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Pflege

7/7-Arbeitszeitmodell

Sieben Tage arbeiten, sieben Tage Pause - welche Vor- und Nachteile das 7/7-Arbeitszeitmodell für die Mitarbeitenden der Pflegebranche mit sich bringt.
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Nurse caring for elderly person
Foto: Fotolia/Ingo Bartussek

Nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels ist die Pflegebranche eine Branche, die für das Wohl der Gesellschaft immens wichtig ist und immer mehr an Bedeutung gewinnt. Doch es gibt viele Faktoren, die die Work-Life-Balance der Pflegekräfte – und somit auch die Qualität der Pflege – beeinträchtigen.

Unregelmäßige Dienstzeiten, wenig planbare freie Tage oder kurzfristiges Einspringen bei Kollegenausfällen sind keine Seltenheit. Eine Möglichkeit zur Verbesserung dieser angespannten Situation ist mit dem 7/7-Arbeitszeitmodell entwickelt worden. Wie der Name schon erahnen lässt, arbeiten Pflegekräfte im Rahmen des 7/7-Modells an sieben aufeinanderfolgenden Tagen und haben anschließend sieben Tage frei. Anders als bei üblichen Arbeitszeitmodellen beträgt die Arbeitszeit pro Tag zehn Stunden plus zwei Stunden Pausenzeit. Basierend auf einer 35-Stunden-Woche wird nun also die Arbeit von zwei Wochen in einer Woche erledigt.

Um für Struktur und Klarheit zu sorgen, werden die Arbeitszeiten meist bereits für das gesamte Jahr geplant. Das Modell bringt viele Vorteile mit sich – sowohl für Arbeitnehmer und Arbeitgeber als auch für die Pflegebedürftigen.

Bessere Planbarkeit

Einer der größten Pluspunkte ist, dass sich ein besseres Verhältnis zwischen Pflegekraft und Patient aufbaut, da dieselbe Pflegekraft den ganzen Tag beziehungsweise die ganze Nacht und jeden Tag beziehungsweise jede Nacht der Woche für den zu Pflegenden da ist. Außerdem können aufgrund der langen Arbeitstage die Aufgaben besser verteilt werden, Probleme der Patienten können besser geklärt werden und Informationen gehen seltener verloren.

Durch die Vorausplanung der Dienstzeiten für ein gesamtes Jahr können Arbeitnehmer ihre Freizeit und ihren Urlaub deutlich besser planen. So ist beispielsweise ein dreiwöchiger Urlaub mit nur einer Woche „genommenem Urlaub“ möglich. Ein Einspringen außerhalb der geplanten Dienstzeit ist nicht angedacht. Die Dienstpläne können so einfacher gestaltet werden und bieten für alle Seiten eine bessere Planbarkeit.

Einrichtungen, die das 7/7-Arbeitszeitmodell bereits anwenden, berichten von einer erhöhten Zufriedenheit beim Personal und verringerten Krankenständen. Auch die Pflegebedürftigen stehen dem Modell positiv gegenüber, da weniger Zeitdruck herrscht und wieder mehr Zeit für menschliche Interaktionen bleibt.

Anstrengende Umstellung

Trotz all der erfreulichen Punkte hat das Modell jedoch auch negative Aspekte, die bedacht werden müssen. Zum einen ist eine Umstellung von herkömmlichen Arbeitszeitmodellen zum 7/7-Modell besonders für die Pflegekräfte zu Beginn mitunter ungewohnt und anstrengend. Es kann bis zu zwölf Wochen dauern, sich an die neuen Arbeitszeiten zu gewöhnen. Auch über die Arbeitswoche hinaus ist die Belastung während der Dienstwochen für die Arbeitskräfte sehr hoch und Ermüdung und Erschöpfung können gegen Ende einer Arbeitswoche auftreten. Zum anderen ist das Modell je nach privater Situation nicht für jede Pflegekraft geeignet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn sehr kleine Kinder oder ein pflegebedürftiger Angehöriger allein betreut werden müssen.

Trotz der höheren Belastungen während der Arbeitswoche ist das 7/7-Modell in den meisten Fällen ein voller Erfolg und wird von der Mehrheit der Pflegekräfte und der Pflegebedürftigen bisherigen Arbeitszeitmodellen vorgezogen. Ob das Modell jedoch in einer Pflegeeinrichtung wirklich erfolgreich umgesetzt werden kann, hängt stark von der Mitarbeiterstruktur einer Einrichtung ab. Ist die Mehrzahl der Arbeitnehmer für die Implementierung des Modells geeignet, sollte über eine Umsetzung aktiv nachgedacht werden. Meist lassen sich sogar einzelne Sonderregelungen mit abweichenden Arbeitszeiten gut in das 7/7-Arbeitszeitmodell integrieren.

Abschließend sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Arbeitszeitmodell kein Wundermittel ist und somit auch nicht alle Probleme der Pflegebranche wie zum Beispiel das Problem des Fachkräftemangels lösen kann. Ein Schritt in die richtige Richtung kann es jedoch allemal sein.

Anna Traut



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