Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung Landwirtschaft, warnt die Bundesregierung in einem Brief vor möglichen Engpässen in der Lebensmittelversorgung. Sie schlägt allerdings nicht nur Alarm, sondern zeigt auch einen Plan auf, wie die Situation bewältigt werden könnte. "Die Lebensmittelversorgung müssen wir in Takt halten", mahnt Klöckner an, wie Business Insider berichtet.

Insbesondere mögliche Engpässe bei Gemüse bereiten der Ministerin Sorgenfalten: "Was nicht gesät, gepflanzt, geerntet, verarbeitet und transportiert wird, fehlt am Ende zur Versorgung unserer Bevölkerung." Klöckner spielt darauf an, dass sich die Lage ab Mai 2020 zuspitzen könnte.

Lebensmittel-Engpässe wegen Coronavirus: Klöckners 11-Punkte-Plan

Bei vielen Grundnahrungsmitteln liege der Selbstversorgungsgrad bei 100 Prozent. Bei Obst und Gemüse hingegen liegt diese nur bei 40 Prozent. Sprich: Es besteht eine Abhängigkeit zum globalen Markt. Neben einem möglichen Mangel an Obst und Gemüse, warnt Glöckner vor einem "massiven Engpass an Arbeitskräften". Insbesondere Saisonarbeiter fehlen massenhaft.

Aus diesen Gründen wurde ein 11-Punkte-Plan verfasst:

  • Betriebe der Lebensmittelbranche sollen als "systemrelevante Infrastruktur" anerkannt werden.
  • 115 statt 70 Tage: Saisonarbeiter sollen an mehr Tagen sozialversicherungsfrei in Deutschland arbeiten dürfen.
  • Bezieht ein Arbeitnehmer aus der Landwirtschaft Kurzarbeitergeld, soll dieses bis zur Höhe des bisherigen Lohns ohne Abzüge kassiert werden dürfen.
  • Mit der Vermittlungsplattform "daslandhilft.de" möchte das Landwirtschaftsministerium zusätzlich im Netz informieren und Jobsuchende vernetzen.
  • Vorruheständler: Die Hinzuverdienstgrenze soll deutlich angehoben werden.
  • Arbeitnehmerüberlassungen sind ohne Erlaubnis möglich: So sollen Personalverschiebungen von der Automobilindustrie in die Landwirtschaft möglich sein.
  • Die Arbeitszeiten sollen flexibler gehandhabt werden - insbesondere in befristeten Verhältnissen.
  • Ein Programm der landwirtschaftlichen Rentenbank soll die Liquidität der Betriebe sichern: Bei Hausbanken können beispielsweise Darlehen mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren, inklusive eines Tilgungsfreijahres, beantragt werden. Besteht bereits ein Darlehen darf zudem der Tilgungsantrag bis Ende März ausgesetzt werden.
  • Keine Kündigung der Ackerflächen bis Ende Juni: Wie bereits für Mieter beschlossen, sollen auch Ackerflächen von Anfang April bis Ende Juni unkündbar sein.
  • Das Bundesprogramm "Corona-Soforthilfe" soll auch für Kleinstunternehmen, mit bis zu zehn Mitarbeitern, nutzbar sein.
  • Sicherung des Warenverkehrs: Die Bundesländer sollen aufgefordert werden, Lebensmitteltransporte bevorzugt zu behandeln. Zusätzlich soll eine gesonderte Spur für innergemeinschaftliche Transporte ermöglicht werden.

Im Zuge von Hamsterkäufen in den Supermärkten, gab es in den vergangenen Wochen bereits Bedenken bezüglich der Versorgung: Das sagt der "Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels" dazu.