• Grundlegendes über die Schulpflicht
  • Anzeichen einer Angst
  • Möglicher Ursprung der Angst
  • Hilfestellung geben
  • Fazit

Die Schulzeit ist nicht für jedes Kind einfach zu bewältigen. Es gibt verschiedene Gründe, die dafür sorgen können, dass dein Kind Angst vor der Schule bekommt. Wie du diese Angst erkennst und wie du eine Hilfestellung bieten kannst, verraten wir dir.

Kurzüberblick und die Anzeichen einer Schulangst

In Deutschland gibt es seit dem Jahr 1919 eine Schulpflicht. Diese beträgt üblicherweise zwölf Jahre und kann sich aus Teilzeit- und Vollzeitschulpflicht zusammensetzen. Unter den Begriff der Vollzeitschulpflicht fällt der Besuch der Grundschule sowie der weiterführenden Schule. Je nach Bundesland beträgt die Dauer 9 oder 10 Jahre. In Bayern sind es 9 Jahre Voll­zeit­schul­pflicht. Doch nicht für alle Kinder ist der Gang in die Schule einfach. Eine Schulangst ist nicht selten: Allein in Deutschland leiden dem DAK Kinder- und Jugendreport 2018 zufolge etwa 3,5 Prozent der rund 11 Millionen Schulkinder darunter. Hat dein Kind eine Angst vor der Schule entwickelt, stellt das auch dich als Elternteil vor eine Herausforderung.

Von einer Schulangst spricht man dann, wenn der Besuch der Schule bei Kindern sowohl psychische als auch psychosomatische Reaktionen hervorruft. Letztere meinen Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen. Je nachdem, ob es sich um eine Leistungsangst oder eine soziale Angst handelt, zeigen sich verschiedene Anzeichen. Hat dein Kind eine ausgeprägte Leistungsangst, macht sich diese in Form der Prüfungs- und Versagensangst bemerkbar. Der Angstzustand, insbesondere in der Zeit vor der Prüfung, macht sich durch eine Häufung von Äußerungen wie "Ich werde niemals bestehen" bemerkbar. In vielen Fällen ist es nicht einmal die Prüfung selbst, welche die Unsicherheit hervorruft, sondern der Gedanke an das eigene Versagen. Neben starken Gefühlen von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung machen sich körperliche Anzeichen wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Zittern, Harndrang und Schlaf- und Konzentrationsstörungen bemerkbar. Als häufige Verhaltensanzeichen gelten neben dem sozialen Rückzug das Vermeidungsverhalten, Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfehler, Tagträumen und Trödeln als typisch.

Steckt eine soziale Angst dahinter, machen sich darüber hinaus weitere Anzeichen und Verhaltensmuster bemerkbar. Die Angst, sich vor dem sozialen Umfeld in der Schule zu blamieren, prägt den Alltag des Kindes. Aus der Befürchtung heraus, ständig bewertet und beobachtet zu werden, folgen meist Verlegenheit, Scham und Publikumsangst. In Kontakt mit anderen Menschen machen sich unter anderem Schüchternheit sowie eine Vermeidung des Blickkontaktes bemerkbar. Den Lehrkräften fällt das Kind im Unterricht in der Regel als ungewöhnlich ruhig auf; wird es zum Sprechen aufgefordert, ist die Äußerung oft sehr leise, leicht gestottert und/oder undeutlich. Außerschulische Aktivitäten werden von Kindern mit einer sozialen Angst größtenteils gemieden, da sie sich vor Ablehnung und Spott fürchten.

Ursachen hinter der Angst und wie du helfen kannst

Hinter der Leistungsangst steckt in vielen Fällen schulische Überforderung als Ursache. Fühlt sich das Kind den Aufgaben nicht gewachsen oder hat das Gefühl, große Wissenslücken zu haben, kann dies in einer permanenten Angst vor dem Versagen gipfeln. Wissenslücken können unter anderem die Folge eines Schulwechsels, einer längeren Krankheit oder einer ungeeigneten Schulform sein. Nicht unbedacht bleiben sollte auch die Möglichkeit einer Lernschwäche: Hat dein Kind beispielsweise eine Teilleistungsschwäche wie eine Lese-Rechtschreibstörung oder eine Lernstörung im Rahmen einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Störung (ADHS), ist es nicht unwahrscheinlich, dass es Sorge hat, eine Prüfung nicht so gut wie die Mitschüler*innen bestehen zu können. Weitere Ursachen für eine Leistungsangst können zu hohe Erwartungen seitens der Eltern sein. Wird die Messlatte sehr hoch gesetzt, ist es verständlich, dass das Kind Bedenken hat, diese nicht erfüllen zu können.

Bewegt sich die Angst deines Kindes eher im Rahmen einer sozialen Angst, kann diese aus einem geringen Selbstwertgefühl oder einer Angst vor Kritik zeugen. Ist ein Kind sozial sehr ängstlich, kann es sich in der Regel nur schwer gegen Mobbing oder Spott wehren. Belastende Ereignisse können in den individuellen Situationen dazu beitragen, dass die soziale Angst entsteht oder sich verstärkt. Dies kann zum Beispiel schon dann der Fall sein, wenn dein Kind eine Brotbox auf dem Pausenhof fallen lässt und von den anderen Kindern laut ausgelacht wird.

Um gegen eine Schulangst vorzugehen, bedarf es einer engen Zusammenarbeit von Kindern, Eltern, Lehrkräften und Therapeut*innen. Möchte dein Kind nicht in die Schule gehen, ist es zunächst wichtig, dass du dem Wunsch nicht nachgehst. Besser ist es, auf eine sensible Weise vorzugehen und dein Kind zum Schulbesuch zu motivieren. Es hilfreich, wenn du versuchst, dich als Elternteil noch einmal in deine eigene Schulzeit zurückzuversetzen. Dies hilft dir, besser zu verstehen, womit dein Kind in der Schule konfrontiert werden könnte. Sicher hast du in deiner Schulzeit auch einmal hohen Leistungsdruck erlebt oder Schwierigkeiten mit dem sozialen Umfeld gehabt. In der Schule solltest du dich erkundigen, ob es eine*n Schulpsycholog*in gibt. Ist dies nicht der Fall, können Beratungsstellen sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen weitere Hilfestellung bieten. Wird eine Schulphobie festgestellt, ist es wichtig, dass die weitere Behandlung so schnell wie möglich beginnt. Dabei wird beispielsweise gelernt, wie die Angst bewältigt werden kann, wie dein Kind neue und positive Erfahrungen machen sowie das Selbstwertgefühl stärken kann. Ein Schulwechsel kann dann sinnvoll sein, wenn die Ursache für die Angst eine falsche Schulform ist oder sich dein Kind im sozialen Umfeld nicht zurechtfinden kann. Bei Wissenslücken kann beispielsweise Nachhilfeunterricht eine Lösung sein. Steckt eine Lernschwäche dahinter, kann eine individuelle Förderung helfen, deinem Kind die Angst zu nehmen. Je nach Fall kann auch eine Familien- und Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Vielleicht findet sich in der Schule zudem eine Lehrkraft, die zukünftig die Ansprechperson für dein Kind darstellen könnte, bis sich die Angst gelegt hat.

Fazit

Grundsätzlich ist eine authentische und offene Kommunikation zwischen dir und deinem Kind von enormer Bedeutung. Es ist wichtig, dass du deinem Kind zuhörst, dass du Verständnis für die Probleme und Unsicherheiten zeigst. Gemeinsam könnt ihr im Anschluss nach einer Lösung suchen, die die Schulangst zukünftig der Vergangenheit zugehörig macht. Schulangst macht sich bei allen Schüler*innen anders bemerkbar und hat unterschiedliche Ursachen. Wichtig ist immer, individuell auf das Kind einzugehen und sich mit Expert*innen sowie den Lehrkräften zu beraten.