Gütersloh
Irreführung

Verbraucherzentrale kritisiert "Schweinerei": Hersteller verkauft Geflügelsalami mit Schweinefleisch

Die Verbraucherzentrale kritisiert eine Fleischwarenfabrik für ihre "Geflügelsalami" mit Schweinespeck, denn der wird erst im Kleingedruckten angegeben. Eine "Schweinerei" findet die Verbraucherzentrale.
Geflügelsalami enthält Schweinefleisch - Verbraucherschützer sind entsetzt
Dass in der Geflügelsalami Schweinespeck enthalten ist, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Symbolbild Foto: congerdesign / pixabay.com

Wer Geflügelsalami kauft, kann nicht sicher sein, dass er kein Produkt mit Schweinefleisch bekommt. Die Fleischwarenfabrik aus Versmold/Peckeloh, die Franz Wiltmann GmbH & Co. KG aus Nordrhein-Westfalen, produziert eine "Geflügelsalami", die Schweinespeck enthält. Auf der Vorderseite des Produktes steht ausschließlich in fett gedruckten Lettern "Geflügelsalami".

Nimmt man das Produkt jedoch aus dem Regal und liest das Kleingedruckte auf der Rückseite der Verpackung, zeigt sich, dass auch Schweinespeck enthalten ist. Auch in der Zutatenliste ist der Schweinespeck vermerkt. Für die Verbraucherzentrale Hamburg eine Zumutung. In einem Facebook-Post vom 30. Mai 2022 schreibt die Verbraucherzentrale zu der Geflügelsalami des Fleischprodukte-Herstellers: "Wenn man auf die Rückseite der Packung schaut, fällt auf: Diese Geflügelsalami hat Schwein gehabt. So eine Schweinerei!"

Gericht stellte bereits 2020 fest: Bezeichnung als "Geflügelsalami" ist irreführend

Wegen dieses Falls wurde bereits am 24. November 2017 Klage seitens der Fleischwarenfabrik erhoben. Der Klage war eine Beanstandung des Kreises Gütersloh vorausgegangen, der sich über die Bezeichnung beschwert hatte. Im Urteil des Verwaltungsgerichts Minden vom 22. Januar 2020 wurde der Einspruch des Unternehmens abgewiesen. "Die Klage wurde abgewiesen, weil die Bezeichnung ‚Geflügelsalami‘ für ein Produkt mit Schweinespeck irreführend ist", schilderte die Gerichtssprecherin Teresa Grabitz gegenüber dem Haller-Kreisblatt. Im Urteil wird argumentiert, dass es nicht ausreiche, wenn erst auf der Rückseite zu erfahren sei, dass sich Schweinespeck in der Geflügelsalami befinde. 

Schon damals war für das Gericht klar, dass die Verpackung der Fleischwarenfabrik nicht die Lebensmittel-Informationsverordnung der Europäischen Union erfülle. "Andere Hersteller sollten sich an dem Urteil orientieren", hieß es in der Urteilsbegründung. Die Richter seien für ihr Urteil von einem "durchschnittlich informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbraucher" ausgegangen. Die Bezeichnung "Geflügelsalami" sei irreführend, da Verbraucher dadurch erwarten würden, dass darin ausschließlich Geflügelfleisch enthalten sei.

Das Unternehmen Wiltmann legte gegen das Urteil Berufung ein. Daher ist das mehr als zwei Jahre alte Urteil bislang immer noch nicht rechtskräftig. Über die Berufung muss das Oberverwaltungsgericht Münster entscheiden. Das Unternehmen Wiltmann sieht die Konsumentinnen und Konsumenten dagegen "vollumfänglich informiert, wie ein Sprecher des Unternehmens gegenüber "24Hamburg.de" mitteilte. Sollte sich die Rechtsgrundlage ändern, werde die Verpackung entsprechend angepasst.