Aphthen (oft fälschlicherweise "Aphten" geschrieben) im Mund sind sehr unangenehm. Dahinter verbergen sich Bläschen auf der Schleimhaut oder der Zunge. Die Entzündungen heilen in der Regel nach wenigen Tagen ab. Es kann aber auch bis zu zwei Wochen dauern, bis die Aphthen verschwunden sind. Für die Entzündungen sind nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft keine Viren oder Bakterien verantwortlich - die Bläschen sind also nicht ansteckend.

Aphthen: Experte warnt vor Therapie mit Silbernitratlösung

"Bei Aphthen handelt sich um eine überschießende Immunreaktion. Dadurch stirbt Gewebe ab, und die Schleimhaut darüber wird nicht mehr durchblutet", erläutert Prof. Jürgen Becker, Direktor der Poliklinik für zahnärztliche Chirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Er vergleicht es mit einem Sonnenbrand, bei dem sich die Haut schuppt und ebenfalls weiß wird. Im Prinzip entstehen dadurch Löcher in der Mundschleimhaut, und Nervenenden liegen frei - deshalb sind Aphthen so schmerzhaft.

Früher empfahl man als Therapie das Aufträufeln von Silbernitratlösung. Wolfgang Bengel, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde (DGZMK), rät davon ab: "Das verätzt lediglich Nervenendigungen." Oft werde es dadurch sogar schlimmer. Einige Zahnärzte tragen die Aphthen mit einem Laser ab. Viele Patienten wiederum schwören auf das regelmäßige Ausspülen der Mundhöhle mit Speiseöl, mit Kamillenextrakt oder antibakteriellen Mundspüllösungen. "Es gibt aber bisher keine Studien, die belegen, dass all diese Methoden tatsächlich einen Einfluss haben", sagt Bengel. Außerdem: "Richtige Aphthenpatienten können spülen, womit sie wollen - sie erfahren keine Linderung."

Bei Majoraphthen sollten Patienten zum Zahnarzt gehen

Denn neben den üblichen kleinen, hin und wieder auftretenden Aphthen gibt es auch drastische Fälle, erläutert Becker. Dazu gehören immer wiederkehrende Aphthen, bei denen der Patient nur selten schmerzfrei ist, sowie sogenannte Majoraphthen: Aphthen von bis zu einem Zentimeter Ausmaß.

Becker empfiehlt, sich in solchen Fällen in jedem Fall an einen Zahnarzt zu wenden: "Wenn man öfters mit Aphthen konfrontiert ist, sollte man sich eine Kortisonsalbe verschreiben lassen und diese frühzeitig auf die Aphthe auftragen", rät er. Kortison schwächt die entzündliche Reaktion ab und ist auch laut Bengel die "einzige seriöse Therapie bei Aphthen."

Kortison und spezielle Zahnpasta gegen Entzündungen

Kortison hat allerdings einen schlechten Ruf - sowohl Becker und Bengel versichern aber, dass bei einer örtlich und zeitlich begrenzten Anwendung im Normalfall keine Nebenwirkungen zu erwarten sind. Nur sehr selten - in wirklich schlimmen Fällen - greifen Zahnärzte als letztes Mittel zu Kortisontabletten.

Becker empfiehlt außerdem teure Spezialzahnpasten gegen Aphthen, die es in der Apotheke oder im Internet zu kaufen gibt. Diese enthalten keine schäumenden Stoffe und sollen dadurch die Schleimhaut schonen. Auch Martin Wagner hat diese Zahncreme ausprobiert und glaubt, dass er damit weniger Aphthen bekommt. Aber Bengel warnt: "Keine Studie hat bisher beweisen können, dass solche Zahnpasten tatsächlich Aphthen vorbeugen." Und er fügt hinzu: "Es wäre ein Segen, wenn es so ein vorbeugendes Mittel gäbe."

Hautärzte: Bestimmte Lebensmittel begünstigen Aphthen

Die Hautärzte Andreas Altenburg und Prof. Christos Zouboulis vom Städtischen Klinikum Dessau schreiben im Fachmagazin "Skin Therapy Letter", dass bestimmte Lebensmittel den Ausbruch neuer Aphthen auslösen können und das Abheilen bestehender Aphthen erschweren. Zu den Verdächtigen zählen sie harte, saure, salzige oder stark gewürzte Speisen sowie Schokolade und Alkoholika. Jeder muss allerdings selbst herausfinden, ob es bei ihm einen Zusammenhang gibt - und die entsprechenden Nahrungsmittel dann meiden.

Zwar weiß bisher niemand, woher Aphthen kommen und wie man ihnen sicher vorbeugt. Aber wer öfters an Aphthen leidet, kann dennoch beruhigt sein: "Aphthen stellen kein Indiz für eine schwerwiegende Erkrankung dar", sagt Becker. "Sie sind einfach schlicht und ergreifend häufig und unangenehm."