Impfschutz in Bayern. Die Lücken seien größer als bislang angenommen, heißt es. Die Krankenkasse wirft den Eltern indirekt "Impfmüdigkeit" vor.
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Impfmüdigkeit in Bayern? Laut Impfkommission des Robert-Koch-Instituts ist eine Immunisierung gegen Krankheiten wie Röteln und Masern auch in den ersten beiden Lebensjahren empfehlenswert. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa
Impfmüdigkeit in Bayern? Laut Impfkommission des Robert-Koch-Instituts ist eine Immunisierung gegen Krankheiten wie Röteln und Masern auch in den ersten beiden Lebensjahren empfehlenswert. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Die meisten Kleinkinder ohne Impfschutz sind in Bayern zu Hause. So lautet das Ergebnis einer Auswertung der Krankenkasse Barmer. In deren Arzneimittelreport ist davon die Rede, dass die Impflücken größer seien als bisher angenommen.

Laut Pressemitteilung der Barmer-Landesvertretung Bayern vom Donnerstag (9. Januar 2020)

ist es Wissenschaftlern anhand von Abrechnungsdaten zum ersten Mal gelungen, den tatsächlichen Impfstatus bei Kindern und Jugendlichen in Bayern einzusehen. Fazit: In keinem anderen deutschen Bundesland lebten während des Untersuchungszeitraums mehr Kinder ohne jeglichen Impfschutz.

"Gefahrenquelle Impfmüdigkeit": Krankenkasse übt Kritik

"Im Jahr 2017 waren in Bayern rund 6900 Zweijährige ohne vollständigen Masern-Impfschutz. Das ist bundesweit die höchste Anzahl", sagt Professor Dr. Claudia Wöhler, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Bayern. Die Krankenkasse wirft den Eltern indirekt "Impfmüdigkeit" vor und spricht in dem Zusammenhang von einer "Gefahrenquelle". Die Kinder in Bayern seien demnach unzureichend gegen Masern geschützt.

Röteln, Masern, Mumps: Experten empfehlen Immunisierung

Laut Empfehlung der sogenannten Ständigen Impfkommission (STIKO) am Berliner Robert-Koch-Institut ist eine Immunisierung gegen die 13 wichtigsten Infektionskrankheiten wie Röteln, Masern, Mumps, Keuchhusten oder Diphtherie auch in den ersten beiden Lebensjahren ratsam.

"Extrem ansteckende Erkrankung": 110.000 Todesopfer durch Masern

Vor allem bei Masern handelt es sich der Barmer zufolge um eine "extrem ansteckende Erkrankung", die laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation 2017 weltweit 110.000 Todesopfer gefordert hat. Insbesondere Kinder unter einem Jahr seien daran gestorben.

Umgekehrt hätten seit dem Jahr 2000 etwa 21 Millionen Todesfälle durch Impfungen gegen Masern verhindert werden können. Je mehr Menschen immun seien gegen Infektionskrankheiten, umso unwahrscheinlicher werde es, dass sich andere mit den gefährlichen Erregern infizieren.

Zur stärkeren Eindämmung von Masern-Erkrankungen in Deutschland gibt es seit diesem Jahr eine Impfpflicht in Kindergärten und Schulen. Eltern müssen nun vor der Aufnahme ihrer Kinder in Kitas oder Schulen nachweisen, dass diese geimpft sind. Bei Verstößen sollen Bußgelder bis zu 2500 Euro drohen.

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