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Öko-Test

Kritik am Radler als Natur-Getränk: Mischgetränk im Vergleichstest

Radler trinken ist im Sommer sehr beliebt. Das Getränk zählt mittlerweile in den Biergärten zu den Klassikern. Öko-Test hat 50 Radler untersucht und fand in durchweg allen getesteten Getränken zu viel Zucker.
 
Bier Radler
Radler ist ein beliebtes Getränk im Biergarten, enthält jedoch zu viel Zucker. Foto: ThorstenF/pixabay.com.

Das Radler gehört, ebenso wie herkömmliches Bier, zu den Standard-Getränken auf Bierkellern, in Biergärten, Bars und Restaurants. Öko-Test hat jetzt 50 Radler auf Inhaltsstoffe, Zuckergehalt und Geschmack untersucht. Erschreckend ist, dass in durchweg allen Radlern bedenkliche Mengen an Zucker enthalten sind - nur 18 der getesteten Getränke sind "gut", viele andere andere lediglich "befriedigend" oder "ausreichend".  

Ein paar Radler-Fakten am Rande: Fertig gemischte Radler sind gesetzlich erst seit 1993 erlaubt - davor musste das Biermischgetränk* immer direkt vom Wirt zubereitet werden. Außerdem: Auf den Etiketten der Radler ist häufig nicht deklariert, wie viele Kalorien und Nährwerte sie enthalten. Manchmal ist nicht einmal eine Auflistung der Zutaten enthalten. Das ist jedoch vollkommen legal, wenn sie mindestens 1,2 Volumenprozent Alkohol oder mehr enthalten. 

Das steckt in den Radlern: Zu viel Zucker und kaum Glyphosat

Erfreulich ist, dass immerhin 18 der insgesamt 50 getesteten Radler "gut" abschneiden. Keine der Marken schnitt schlechter als "befriedigend" ab. Erschreckend ist allerdings der durchweg sehr hohe Zuckeranteil der Biermischgetränke. Das stellt auch den größten Kritikpunkt von Öko-Test dar, ansonsten sind an den gestesten Radler keine problematischen Auffälligkeiten zu erkennen. 

Hauptkritikpunkt: Zu viel Zucker in allen Radlern

Keines der Radler erreicht die Bewertung "sehr gut" - aufgrund der großen Mengen an enthaltenem Zucker. Öko-Test kritisiert, dass ein Erwachsener durch eine einzige Flasche Radler schon mehr Zucker zu sich nimmt, als es die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen. Die WHO warnt davor, dass der Konsum zuckerhaltiger Getränke für einen globalen Anstieg von krankhaftem Übergewicht und Diabetes Typ 2 verantwortlich ist. Um die Obergrenze der WHO-Empfehlung nicht zu überschreiten, sollte ein Erwachsener nicht mehr als ein zuckerhaltiges Getränk am Tag zu sich nehmen. 

Aus diesem Grund ist es den Tester auch so wichtig, den hohen Zuckergehalt in den Radlern abzustrafen: Radler, die mehr als 2,5 Prozent Zucker enthalten, wird automatisch eine ganze Note abgezogen. Dabei orientieren sich die Tester an der Europäischen Health Claims Verordnung, die Richtlinien für ein "zuckerarmes" Getränk vorgibt.  Für die britischen Bier- und Radler-Hersteller ist ein 5-Prozent-Zuckeranteil besonders relevant: Denn in Großbritannien wird ab einem Zuckergehalt von über fünf Prozent in Getränken eine Steuer fällig. Fünf der getesteten Radler enthielten Süßstoffe, die zwar für eine Zuckereinsparung sorgen, jedoch trotzdem nicht ideal sind, da sie für eine regelrechte Gewöhnung an die Süße führen.

Die Zucker-Bombe: Pfungstädter Naturradler

Der Verlierer im Zucker-Vergleich: das Pfungstädter Naturradler. Es enthält pro 100 Milliliter ganze 7,1 Gramm Zucker. Das sind etwa 11,8 Stücke Würfelzucker in einer 0,5 Liter Flasche Radler - absoluter Zucker-Spitzenreiter. 

Kalorien-Transparenz fehlt

Weiterer großer Kritikpunkt der Tester ist die oftmals schleierhafte beziehungsweise fehlende Angabe der Kalorienmenge. Und dass ein Radler viele davon hat, damit kann man rechnen: Die sehr süße Limonade plus das reichhaltige Bier ergeben gut und gerne 225 Kilokalorien pro Liter Radler. Etwa die Hälfte der 50 getesteten Biermixgetränke lies diese Angaben vermissen. Das Natur Radler von Eichbaum und das Radler von Rothaus boten nicht einmal eine Zutatenliste an.

Auch interessant: Abnehmen durch Bier-Trinken? Ob da etwas Wahres dran ist, klären wir in unserem Artikel zur Bier-Diät.

Positiv: Kaum Spuren von Glyphosat

Erfreulich ist allerdings, dass Öko-Test nur in fünf der fünfzig getesteten Radler Glyphosat-Rückstände nachweisen konnte. Das stark umstrittene Pflanzenschutzmittel steht im Verdacht, erbgutschädigend und krebserregend zu sein - jedoch nicht in den geringen Mengen, wie sie normalerweise in unseren Lebensmitteln zu finden sind. Vor allem jedoch schädigt das Unkrautvernichtungsmittel die Biodiversität: Oftmals wird durch die Verwendung der Lebensraum von Insekten wie Bienen & Co. vernichtet.

Die Tester vermuten, dass das nachgewiesene Glyphosat aus dem Anbau von Malz oder Getreide stammt. In Deutschland ist das Gift zudem das am meisten verwendete Pflanzenschutzmittel. Dennoch soll es nur noch bis Ende 2022 Verwendung in der Landwirtschaft finden, und zwar EU-weit. Umso besser, dass es auch jetzt schon kaum in den Radlern nachzuweisen war. 

Deklaration als Natur-Getränk fragwürdig

"100 % natürlich", "naturtrüb", "Naturradler" - manche der Radler werden so beworben, ohne tatsächlich komplett natürliche Inhaltsstoffe zu enthalten. Das kritisieren die Tester stark und werten ein solches Vorgehen auch ab. Manche Hersteller verwenden künstliche Zusatzstoffe, wie beispielsweise Stabilisatoren oder Konservierungsmittel, um etwa zu verhindern, dass sich Saftbestandteile eines "naturtrüben Radlers" am Boden absetzen. Um ein "Naturradler" handelt es sich hierbei laut den Testern ganz klar nicht.

Den kompletten Test mit allen Ergebnissen finden Sie kostenpflichtig auf der Öko-Test-Webseite.

Tipps beim Radler-Kauf

  • Der Umwelt zuliebe: Achten Sie darauf, Radler zu kaufen, die in Ihrer Region hergestellt werden und in Mehrwegflaschen verpackt sind.
  • Nur weil es herb schmeckt, hat es nicht weniger Kalorien: Radler ist vom Kalorien- und Zucker-Gehalt oft vergleichbar mit einer gewöhnlichen Limonade. 
  • Wer sicher gehen möchte, dass die Zutaten für das Radler wirklich natürlich, also frei von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat, angebaut wurden, sollte auf Getränke setzten, die mit "Bio" gekennzeichnet sind. 

Fazit

Kaum Glyphosatrückstände, jedoch Probleme mit der Nährwert-Transparenz und ganz massiv mit dem Zuckergehalt - das ist das Fazit des Radler-Tests. Keines der Radler erhält aus diesem Grund die Bestnote. Wer auf seine Gesundheit achten möchte, sollte definitiv nicht zu viel von dem Biermischgetränk* konsumieren.

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