Laden...
Anzeige
Tag des Bieres

Vom Zufallsprodukt zum Exportschlager

Die Geschichte des Bieres beginnt vor über 6000 Jahren. Ein Meilenstein war das Reinheitsgebot, an das mit dem "Tag des Bieres" am 23. April erinnert wird.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Hetizia - stock.adobe.com
Foto: Hetizia - stock.adobe.com

Die Geschichte des Bieres reicht weit zurück. So handelt es sich beim Vorläufer des beliebten Getränkes circa 4000 vor Christus um ein zufälliges Produkt. Durch Gärung eines vergessenen Brotteiges entstand eine klebrige und berauschende Masse - der Vorgänger des Bieres. Um 2000 vor Christus beschreiben erste keilschriftliche Aufzeichnungen die Herstellung größerer Mengen. Zur gleichen Zeit ist im Gilgamisch-Epos die Rede von Bier als Teil des modernen und kultivierten Menschen. Wandmalereien und Schriftzeichen dokumentieren die Beliebtheit des Getränkes in Ägypten. Bieramphoren aus der Zeit um 800 vor Christus belegen den Bierkonsum unter den Germanen. Neben dem Brotbacken war Bierbrauen zu Beginn Frauensache. Gelang der Hausherrin ein besonders gutes Bier, so lud sie zum Bierkränzchen ein. Daraus entstand später das Kaffeekränzchen.

Braukunst im Mittelalter

Im Mittelalter wurde Bier vor allem in Klöstern gebraut. Schon im neunten Jahrhundert sollen Mönche das Getränk hergestellt haben. Erstes erwähntes Braukloster ist St. Gallen in der Schweiz. Dieses diente als Vorbild für deutsche Klosterbrauereien. Doch die Mönche brauten nicht nur, sie tranken das von ihnen hergestellte Bier auch gerne. So sollen Klosterinsassen bis zu fünf Maß am Tag getrunken haben. Frei nach dem Motto "Was flüssig ist, bricht kein Fasten" umgingen sie mit dem starken und nahrhaften Bier die Einschränkungen der Fastenzeit. Um Legitimation vom Papst zu erhalten, schickten die Glaubensbrüder angeblich eine Probe ihres Bieres nach Rom. Dem langen Weg geschuldet, kam das Getränk sauer beim Papst an. Aufgrund des schlechten Geschmacks sah dieser das Bier eher als Buße und nicht als Genuss an und erteilte die Erlaubnis, es auch während der Fastenzeit zu konsumieren. Ganz zur Freude der Mönche, deren Braukunst bald florierte und ihnen Ruhm einbrachte.

Mit der Zeit wurden die Klosterbrauereien zu lukrativen Wirtschaftsbetrieben. Doch es gab auch bürgerliche Brauereien und Gaststätten, welche die Klöster als Konkurrenz ansahen. Da die Klosterbrauereien anders als die Brauereien in Städten und Gemeinden keine Steuern abführen mussten, beeinträchtigten sie die Steuerquelle der Fürsten. Somit wurde der öffentliche Verkauf von Bier in Klöstern durch einige Landesfürsten verboten. Die Säkularisation bedeutete das Ende für die klösterlichen Brauereien.

Bier als Exportschlager

Heute bestehen nur noch einige wenige bierbrauende Klöster. Das Braugewerbe entwickelte sich in Deutschland dennoch zu einem angesehenen Handelszweig und auch der Export nahm zu. Hamburg, das "Brauhaus der Hanse", zählte um 1500 rund 600 Brauereien und exportierte Bier bis nach Indien. Die ehemalige Hansestadt Einbeck gilt als Geburtsstätte des Bockbieres. Dieses war auch bei den Bayernherzögen beliebt. So sehr, dass sie den Braumeister abwarben und diesen fortan in München brauen ließen. Das damalige Bier ist jedoch nicht mit dem heutigen Getränk zu vergleichen. Hopfen wurde eher selten verwendet, Kräuter wurden dem Gebräu dagegen häufig beigesetzt. Manchmal sogar halluzinogene oder gar giftige Substanzen - vermutlich einer der Gründe für das Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516. Noch heute wird mit dem "Tag des Bieres" am 23. April an diesen historischen Meilenstein erinnert.

Die industrielle Revolution

Die industrielle Revolution brachte Änderungen mit sich, die es erlaubten, Bier nach heutigen Vorstellungen zu brauen. Und auch die 1765 von James Watt erfundene Dampfmaschine spielte im 19. und 20. Jahrhundert eine bedeutende Rolle für den Bierhandel. Es entstanden sogenannte "Dampfbierbrauereien" und am 11. Juli 1835 verkehrte auf der Strecke zwischen Nürnberg und Fürth eine Dampfmaschine als Frachtlokomotive. Ihr transportiertes Gut, das erste auf deutschen Schienen, war natürlich Bier.

Eine weitere wichtige Erfindung dieser Zeit stellte die Kältemaschine dar. Der Münchner Carl von Linde erfand diese 1876 und veränderte damit die Kunst des Bierbrauens. Das Bier musste nun nicht mehr mit Natureis aus dem Winter gekühlt werden. Zudem war das Brauen mit untergäriger Hefe, die eine deutlich geringere Brautemperatur erfor dert als obergärige Hefe, möglich.

Viele Neuerungen verbesserten die Qualität des beliebten Getränkes und erlaubten den Brauereien, größere Mengen herzustellen und diese abzufüllen. Bier wurde zum industriell gefertigten Massenprodukt. Auch die verwendeten Gefäße wandelten sich im Laufe der Zeit. Aus Holzfässern wurden Metallfässer und schließlich setzte sich Edelstahl durch.

Heute gibt es in Deutschland etwa 1500 Braustätten, die aus den im Reinheitsgebot festgeschriebenen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe eine außerordentliche Biervielfalt herstellen. Das einstige Zufallsprodukt aus längst vergangenen Zeiten ist heute nicht mehr wegzudenken. Johanna Reinl