Morgens nach dem Aufstehen kommt die Lust auf einen Tee oder Kaffee. Im Wasserkocher befindet sich aber noch Restwasser vom Vortag. Statt das Wasser ein zweites Mal aufzukochen, landet es im Ausguss - so zumindest bei der Mehrheit der Deutschen: 59 Prozent der Bundesbürger scheuen abgestandenes Wasser und schütten es weg.

Lieber füllen sie frisches Wasser in den Wasserkocher, statt das Alte erneut aufzukochen. Sie fürchten sich vor Keimen und im Wasser gelösten Schadstoffen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von SGS Institut Fresenius.

Die restliche Menschheit denkt darüber eher nicht nach - und kocht den Rest ein zweites Mal oder sogar drittes Mal erneut auf. Genau davor warnen aber Hersteller in ihren Bedienungsanleitungen. Nur warum?

Wasser enthält weniger Mineralstoffe

Dafür gibt es laut der Wochenzeitung "Zeit" zwei Gründe: Der Harmlosere ist, dass beim Aufkochen des Wassers bestimmte Gase und Mineralien, die im Wasser gelöst sind, verschwinden.

Je öfter das Wasser gekocht wird, desto weniger Sauerstoff, Kohlendioxid, Calcium und Magnesium ist darin enthalten - und das beeinträchtig den Geschmack. Wenn Tee oder gekochte Nudeln etwas fad schmecken, könnte es also tatsächlich am Wasser liegen.

Risiko durch Giftstoffe

Was kann überhaupt Schlimmes mit Wasser passieren, das man zum zweiten Mal kocht? Vergiftet es den Kaffee oder Tee?

Rein chemisch passiert beim Kochen von Wasser nicht viel, was dem Konsumenten Sorgen machen müsste: Gelöste Gase wie Sauerstoff und Kohlendioxid werden entfernt. Ein Teil des gelösten Kalks fällt dabei aus und setzt sich am Boden des Kochgefäßes ab.

Wohlgemerkt, das passiert schon beim ersten Kochen - danach tut sich nicht mehr viel, egal, ob man das Wasser zweimal, dreimal oder zehnmal kocht.

Nicht nur beim Aufkochen von Wasser gibt es etwas zu beachten: Auch beim Trinken von Tee, Wasser, Kaffee und Co. gibt es Angewohnheiten, die dem Körper schaden können.

Hersteller empfehlen Wasser nicht zweimal aufzucken

Trotzdem steht oft in der Anleitung von Wasserkochern, man solle kein Restwasser benutzen, das sich im Gerät befindet. Dabei geht es aber eher um Schadstoffe, die beim langen Stehen vom Gerät ins Wasser übergehen können.

Zu nennen sind hier besonders zwei Stoffe, wie die "Zeit" weiter berichtet: Kocher aus Edelstahl können Spuren von Nickel ans Wasser abgeben, auf das manche Menschen allergisch reagieren.

Ist der Wasserkocher aus Kunststoff, dann wurden oft Substanzen wie Bisphenol A (BPA) im Wasser gefunden, das im Verdacht steht, in den Hormonhaushalt des Menschen einzugreifen.

Bisphenol A - gefährlich oder nicht?

Hormonell wirksame Chemikalien wie Bisphenol A (BPA) könnten zu Fettleibigkeit und Diabetes führen - so lautet die neueste Meldung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Beweislage ist in diesem Fall nach Angaben der "Zeit" allerdings dürftig: Die Umweltschützer berufen sich auf eine Veröffentlichung der britischen Umweltorganisation ChemTrust.

Bei deren Report handelt es sich aber nicht um eine Forschungsarbeit, sondern um eine zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien. Dass BPA beim Menschen Fettleibigkeit oder Diabetes auslöst, konnte in keiner der zitierten Arbeiten nachgewiesen werden.

Wasserkocher von Herstellern nachgerüstet

Der ChemTrust spricht daher auch nur von einem möglichen Zusammenhang. Versuche an Nagern haben zwar gezeigt, dass BPA den Stoffwechsel der Tiere beeinflussen kann, aber schon weil unser Körper BPA ganz anders verarbeitet, sind die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar.

Nachdem aber einige Wasserkocher schlechte Umweltnoten bekommen hatten, scheinen die Hersteller nachgebessert zu haben: Auch nach 24-stündiger Standzeit fand die Stiftung Warentest in keinem der 18 untersuchten Geräte Schadstoffspuren, die über den gesetzlichen Grenzwerten lagen.

Alle bekamen mindestens ein "Befriedigend" in der Gesundheitskategorie.