Die Vorsitzende der Ärztevereinigung Marburger Bund, Susanne Johna, macht sich in der Corona-Krise Sorgen über die Gesundheit der Beschäftigten in den Krankenhäusern.

„Entscheidend für die Versorgung der Bevölkerung ist, dass das Personal in den Kliniken gesund bleibt und die Belastung durchhält“, sagte die Internistin und Krankenhaushygienikerin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wer an Covid-19 erkranke, könne für mehr als zwei Wochen ausfallen. „Aus diesem Grund ist die Schutzkleidung für Ärzte und Pflegekräfte das A und O“, sagte die Ärztin. Doch gebe es hier einen akuten Mangel und Lieferengpässe, so dass das Robert Koch-Institut inzwischen seine Empfehlungen für Schutzmaßnahmen herabsenke.

Akuter Mangel und Lieferengpässe: Wird das Krankenhauspersonal nicht ausreichend geschützt?

Um den Belastungen in den nächsten Wochen und Monaten gewachsen zu sein, finden nach Johnas Angaben in den Krankenhäusern intensive Schulungen statt. Denn das Klinikpersonal müsse insgesamt in der Lage sein, die Fachkräfte auf den Intensivstationen zu unterstützen und im Notfall auch zu ersetzen. „Es melden sich auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Ruhestand, die wir ebenfalls schulen“, sagte Johna, die im November 2019 zur Bundesvorsitzenden der Ärztegewerkschaft gewählt wurde.

Insgesamt kämen die Krankenhäuser mit den Vorbereitungen auf eine wachsende Zahl an Intensivpatienten gut voran. Die Rüdesheimer Klinikärztin zeigte sich optimistisch, dass die geplante Aufrüstung von 28.000 Intensivbetten auf 50.000 Betten gelingen kann, wenn die vom Bundesgesundheitsministerium bestellten Beatmungsgeräte rechtzeitig geliefert werden. Bis jetzt habe die Belastung durch Corona-Patienten in den Krankenhäusern langsamer zugenommen, als das erwartet worden sei.

Als großen Vorteil erwiesen sich in der Corona-Krise die Reservekapazitäten im Gesundheitswesen. So hätten die Krankenhäuser in Deutschland eine durchschnittliche Belegung von knapp 80 Prozent, wohingegen in anderen europäischen Staaten Krankenhäuser im Schnitt auf eine Auslastung von 85 bis 90 Prozent ausweisen. „Gerade diese Tatsache wurde bis vor wenigen Monaten noch massiv kritisiert, etwa in einer Studie der Bertelsmann Stiftung“, erinnert Johna. „In der Corona-Krise sind wir nun heilfroh, dass wir diese Reserven haben.“ Die Marburger-Bund-Chefin äußerte Zweifel, dass die von der Bundesregierung beschlossenen finanziellen Hilfen während der Corona-Epidemie allen Kliniken reichen werden. Insbesondere große Häuser könnten damit die steigenden Kosten nicht decken, sagte sie. „Und bei privaten Trägern kann ich mir vorstellen, dass sie regional aus der Gesundheitsversorgung von Corona-Patienten aussteigen, wenn sich das für sie nicht rechnet.“

AWO: Pflegediensten droht wegen Schutzkleidung-Mangel das Aus 

Ambulante Pflegedienste brauchen nach Aussage der bayerischen Arbeiterwohlfahrt (AWO) ebenso dringend mehr Schutzmaterial gegen das Coronavirus. „Es wäre fatal, wenn Menschen nur deshalb ins Krankenhaus müssten, weil ihre Pfleger ihnen die tägliche Insulin-Spritze nicht mehr geben können – und das nur, weil sie keinen Mundschutz haben“, teilte Andreas Czerny, Landesgeschäftsführer der AWO, am Montag mit. Atemschutzmasken, Schutzkittel und -brillen seien bei den ambulanten Diensten besorgniserregend rar.

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 „Sie werden bei der Verteilung noch weniger bedacht als die stationären Einrichtungen, wo dieses unverzichtbare Material nach wie vor Mangelware ist“, schildert Czerny. Ohne Schutzkleidung könnten die Pflegefachkräfte ihre Arbeit jedoch nicht verrichten. „Zu hoch ist das Risiko einer Infektion, vor allem für die Pflegebedürftigen“, heißt es in der Mitteilung. Ambulante Pflegefachkräfte unterstützen hilfsbedürftige Menschen Zuhause, etwa indem sie beim An- und Ausziehen helfen oder Verbandswechsel vornehmen.